Tag 3: Vom Touri-Strandkaff via Delft an den Deich

Was für ein Tag. Nachdem unser doch recht eng gestellter und überteuerter Campingplatz zwischen Bergen und Egmont morgens nicht mal Brötchen zu bieten hatte, brachen wir zeitig unsere Zelte unseren Pössl ab und fuhren die paar Kilometer nach Egmont.

Füße im Touristensand
Füße im Touristensand

Schnuckliger kleiner Ort mit zahlreichen Bikini-, Schwimmflügel- und Sandschäufelchen-Providern. Ein paar hübsche Geschäfte mit allerlei Schnickschnack, die mein Deko-Kusinchen zum Schwärmen bringen könnten; diverse Gastronomiebetriebe kommen noch dazu. Ein Leuchtturm. Und dann: der Strand. Es ist Vorsaison, aber blendendes Wetter, es ist voll, obwohl Ray mir versichert, daß „voll“ in der Hauptsaison nochmal etwas ganz anderes ist. OK, Füße einmal in die Nordsee, barfuß im warmen Sand – nett. Und weiter geht’s, ist nicht unsere Art von Urlaub hier.

Wir ziehen Richtung Süden nach Delft weiter und werden angenehm überrascht. Zügig einen Schatten-Parkplatz unter der Bahnlinie gefunden und zu Fuß in die nahe Altstadt. Entlang der Grachten ein Flohmarkt, soweit das Auge reicht. Cafés und Bistros, und ein „Straßenkunstfestival“, so daß einen an jeder Ecke drollige Artisten, Musik-, Tanz- und Performance-Gruppen überraschen. Richtig was los, aber gut auszuhalten, alles sehr gelassen und entspannt. An einem Bücherstand geriet sogar ein dickes deutschsprachiges Buch von Wolfgang Pehnt über den Architekten Rudolf Schwarz in unseren Beute-Radar, der Verkäufer wußte aber leider, was er da Gutes hatte und verlangte einen Preis weit jenseits unseres Spontankauf-Budgets. Einziger Wermutstropfen: Kirchenbesichtigung Oude und Nieuwe Kerk nur gegen Eintritt, inakzeptabel.

Flohmarkt in Delft
Flohmarkt in Delft

Insgesamt: ein Genuß. Im Café sitzen, Milchkaffee schlürfen, den Straßenkünstlern zusehen und die Sonne genießen. Nach ein paar Stunden war die Sonne auf dem Kopf fast zuviel und das Parkticket abgelaufen, so daß wir gerade rechtzeitig zusammen mit den Politessen ans Womo kamen und mit einem erhobenen Zeigefinger und der Preisinformation für Falschparken (51 Euro!) nochmal glimpflich davonkamen. Auf nach Zeeland!

Wir haben uns überlegt, morgen über Antwerpen zurück nach Hause zu fahren, aber heute in Holland nochmal in der Natur zu übernachten. Und die fanden wir nach kurzer Suche auch. (Gegen Abend kann man Ray pro 10 Kilometer Umweg gut mit einer Stroopwaffel bei Laune halten.) Rotterdam weiträumig umfahren und in Steenbergen rechts abbiegen auf die Halbinsel Tholen – wir sind am Ende der Welt, sprich direkt hinterm Deich der Oosterschelde auf einem Platz nahe Stavenisse, der abgelegener nicht sein könnte, aber dennoch eine gute Infrastruktur bietet. Pool, viele Dauercamper, günstiger Preis für Campingplatz (12,50!) – dafür 7,50 Euro für ein WLAN, das wieder nur auf dem PC ans Laufen kommt. Die Wiese für die Reisemobilisten ist am äußersten Rand und offensichtlich ganz neu angelegt, frisch bepflanzt und mit etwa einem Dutzend Womos sehr entspannt belegt.

Links Wasser, rechts Wasser, wir stehen auf dem Deich und schauen auf unseren Stellplatz.
Links Wasser, rechts Wasser, wir stehen auf dem Deich und schauen auf unseren Stellplatz.

Kein Strand, deshalb aber wohl auch Ruhe und Frieden. Grillgeruch zieht vom Nachbarn herüber, dafür esse ich Ray gerade die Erdbeeren weg. Wenn die Sonne gleich knapp überm Deich ist, besuchen wir noch das riesige blühende Mohnfeld nebenan, und mit ein bißl Glück gibt’s auch noch einen mittelprächtigen Sonnenuntergang.

Mohnfeld
Farbenflut
Nordseeflut
Nordseeflut. Achso: das ist doch so etwas wie ein Strand ein paar Meter weiter. 

Das komplette Foto-Album dieser Womo-Tour gibt es wie immer bei Flickr: Reisemobil-Bilder

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