Dinan – Reise ins Mittelalter

Der Urlaub in Cap Frehel war leider zu Ende. Am Vormittag war alles gepackt

Bevor wir uns wieder auf den Heimweg machten, sollte Dinan unser letzter Aufenthaltsort sein.

Immer wieder nett sind Aufenthalte in Cafés, die auf der Strecke liegen. Ein großer Café Creme und ein Croissant sind zum Standart geworden. Wenn es im Café selber keine Croissants gibt kann man sich in der Bäckerei nebenan welche besorgen und sie mit rein bringen. Das ist in Frankreich so üblich. Auch hier machten wir das so. Leider muß man zum Rauchen (das gehört zum Kaffe einfach dazu) vor die Tür gehen. Die Franzosen halten sich offenbar an die EU Richtlinien.

man kennt sich, tratscht, trinkt ... nett
nett … man kennt sich, tratscht, trinkt …
... und hat einen Wachhund
… und hält sich einen Wachhund

Abenteuer Einkauf:

Was bisher unerwähnt geblieben ist: Es gibt auf jedem Weg ungezählte Intermarches  (Maria bevorzugt „Champion“ Märkte, die haben so schöne Taschen die nicht so knistern, wenn man sie knittert) , Aldis und Lidls. Diese werden ausgiebigst besucht und aufgekauft. Kein Wunder also, dass die Fahrt von der Abfahrt eines Ortes bis zum nächsten Zielort immer einige Stunden dauert. Ich plane ein vollständiges Verzeichnis aller solcher Discounter bei unserem nächsten Bretagne Urlaub zu erstellen.

Mit den Mädels im Gepäck hätte ich ausgiebig Zeit dazu. Ich halte es meist nur ein halbes Stündchen in solch einem Laden aus, ergreife dann die Flucht in Richtung Parkplatz und werde zum Kettenraucher bevor ich dann ein Nickerchen mache.

Irgendwann wecken mich Ute und Maria. Man raucht ein Zigarettchen zusammen (ich mit der bissigen Bemerkung auf den Lippen: Mein Gott, das war jetzt wieder ne geschlagene Stunde), trinkt einen Kaffe zusammen, eventuell kocht Marie auch noch ein Süppchen und den Reservekaffe für die Weiterfahrt. Dann staunt man gemeinsam über das Volumen der neu erworbenen Waren, die auch noch verstaut werden müssen. Damit sind ungefähr 2 Stündchen vergangen und schwupps kann es auch schon wieder weitergehen.

LIDL & Co gibt's hier auch
LIDL & Co gibt’s hier auch

Mit Maria allein unterwegs läuft das ganz anders!

Wir machen – wie immer – eine Einkaufsliste. Wir erstürmen mit einem Einkaufswagen den Laden. Ich würde die Liste jetzt aufteilen und in 5 Minuten an der Kasse stehen.

Männer!

Maria geht systematisch vor. Das spart Zeit und es entgeht einem nichts dabei. Es könnte sich was finden, was nicht auf der Liste steht und für die Weiterfahrt unentbehrlich ist. So schlendert sie im Slalom sämtliche Gänge entlang wobei sich der Einkaufswagen mit bekanntem Volumen füllt. Nach einer halben Stunde ergreift Jo die Flucht Richtung Parkplatz, wird zum Kettenraucher ….Nickerchen….. ach ja, der Rest ist bekannt.

Aber diesmal war ich selber Schuld. Auf dem Campingplatz in Cap Frehel hatte ich mit der Technik hadernd versehentlich ein Überlaufventil betätigt und 30% unseres Frischwassers in die Wiese entlassen. Maria sei Dank konnten wir den Verlust bei Lidl wettmachen. Wir kauften für einen Spottpreis insgesamt 24 Liter Stille Quelle ein, um es dem Tank wieder zuzuführen. Wir hatten schließlich noch einen ganzen Tag und eine ganze Nacht vor uns.

Maria bei Press-Betankung
Maria bei Press-Betankung
nach Maria's Behandlung
nach Maria’s Behandlung

Beim Befüllen, das uns einfach zu langsam ging, erinnerten wir uns an die Pressbetankungen in der Formel1. Das machte Spaß und ging recht flott.

Apropos flott: Danach konnte es schon weitergehen auf dem Wege nach Dinan.

Kurzbesuch in Dinan:

Da wir am selben Tag den Rückweg nach Köln antreten wollten, blieb für den Bummel durch die Stadt nur ein halber Tag, der auch schnell vorbei ging.

Wenn man den Schildern nach Dinan folgt, muß man sich vor dem Ortseingang entscheiden nach unten an die Rance an den Hafen von Dinan, oder nach oben in die Altstadt zu fahren. Wir entschieden uns für die Altstadt.

Übrigens: Falls Sie den Weg an den Hafen nehmen. Man kann von dort aus zu Fuß eine malerische Kopfsteinstraße nehmen die steil bergauf durch ein Tor der Stadtmauer direkt in die Altstadt führt. Folgen Sie auf der linken Seite des Flusses der Rue du Port bis links die Rue du Petit Fort einmündet. Sie führt an zahlreichen Kunsthandwerken und Restaurationen vorbei in den Stadtkern. Sie ist für Fahrzeuge gesperrt. Einen Parkplatz findet man aber immer unten direkt am Fluß.

