Besuch am Mont Saint Michel

gesponserte Berens Tour Oktober 2009 – Paris- Mont Saint Michel – Saint Malo – Cap Frehel – Dinan

Der Mont Saint Michel:

Geodaten: 48° 38′ N, 1° 31′ W
Der Mont Saint-Michel ist eine Felseninsel im Wattenmeer der Normandie, an der Grenze zur Bretagne nahe der Stadt Avranches. Er liegt an der Mündung des Couesnon etwa einen Kilometer vor der Küste.
Der Berg und seine Bucht gehören seit 1979 zum Weltkulturerbe der UNESCO.
Im Jahre 708 erschien der Erzengel Michael dem Bischof Aubert von Avranches im Traum und gab ihm dem Auftrag zum Bau einer Kirche auf dem Berg.
Aber der Bischof glaubte wohl nicht so recht an seinen Traum (vielleicht scheute er auch die Schlepperei ins Wattenmeer) und befolgte den Befehl nicht. Kurzerhand brannte ihm Michael ein Loch in den Schädel. Und heute sieht man was draus geworden ist. Die Kirche steht.
Soviel zur Legende.

ohne Tele noch gerade zu erkennen, der goldene Michel
ohne Tele noch gerade zu erkennen, der goldene Michel

Der gelochte Schädel von Aubert wird inzwischen in der Kirche St-Gervais in Avranches aufbewahrt.
Der Erzengel Michael ziert immer noch die Spitze des Kirchturms und das Benedektinerkloster hat mit seiner Stammbelegung zu kämpfen. Mönch ist auch in Frankreich kein begehrter Job mehr.
Weitere harte Fakten findet man im Internet z.B. bei Wikipedia.

vom Landesinneren kilometerweit zu erkennen. Der Mt.St.Michel
vom Landesinneren kilometerweit zu erkennen. Der Mt.St.Michel

Jo besuchte den imposanten Berg bereits zu Studizeiten zusammen mit zwei Kollegen und seinem damals dreijärigen Sohn Sebastian. Es war April und nachts gab es Temperaturen um Null Grad herum. Ich weiß nicht mehr, wie wir uns zu viert im nicht isolierten VW Bus gegenseitig warm hielten, aber es war ein netter Trip.

Heute im beheizten Wohnmobil von Reisemobile-Berens kaum noch vorstellbar.
Um 1990 herum war der Mont Saint Michel ein Dorado für Motorradfahrer und die wenigen Reisemobilisten die es damals gab. Auf dem Damm zum Berg hin parkten abends die Camper und fuhren meist am nächsten Morgen weiter. Neben dem Damm gibt es auf der rechten Seite eine riesige Wiese angrenzend an’s Wattenmeer. Hier standen damals zahllose Zelte, wenn nicht gerade einmal im Monat die Hochflut einsetzt.
Seit einigen Jahren sieht es etwas anders aus. Die Dichte der Womo-Fahrer hat deutlich zugenommen. Die damals sprichwörtliche Toleranz der Franzosen gegen Wildparker hat kongruent abgenommen. Der Damm auf dem Weg zum Berg ist Halteverbotszone und endet rechts unterhalb auf einem asphaltierten Platz, wo man 8,- € für die Übernachtung zahlt. Wohlgemerkt nur für das Stehen, Versorgungssäulen gibt es nicht. Nun ja, bei Flut wären es ja auch Unterwassersäulen.
Wir hatten das Glück pünktlich zum Kassenschluß anzukommen. Der Kassierer sah, dass wir zögerten die Absperrung zu durchfahren und erklärte die Kasse bereits für geschlossen. Er käme erst Morgen früh zum Kassieren. Durch die Blume gab er uns allerdings zu verstehen, wer ab 8:00 Uhr nicht anwesend sei, könne auch nicht abkassiert werden. Da war er wieder, der alte Charme der Franzosen.
Wir beschlossen in unmittelbarer Nähe zum Berg zu bleiben und uns Morgen vor 8:00 Uhr aus dem Staub zu machen. Für Jo, die alte Nachteule, quasi mitten in der Nacht.
Ein Stellplatz – mit Nase zum Damm hin gerichtet und die Schiebetür Richtung Berg – war schnell gefunden.
Nach einem Erholungspäuschen packte ich meine Fotoausrüstung zusammen um den Berg zu erklimmen. Neben der kleinen Digitalkamera hatte ich meine alte Canon A1 Spiegelreflex mit fettem Metz Blitz und mehreren Objektiven mitgenommen. Das schwere Manfrotto-Stativ ließ ich wieder im Auto, die Schlepperei wollte ich mir nicht antun. Nach ca. 20 Jahren das erste mal wieder mit Kamera und Schwarz/Weißfilm unterwegs. Das erschütternde Ergebnis habe ich gewagt in die Bildergalerie zu stellen. Die zukünftigen „Berens-Reisen“ werden mir Gelegenheit geben mich zu bessern. Ich schwöre.
Wie ich gehofft hatte war der Berg um diese Jahreszeit nicht mehr so von Touriströmen überollt wie üblicherweise im Sommer. Man konnte gehen und fotografieren ohne umgerannt zu werden.
Nachdem man das Außentor und den Vorhof passiert hat kommt man durch ein Innentor, das früher durch ein mächtiges Fallgitter gesichert wurde. Danach fängt die eigentliche Touriemeile an, die steil bergauf führt.

