Italientour im Bully

Ein kurzes, aber intensives Mobilreise-Abenteuer erlebte ich 1997 mit einem alten grauen Volkswagen T3, der eigentlich mal in die Ukraine exportiert werden wollte. Aus diversen Gründen stand er aber ein halbes Jahr bei mir herum und harrte darauf, wieder verkauft zu werden. Bevor dies geschah, beschlossen Tina und ich, einen alten Traum zu verwirklichen: mit dem Bus über die Alpen. Wir improvisierten eine Inneneinrichtung mit Matratzen, Schlafsäcken, einem Gaskocher, Espressokanne und ein paar Vorratskisten und machten uns auf den Weg. Die Route hielten wir bewusst offen: nach Italien sollte es gehen, und dann mal weiter sehen. Wozu waren wir mobil?

Erster Stopp war ungeplant irgendwo auf der Autobahn in Bayern, weil wir den Bus trockenfuhren. So gerade noch rollten wir auf einen Behelfsparkplatz aus. Peinlich, peinlich, das fing ja gut an, hoffentlich erfährt das nie jemand! Statt gleich den ADAC über die nächste Notrufsäule anzurufen, machten wir uns zu Fuß über das anliegende Feld in Richtung nächste bewohnte Siedlung. Tatsächlich gab es nach einigen Kilometern eine Tankstelle am Straßenrand. Unvergesslich: wir kommen rein, werden begrüßt und sagen: „wir hätten gerne etwas Diesel“ und der fragende Blick des Tankwarts auf die Säulen draußen … – schließlich zogen wir mit einem neugekauften Kanister und 5 Liter Kraftstoff wieder über das Feld in Richtung Bus ab und betankten ihn. Wer aber geglaubt hat, dass es nun weiterging, täuscht sich. So ein abgesoffener Diesel braucht eine Menge Batteriekraft, wenn man ihn wieder ankriegen will, und die hatte unser Bus nicht mehr. Am Ende musste ich doch wieder ADAC-Mitglied werden, weil wir zwei Mädels den schweren Bus auch nicht angeschoben bekamen und Starthilfe brauchten.

Erster geplanter Stopp war dann Berchtesgaden, wo wir spätabends ankamen und mitten in der Stadt auf einem Parkplatz nächtigten. Überhaupt war das eigentlich die ganze Diskussion auf der ansonsten sehr harmonischen Reise: sollen wir lieber irgendwo am Waldrand stehen, wo es schön ruhig und abgelegen ist (und der schwarze Mann aus dem Wald kommen kann), oder lieber mitten in der Stadt unter einer Laterne (wo man nie alleine ist)? Da das eine Bauchgefühl-Frage war, blieb es meist bei den belebteren Orten im Stadtzentrum, oder eben manchmal auch auf einem „richtigen“ Campingplatz. In Berchtesgaden war der einigermaßen leere Parkplatz im Zentrum am nächsten Morgen jedenfalls sehr belebt, was die Morgentoilette in dem Fensterbus auf ein un-damenhaftes Minimum reduzierte.

Mit dem Reisebully über dem Comer See
Mit dem Reisebully über dem Comer See

Von Berchtesgaden ging es über die Alpen in Richtung Verona, wo wir eine Freundin besuchten und mit ihr die köstlichen regionalen Spezialitäten kennenlernen durften, ganz abseits der Touristen-Restaurants. Am Comer See starteten wir eine großartige Wandertour, nach der wir leider am nächsten Tag die Notaufnahme in Lecco besichtigen konnten – ein beherzter Sprung eine Böschung herunter hatte schmerzhafte Folgen gehabt: „non frattura – non molto caminare“ (nicht gebrochen, aber wenig laufen) hieß die Diagnose, und aus dem Wanderurlaub wurde ein Erholungsurlaub mit gemütlichen, humpelnden Stadtbesichtigungen. Ausgemacht hat’s uns eigentlich nichts, wir waren für alles offen.