Wir nahmen mit dem Auto, wie gesagt, den direkten Weg in die City.

Nach einigen Serpentinen erreicht man automatisch den großen Parkplatz mit der Statue von Bertrand Du Guesclin. Er verteidigte im Jahr 1357 erfolgreich die von den Engländern belagerte Stadt.

Bertrand Du Guesclin
Bertrand Du Guesclin

Ab hier ist man schon mittendrin. Ein paar Schritte weiter kann man die ersten Fachwerkbauten bewundern. Typisch in Dinan ist die Bauweise die oberen Stockwerke größer zu bauen als das Erdgeschoß. Entweder wird die erste Etage von außen mit Säulen gestützt. Meist aus Holz oder seltener mit Steinsäulen. Oder der Überhang wird balkonähnlich mit waagerecht herausragendem Fachwerk abgefangen. Unten ergibt sich so ein Fußweg ohne die Strassenbreite einzuschränken.

typisches Haus in Dinan
typisches Haus in Dinan
Straße in Dinan
Straße in Dinan

Der Erhaltungszustand ist einmalig und die Stadt zu besichtigen ist ein Genuß für jeden, der alte Fachwerkarchitektur liebt. Bei einem Haus wurde mir beim Anblick allerdings etwas flau was die Statik betraf.

das hält keine 100 Jahre mehr
das hält keine 100 Jahre mehr

Die Stadt ist natürlich eine Touristenattraktion. Und mit lediglich wenigen Stunden Zeit benahmen wir uns auch als echte Touries. Wir wanderten einfach planlos umher und knipsten alles was krumm oder gerade ist. Um einen kleinen Einblick in die Stadt zu bieten, hänge ich hier wieder einige Bilder ohne weitere Worte auf. Mehr davon unter Reise Bilder aus Dinan:

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eines der sehr krummen Exemplare
eines der sehr krummen Exemplare

Als Maria mal kurz in eine Apotheke ging sah ich das perfekte Cafe für uns.

hier stimmen Preis und Ambiente
hier stimmen Preis und Ambiente

Der Preis genau passend zum verbleibenden Budget. Außerdem mit Herz für Raucher. Man hatte außen vor der Scheibe einen kleinen Tresen angebaut mit Barhockern davor und Aschenbecher auf dem Tisch. Da konnte man schon mal großzügig werden.

Maria ist auch zufrieden
Maria ist auch zufrieden
letzter Kaffe vor der Abfahrt
letzter Kaffe vor der Abfahrt

Hier in dieser Stadt ergab sich dann auch die Gelegenheit meinen überteuerten schwarz/weiß Film aus Saint Malo zu verschießen. Leider waren die Lichtverhältnisse etwas trüb. Aber ich konnte ja nicht warten bis sich das Wetter ändert. Wir wollten heute noch den Heimweg antreten. Meine ersten schwarzweißen Gehversuche nach über 20 Jahren habe ich in die Reisefotos geklebt. Wer mag schaut mal rein.

Weiter ging die Wanderung. Den Besuch des Hafens hatten wir schon gestrichen. Dafür reichte die Zeit nicht mehr aus. Wir wollten auch unbedingt im Hellen starten. Mir reichte schon der Gedanke Paris im Dunkeln zu umrunden, oder wie sich herausstellen sollte sogar zu durchfahren.

Nach dem Kaffe besichtigten wir noch die eine oder andere Gasse. Es gibt hier offensichtlich nicht nur antike Häuser, sondern auch antike Fahrzeuge. Ich wußte gar nicht, daß Peugeot auch mal Motorräder gebaut hat.

betriebstüchtige Antiquität
betriebstüchtige Antiquität

Langsam machten wir uns auf die Suche nach unserem Parkplatz. Bei der leicht orientierungslosen Suche kamen wir noch durch so manch sehenswerte Straße. Ich mußte mich über Maria wundern. Wo war ihre naturgegebene Einnordung geblieben. Ohne große Diskussionen mit mir nahm sie die Hilfe von Passanten in Anspruch. Wahrscheinlich Heimweh.

Auf dem Weg zur Landstraße in Richtung Autobahn wollte ich zumindest von der großen Brücke aus den Hafen von oben fotografieren. Kaum war ich aus dem Auto geklettert, fing es an zu regnen. Schnell drei Schnappschüsse, rein in’s Auto und los. Diesmal kurz und schmerzlos. Keine Aldi Einkäufe mehr, kein Kaffe- oder Süppchenkochen, kein Zigarettchen.

Viaduct über die Rance
Viaduct über die Rance

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Jetzt war sie unbestreitbar vorbei, unsere Urlaubswoche. Die Heimat und der Alltag drohte.

Doch vor  Heimat und Alltag liegt der Rückweg.

Und der sollte  dieses mal – weil es ja viel schneller geht als über die gewohnte Landstraße – über Paris führen.