Die Touristen Meile
Die Touristen Meile

Hier reiht sich ein Gastronomiebetrieb an den anderen bunt gemischt mit Andenkenkitsch und allem, womit man den Touristen zu erfreuen glaubt. Wenn man den Berg schon von früheren Besteigungen kennt, läuft man Gefahr diese Meile komplett zu ignorieren und die überwältigende mittelalterliche Architektur dabei zu übersehen. Auf diesen ersten Metern befindet sich auch die Mt. St. Michel eigene Post.
Man sollte kaum glauben, dass hier tatsächlich Menschen ihren Wohnsitz haben und tagtäglich diesen Rummel aushalten.
Sobald man die Touristenfalle durchquert hat bieten sich auch schon die ersten ruhigeren Gefilde. Kleine querverlaufende Gassen, steil ansteigende Steintreppen mit Blick in Hinterhöfe und Gärten. Wenn man die Muße dazu hat lohnt es sich diese ruhigen Nebenwege mal einzuschlagen. Weil alles so verwinkelt ist und ständig steil rauf und runter geht, braucht es eine gewisse Kondition und ausreichend Zeit. Belohnt wird man durch einzigartige mittelalterliche Eindrücke und man wundert sich welch ruhige Orte nicht weit vom Getümmel existieren.

Der Berg wirft seinen Schatten
Der Berg wirft seinen Schatten

Der Hauptweg führt spiralförmig um den Berg herum. Auf den Außenseiten bietet sich ein grandioser Blick auf die Bucht von Mont Sain Michel.
Bei Ebbe ist vom Meer kilometerweit nichts zu sehen. Außer den Prielen, die das Watt durchziehen und die jederzeit Wasser führen glaubt man kaum, dass der Berg auch Inselzeiten erlebt.
Die Bucht ist in den letzten Jahrzehnten immer weiter versandet und die Zeiten in denen der Berg komplett vom Wasser eingeschlossen ist werden immer geringer. Darum hat die französische Regierung ein Programm aufgelegt, das die Bucht wieder frei spülen soll. Eigentlich sollte schon bis 2008 einiges davon umgesetzt sein (siehe Bericht www.welt.de) . Ich konnte keinerlei Hinweise zu den Aktionen entdecken. Die Parkplätze vor und unterhalb des Berges und der Damm existieren noch in ihrer alten Form.
Aber wandern wir mal weiter. Ich wollte wenigstens bis zum Kirchenportal steigen. Auf dem Weg nach oben packte ich dann meine Canon aus und bastelte den Blitz dran um ein paar schwarz/weiß Fotos zu schießen.
Ich muß es erst wieder lernen, das Gefühl für Tonwerte, für Kontraste und die Wirkung von Blitzlicht. Auf jeden Fall fand ich den riesigen Schattenwurf des Berges in die Bucht hinein beeindruckend und war froh ihn knipsen zu können.

Aussicht auf den Stellplatz
Aussicht auf den Stellplatz
die Bewohner haben ständig diese grandiose Aussicht
die Bewohner haben ständig diese grandiose Aussicht

Bevor man auf die Rückseite mit der Sicht auf die Bucht von Mt.St. Michel gelangt, bekommt man eine gute Übersicht in Richtung Landesinnere mit dem seitlich vom Damm gelegenen Stellplatz. Im Vordergrung ist einer der großen Prile zu sehen. Allerdings ist auch die Wiesenfläche ganz hinten (vor und seitlich vom Stellplatz) mit ihnen durchzogen.
Als es früher noch möglich war auf diesen Flächen zu zelten, war es angebracht sich über die Flut zu informieren. Ich habe es selber abenteuerlich erfahren wie rasend schnell das Meer kommt und man von diesen Wasserschlangen rundum eingeschlossen ist.
Je weiter man den Weg nach oben steigt umso dominanter wird der Eindruck der Kirche auf dem Gipfel.

Kirche und Kloster von Mt.St.Michel
Kirche und Kloster von Mt.St.Michel

Wie haben die damals mit ihren bescheidenen technischen Mitteln bloß die Materialien dort hin geschafft?

ruhige Plätze gibt es hier auch
ruhige Plätze gibt es hier auch

Ich weiß gar nicht wo die Zeit geblieben war. Langsam wurde es dunkler und die Sonne stand schon tief am Himmel. Ich hätte gern noch einen Blick in die Kirche geworfen, sie war aber verschlossen. So machte ich noch einige kurze Abstecher auf Seitenwegen und kam immer wieder auf den äußeren Ring zurück, von dem aus man jetzt ständig wechselnde Eindrücke beim Sonnenuntergang bekam.

