Rückschau auf Tag 1: Kirchen, Kreisel, Kaninchen

Bei strahlend blauem Himmel und weniger als 1000 Kilometern auf dem Tacho des brandneuen Pössl 2Win Summit starteten wir gestern morgen auf Rays „Heimatautobahn“, der A3 Richtung Niederrhein und weiter in die Niederlande.

Sommer. Endlich. Dekadenz tut gut.
Sommer. Endlich. Dekadenz tut gut.

Ein winzig kleiner Abstecher um die Mittagszeit bei Hamminkeln, wo wieder mal eine oder zwei Kirchen eines „bestimmten Architekten“ zu besichtigen waren – leider war die erste dann trotz katholischem Feiertag geschlossen. Aber wir sind ja auf einem Dorf: auf kurzem Weg wurde der 80jährigen Herrn G. herangerufen, der sich sowieso für die Kirchenöffnung an Feiertagen einsetze, der würde uns das Innere gerne zeigen … Der Herr erinnerte sich noch an den Bau im Jahr 1935, an der sein Vater mitgemauert hatte und zeigte uns die Stelle, wo er unter dem Gerüst gestanden habe. Genau an dieser Stelle säße er jetzt immer in der Kirchenbank. Über die Böhms und ihre Architektur wußte er genauestens Bescheid und erzählte uns von der Korrespondenz des damaligen Pfarrers mit dem Architekten, wo man um jede Fensternische gefeilscht hätte. Wieder einmal eine freundliche und aufschlußreiche Privatführung, für die wir uns zu bedanken haben.

Das Innere der Böhm-Kirche Christkönig in Hamminkeln-Ringenberg
Das Innere der Böhm-Kirche Christkönig in Hamminkeln-Ringenberg

Ebenfalls ein empfehlenswertes Ausflugsziel ist gleich nebenan die Klosterkirche Marienthal, wo ein sehr kunstsinniger Pfarrer in den 20er und 30er Jahren jedes einzelne Ausstattungsstück der sonst recht unscheinbaren Kirche von namhaften Künstlern hat anfertigen lassen. Fortgesetzt wird das ganze auf dem Friedhof, wo jeder Grabstein eine künstlerische Skulptur für sich ist – kein einziger 08/15-Grabstein. Wir standen mit offenem Mund und staunten.

Dann reichte das theologisch-architektonische Programm aber auch, endlich ging’s abseits der Autobahn nach Holland – unser Wochenendziel ist natürlich so wahnsinnig originell, daß halb Deutschland noch auf der Autobahn an der Grenze im Stau steckte. Wären nur diese vielen Kreisverkehre auf den Landstraßen in Gelderland nicht, dann käme man durchaus auch ohne Autobahn gut voran.

Einen Supermarkt zu finden, stellte sich nicht als so einfach wie gedacht heraus. Schließlich landeten wir in einem dieser typischen „ich fahr mal über die Grenze Kaffee kaufen und tanken“-Läden, wo die deutschsprechende Schlange an der Kasse bis ans Ende der Halle reichte. Naja, wir erwarben das Nötigste, darunter natürlich Stroopwaffeln und Hagelslag und ergriffen die Flucht.

Tagesziel war der Bezirk Drenthe, wo wir uns morgen in Westerbork das ehemalige  Durchgangslager ansehen wollen. Neben einer Gedenkstätte befindet sich dort auch ein Radioteleskop (genaugenommen 11 Teleskope in Reihe, die zusammen ein Riesenradioteleskop ergeben). So etwas weiß man natürlich nur, wenn man ein Nerd ist oder Harry Mulischs „Entdeckung des Himmels“ (noch ein Wikipedia-Artikel, der mal neugeschrieben werden müßte) ganz oben auf der Liste der Lieblingsbücher hat. Wie kommt man sonst schon auf die Idee, nach Drenthe zu reisen? Deutsche Touristen sind hier jedenfalls so gut wie keine auf dem Platz.

Camping de Valkenhof in Westerbork, Drenthe
Camping de Valkenhof in Westerbork, Drenthe

Apropos Platz: Ray konnte beim Einchecken auf dem Campingplatz „Valkenhof“ gleich seine Holländisch-Kenntnisse unter Beweis stellen, auch wenn sie nicht nötig gewesen wären. Ein absolut sympathischer Platz an einem kleinen Wäldchen, nebenan das Freibad, jede der Platzabschnitte mit einem eigenen Kinderspielplatz, bei uns sogar mit einem riesigen Sonnenzeltdach über der großen, mit feinem weißem Sand versehenen Spielzone. Kinderfreundlich hoch drei aber dennoch sehr ruhig und idyllisch. Kaninchen grasen in Seelenruhe auf der Wiese und spielen Fangen miteinander. Auf unseren nagelneuen Klappstühlen vom Aldi genießen wir die letzten Sonnenstrahlen.

(Nur Internet klappte nicht so recht, unser UMTS-Stick tut’s hier natürlich nicht, wir arbeiten noch an einer Lösung ;-))

Das komplette Foto-Album dieser Womo-Tour gibt es wie immer bei Flickr: Reisemobil-Bilder

3 Kommentare

  1. ich beneide euch beiden. Das – endlich – gute Wetter draussen zu erleben. Wir wollten eigentlich wenigstens mit unserer „Emma“ nach Poll an den Rhein gefahren sein. Aber Mariechen kann sich nicht entscheiden. Vielleicht werden wir denn morgen noch spontan ;-)
    Wenigstens habe ich einen Kundenauftrag heute abgearbeitet. Auch ein Trost.
    Gute Fahrt
    Jo

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