Nun, die hunderte Kilometer bis vor die Tore von Paris sind nicht weiter erwähnenswert. Ist ja quasi von jedem Dorf aus ausgeschildert. Der Nabel der Welt heißt Paris. Alle Wege führen nach Paris. Kein Problem.

Nur drumherum, oder gar mittenhindurch…. das kann schon eines werden.

Aus Richtung Westen kommend wollten wir Paris auch westlich umfahren und im Norden auf die A1 weiter in Richtung Norden fahren. Kann doch nicht so schwer sein. Außerdem hatte ich Maria an meiner Seite, Sie wissen schon ….. von Geburt an kartenlesend eingenordet. Diesmal jedoch schlecht vorbereitet.

Inzwischen war es stockdunkel .

Wir fuhren also auf Paris zu um auf der „Périphérique“ die Umrundung zu beginnen und den „Porte de la Chapelle“ im Norden als „Ausgang“ zu benutzen. Natürlich gibt es auch auf der Westseite genügend Portes um auf die Périphérique zu kommen, aber irgendwie haben wir die verpasst und sind in die City geraten. Na ja, irgendwo wird ja mal so etwas Wichtiges wie die Périphérique ausgeschildert sein.

Und tatsächlich, nach einiger Kurverei ein Schild.

Wußten Sie, dass es eine innere und eine äußere Périphérique gibt?

Wir nicht! Wie lange wir herumgeirrt sind bis wir auf etwas Schnellstrassenähnliches gestoßen sind weiß ich nicht mehr. Und ausserdem, als wir es endlich getroffen hatten ging es nicht Richtung Norden, sondern gen Süden. Langsam war die französische Fahrentspanntheit dahin. Irgendwann, es drohte wieder die unausweichliche Auffahrt auf eine Schnellstrasse nach Irgendwo, bogen wir im letzten Moment ab und fanden uns in einer vielspurigen (gefühlte 20 Spuren) Zufahrt zu einem Großmarkt. Wir hielten an, um einen Mann in einem Schrankenhäuschen zu befragen. Ein charmanter junger Kerl, der sofort mit Händen und Füßen erklärte, dass wir hier völlig falsch seien und der „Porte d‘ Italie“ die richtige Wahl. Kein Problem: Hier durch die Schranke, da hinten schräg rechts den Zubringer raus, dann auf der Sowieso-Spur einordnen und den Schildern nach Porte d‘ Italie folgen. Schon sind Sie auf der Peripherique. Prima. Jetzt endlich im tiefsten Süden konnte man sich sogar aussuchen ob man Paris rechts oder linksherum umkreisen wollte.

Egal, wir wollten nur weg!

Hatte ich erwähnt dass das Vielspurmonster, auf dem wir den Großmarkt angesteuert hatten, eine reine Einbahnstrasse war?

Nun, das bemerkten wir auch erst, als klar wurde, dass wir unbedingt die Schranke passieren mußten, dies jedoch schlappe 11,- € kosten sollte.

Warum in Dreiteufelsnahmen sollten wir für ca. 200 Meter Rausfahren 11,- € zahlen?

Langes Hinundher, der eben noch so charmante Franzose nahm diabolische Züge an, es mußte gezahlt werden. Wir könnten auch den gesamten Weg entgegen der Einbahnstrasse zurückfahren um der Kasse zu entkommen, schlug er vor.

Maria: „Kannst du nicht einfach rückwärts rausfahren?“

Man muß wissen, dass es sich um eine langgezogene uneinsehbare Kurve handelte.

Ich überlegte kurz und hatte spontan die autofahrerische Apokalypse vor Augen. Ich entgegen der Fahrtrichtung, mir entgegenkommend 20 LKWs alle parallel auf 20 Spuren – Vollgas.

Das alles mit einem neuwertigen geliehenen Auto.

Nein! Der Teufel hatte gewonnen. Wir zahlen.

Wir kramten 11,- € raus und reichten sie ihm in seine Kassierfalle. Er kramte kurz rum und gab uns Münzen zurück, die wir in einen Geldschacht an der Schranke werfen sollten. Es waren genau 8,- €.

Wir warfen. Die Schranke ging hoch, ich gab Gas. Wir waren entkommen.

Während unserer Verhandlungen (im freundlichen Teil) hatte der Kerl mir sogar noch mein Feuerzeug abgeluchst.

Auf den 200 Metern zur Ausfahrt fiel ich in Trance. Ich holte mein WooDoo Püppchen aus der Tasche, stach ununterbrochen mit einer langen Nadel auf sie ein. Dann ließ ich das erschlichene Feuerzeug explodieren. Der Kerl in seinem Kassierer Häuschen stand in hellen Flammen. Ich holte tief Luft

Wir waren auf der Périphérique.

Ein Kommentar

  1. Hallo Reisemobilisten,
    das ist ein Reisebericht, der anregt die Bretagne-Küste selbst zu erforschen.Mit etwas weniger Platz in einem VW-Bus (wir haben einen T4-Westfalia-Bus) und Bettaufbau bzw. Rücksitzbankumbau könnte man ähnlich viel Spaß haben.Der Bericht regt das Fernweh an.
    Stefan aus Wesel.

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