Bis auf die anfängliche Dummheit mit dem Sprit fuhr unser Bus zuverlässig wie eine kleine Nähmaschine durch sämtliche Tunnels, über steile Bergpässe, Serpentinen, enge italienische Straßen (den einen Kratzer erwähnen wir jetzt mal nicht). Nach Verona und dem Lago di Como folgte Bergamo und Venedig, wo wir auf jedem Polizeischiff Inspektor Brunetti zu entdecken glaubten und Tina sich nur für das Foto am Markusplatz in eins der Arkadencafés setzte – als der Kellner die Bestellung für den Espresso mit astronomischen Preisen aufnehmen wollte, sprang sie schon wieder auf und wir zogen feixend von dannen …

Einsame kroatische Küste im Herbst
Einsame kroatische Küste im Herbst

Nach Venedig zog es uns über ein kurzes Stück Slowenien an die kroatische Küste, wo uns eine ruhige Nachsaison mit gemütlichen Hafenstädtchen und Kiesstrand erwartete. Über die slowenischen Berge und Maribor (sehr freundliche Menschen!) ging es dann zurück nach Österreich und langsam, aber sicher Richtung Heimat.

Der Bus bekam zuhause noch eine neue Batterie spendiert und wurde dann für 5000 Mark verkauft; er diente noch jahrelang zuverlässig als Transportfahrzeug für einen Eine-Welt-Laden – und ich trauerte noch jahrelang ihm und dieser unabhängigen, abenteuerlichen Art des Reisens nach. Bis heute!

3 Kommentare

  1. Liebe Elke,
    du mußt dieser Art zu reisen nicht mehr nachtrauern, denn ab sofort fahrt ihr ja viel komfortabler mit Wohnmobilen von Reisemobile-Berens.
    Ich freue mich schon in ca. 2 Wochen zum Club dazu zu stoßen. Über Paris geht es in Richtung Norden zum Mont Saint Michel. Danach die Küste entlang westlich nach St.Malo auf der Suche nach den alten Piraten. Wie es von dort weitergeht ist noch nicht entschieden. Auf dem Rückweg soll noch die malerische Stadt Dinan an der Rance besucht werden. Dort ist das Mittelalter noch heute real.
    Allzeit gute Fahrt und ein Schlückchen Benzin im Tank (oder Diesel ;-))
    Joao

  2. Hallo!

    Vielen Dank für die schönen Urlaubserlebnisse. Ich werde mit meiner Freundin und Freunden im Juli mit einem modernen VW Bully durch Italien reisen. Ich habe mir mal die Anhaltspunkte notiert und werde mir eine schöne Route aussuchen.

    Herzliche Grüße,
    Mario

  3. Hallo Mario,
    wir freuen uns, dass unser Blog gefällt und ggfs. Inspirationen liefert. Genauso freuen wir uns über jeden Kommentar. Es wäre schön, wenn die Besucher eine „echte“ E-Mail Adresse angeben, damit wir vielleicht auch mal Kontakt aufnehmen können. Deine Adresse ist im Spamfilter hängengeblieben (kein Wunder ;-)). E-Mail Adressen werden grundsätzlich nicht im Blog veröffentlicht und können nur von 2 Admins eingesehen werden. Also kein Grund zu Befürchtungen.
    Übrigens: Wenn Ihr Lust habt, schreibt doch über eure Touren und schickt sie an uns. Die Firma Berens, die dieses Blog sponsert, verlost auf ihrem Herbstfest (wahrscheinlich September) nützliche Reisedinge für alle Teilnehmer. Also ran an die Tasten und mitmachen.
    Lieben Gruß vom Reiseteam aus Kölle
    Jo (Admin)

    P.S. ich selber fahre auch im Juli mit einem Bulli (alter T3) in die Bretagne in Urlaub und werde, wenn mein UMTS Stick funktioniert von unterwegs ein wenig berichten. Schau mal unter:
    http://www.geliebte-bretagne.de
    da geht’s wieder hin

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