Aussicht in der Dämmerung
Aussicht in der Dämmerung
durch die Schießscharten der Mauer fällt das Sonnenlicht
durch die Schießscharten der Mauer fällt das Sonnenlicht

Jetzt merkt man, wie kurz doch schon die Tage werden und man könnte bedauern schon den Rückweg antreten zu müssen. Aber vielleicht ist es die schönste Zeit im Jahr diesen Berg zu besuchen.
Ich werde meinen Besuch in einigen Jahren sicherlich wiederholen, dann vielleicht mit einem Picknick-Korb bewaffnet.
Der Weg zurück zum Stellplatz dauert vielleicht 20 Minuten. Als ich ankam war  bereits die Dämmerung eingetreten. Maria saß mit Buch und Tee vor dem Bus und hatte meine Abwesenheit und die Ruhe genossen.
mt-st-michel11

Sobald die Sonne untergegangen ist wird es schnell schattig um diese Jahreszeit. Wir wärmten uns mit Schlafsack und Glühwein und genossen noch einige Zeit den jetzt beleuchteten Berg, bevor wir  ins Womo flüchteten und die Heizung anschalteten.

... mit Beleuchtung
… mit Beleuchtung

Wir gingen früh Schlafen, wollten wir doch vor 8:00 Uhr das Feld am nächsten Morgen geräumt haben. Für Maria ist Aufstehen um 6:00 Uhr normal, für mich ist 7:00 Uhr noch Körperverletzung.
Ich hab’s tatsächlich geschafft am nächsten Morgen um 7:00 Uhr hochzukommen (vorher kleiner Kaffee am Bett dank Maria). Um 8:00 konnte man die Turmuhr hören und wir erinnerten uns, dass es höchste Zeit war zu verschwinden.  Frühstücken wollten wir auf dem Vorplatz zum Campingplatz, der einen Kilometer vor dem Damm liegt.

Frühstück, Dusch- und andere Versuche ...
Frühstück, Dusch- und andere Versuche …

Ich hatte geplant, wie in alter Tradition, dort Dusche und Toilette zu besuchen. Ich erinnere mich dort noch im November warm geduscht zu haben.  Das war früher (ja,ja, früher …) problemlos möglich. Auch Fremdduscher wurden willig geduldet, brachten sie doch direkt den Umsatz im angegliederten Kaufladen. Kaum jemand verließ den Ort, ohne mit Baguette und anderen Lebensmitteln in Richtung Wiese zurück zu wandern. Irgendwie hat sich da was geändert. Die Toilettentür verlangte von mir eine Chipkarte. Die Lage wurde kritisch, war jedoch nicht ausweglos, hatten wir doch ein Klo an Bord. Tja, jetzt mußte es wohl sein…
Nach all den wichtigen Tätigkeiten machten wir uns bei dichtem Nebel ganz gemütlich auf den Weg in Richtung St. Malo.
Weitere Bilder vom Berg werden in Kürze in Bildgalerien unter „Reisefotos“ zu sehen sein.

6 Kommentare

  1. Hallo Reisemobilisten,
    Bin zufällig über Twitter bei euch rein geraten. Fände es toll, auch einmal mit einem Super Reisemobil Urlaub machen zu können. Biete mich für nächstes Jahr für einen Reisebericht an, es geht allerdings dann in die Pyrenäen (Tour de France).

  2. Hallo Manni,
    danke für deinen Kommentar.
    Der Platz vor dem Mt. St. Michel ist kein echter Stellplatz, sondern lediglich ein Parkplatz wo tagsüber von den Touries schon ordentlich kassiert wird. Ich finde es ganz ok, dass man ihn nachts kostenlos benutzen darf.
    Vielleicht liegt’s auch an meiner „verträumten“ Erinnerung von vor fast 20 Jahren, als in Frankreich – und besonders hier am Berg – alles sehr liberal zuging. Ein echtes Dorado für Motorradfahrer und die damals wenigen, meist selbst umgebauten Wohnmobile, die sich dort trafen und dem kleinen Ort auch noch guten Umsatz lieferten. Inzwischen ist das Umfeld mit Hotels und teurer Gastronomie übersät. Aber alle paar Jahre komme ich auf meiner Bretagne Tour hier vorbei, denn sehenswert bleibt der Berg auf jeden Fall. Außerdem kann man in alten Erinnerungen schwelgen :-)

  3. Der Platz vor dem Le Mont St. Michel ist das allerletzte! Abkassieren bis zum Abwinken. Dann diese Menschenmassen, da kann ich ja Sonntags gleich in Bad Zwischenahn bleiben. Dort flüchten wir schon immer.
    Für mich ist die Atlantikküste viel schöner!

  4. Der Mont Saint Michel war sicher auch für uns eines unserer Highlights aus der Bretagne. Wir werden sicher gern immer wieder in diese Gegend kommen, denn abseits dieses touristischen Ortes gibt es soviele kleine schöne Dinge zu entdecken. Unsere Erlebnisse vom Mont Saint Michel haben wir hier niedergeschrieben: Mont Saint Michel

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