Mücken-Morden in Florida

Meine Bekanntschaft mit Reisemobile Berens hat mich in Sachen Wohmobil-Klassen ein wenig weitergebildet, und so weiß ich heute, dass es wohl ein Liner war, mit dem meine Familie 1984 eine einwöchige Tour durch Florida machte – ein für unsere Verhältnisse riesiges „Schiff“ mit Automatikgetriebe (für meinen Vater damals ganz ungewohnt). Drei Erwachsene und zwei Jugendliche hatten bequem Platz darin, und der Alkoven, den ich mir mit meinem Bruder teilte, war etwas wackelig konstruiert, was noch eine Rolle spielen sollte. Begleitet wurden wir von dem Sohn unserer amerikanischen Gastgeber, der während der Reise die improvisierte deutsche Kochkunst meiner Mutter kennen- und genießenlernen durfte.

Unser amerikanischer Liner auf einem Stellplatz in Florida.
Unser amerikanischer Liner auf einem Stellplatz in Florida.


Unser Ausgangspunkt war Orlando, wo wir bereits Disney World, Sea World und die Universal Studios besichtigt hatten – auch Cape Canaveral mit den Startplätzen der Space Shuttles stand auf dem Programm. Mit dem Wohnmobil ging es nun in den Süden Richtung Everglades und die Keys ganz im Süden.

Außer Alligatoren und endlosen Mangrovensümpfen wird mir von den Everglades vor allem ein sehr leerer Stellplatz im Gedächtnis bleiben („oh wie schön, so viel Platz, kein Mensch hier …“) – wir kamen abends an, und als wir die Tür öffneten, wussten wir auch ganz schnell, warum kein Mensch außer uns auf diesem Stellplatz war: Riesige Schwärme hungriger Mücken überfielen uns, und wir flüchteten blitzartig wieder ins vermeintlich rundum mit Mückengittern geschützte Wohnmobil. Wir schlugen die Zeit bis zum Schlafengehen mit Spielen und Lesen tot, und dann ging das Licht aus und wir alle in die Kojen. Leider ging das Abenteuer jetzt erst los: Irgendwie hatte es „eine“ Mücke ins Wohnmobild geschafft, und mich mochten diese Quälgeister schon immer am liebsten. Ich verkroch mich unter das Laken, aber immer, wenn ich drohte einzuschlafen, sssssss und – zack! – schrak ich hoch und brachte den Alkoven zum Wackeln. Mein Bruder, der immer schon von Stichen verschont geblieben war, war jedes Mal gerade eingeschlafen und fiel durch mein panisches Gerappel ebenfalls fast vom Bett.

Irgendwann wurde es mir zu bunt. Ich hatte das Gefühl, die Nacht müsse schon herum und es früher Morgen sein, so lange hatte ich mich juckend, kratzend und hochschreckend gequält. Als ich vom Alkoven runterkletterte und das Licht anmachte, erwarteten mich mehrere Überraschungen:

  • es war erst gegen Mitternacht,
  • niemand hatte wirklich geschlafen …
  • … und es war nicht eine Mücke, sondern ganze Schwärme von Mosquitos, die es offenbar durch die Klimaanlage oder eine andere Öffnung geschafft hatten.

Ein großes Rachegemetzel setzte ein, und es wurde die Nacht der blutigen Wörterbücher und Reiseführer, denn die benutzten wir zum Mückentöten. Als das geschafft war, ergriffen wir die Flucht aus den Sümpfen. Zig Kilomenter entfernt, stellte wir uns auf einen Parkplatz am Straßenrand und fanden endlich unseren Schlaf. Am nächsten Tag zählte ich bei mir 70 Mückenstiche.

Das Achtziger-Jahre-Ambiente im Wohnmobil. Man beachte auch den luxuriöse Folien-Bodenbelag...
Das Achtziger-Jahre-Ambiente im Wohnmobil. Man beachte auch den luxuriösen Folien-Bodenbelag…

Aber es gab natürlich auch weniger schmerzhafte Erlebnisse auf dieser Wohnmobiltour. Niemals werde ich die Atmosphäre am Strand von Key West vergessen, die ich als 17jährige damals nicht als touristisch, sondern besonders „hip“ empfand. Und natürlich der berühmte Sonnenuntergang, und der südlichste Punkt der USA, von dem aus es nur ein Katzensprung bis nach Kuba war. Und der junge Amerikaner, der uns auf der Reise begleitete, war auch sehr ansehnlich …

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