Ein verregneter Samstag in Galizien

Heute morgen zieht es sich früh zu und sieht nach Regen aus. Wir bleiben erst einmal wo wir sind und bringen ein wenig Ordnung in unser Chaos, erledigen etwas Hausarbeit – wenn man dreimal vom selben Frühstücksteller gegessen hat, ohne ihn richtig zu spülen, wird es langsam mal wieder Zeit. Inzwischen sind wie hier recht etabliert, so hat Roman nachts um eins gehört, wie rumpolternde Besucher zurechtgewiesen wurden: „Ruhe, da drin schlafen Leute!“ – „Was? Wo? Da drin? Wow, was für ein schönes Teil“ … Jaja, unser Pösslchen :-)

Trotz des üsseligen Wetters besuchen uns heute am Samstag insgesamt drei Brautpaare für Fototermine, wenn wir richtig gezählt haben. Die Fotografen sind Profis und haken die diversen Pflichtposen vom Zettel ab. Die armen Bräute in ihren weißen, bodenlangen Kleidern auf dem pfützenübersäten Schotterhof und im Nieselregen taten mir schon etwas leid, aber sie hatten wohl ihren Spaß.

Hochzeitsfotos im galizischen Nieselregen
Hochzeitsfotos im galizischen Nieselregen

Brautjungfern mit Bodyguard
Aufmerksamen Zuschauen entgehen die zwei Wodkagläser am unteren Bildrand natürlich nicht. Ich sag dazu mal nix.

Den einzigen kurzen Spaziergang zum Museum für Holzarchitektur haben wir prompt zu dem Zeitpunkt unternommen, wo ein richtiger Gewitterregen herunterkam. Wir flüchten uns auf einen Kaffee in eine nahegelegene Motel-Anlage, die direkt an der Trasse liegt, aber (bzw. gerade darum) nicht so schöne Möglichkeiten für Wohnmobile bietet. Das Museum mußten wir dann aufgrund von akuter Durchnässung vom Programm streichen.

Nachmittags zogen wir weiter nach Iwano-Frankiwsk, was nun wirklich nur einen Katzensprung entfernt ist. Unterwegs ein paar Einkäufe (Kaffee, Schokolade und Coca Cola gehen aus) und versehentlich durchs Stadtzentrum in den nahegelegenen Vorort Uhornyky (Угорники) direkt an der Ausfallstraße Richtung Ternopil bzw. Tysmenytsa.

Im Internet haben wir uns dort ein Motel ausgesucht, das – wie in Lemberg – „Jockey“ (Жокей) heißt. Die Einfahrt ist unauffällig, man übersieht sie sehr leicht, nur ein rötlichbraunes Reklameschild weist den Weg. Wir unternehmen an der nächsten Ecke eine Kehrtwende und biegen dann rechts in einen holprigen Weg ein (ein paar Obstbäume von rechts, paßt auf Eure Kunststoffenster auf).

Einfahrt zum Motel Jockey, unserem Stellplatz in Iwano-Frankiwsk
Einfahrt zum Motel Jockey, unserem Stellplatz in Iwano-Frankiwsk
Unser Bodyguard für die Nacht
Unser Bodyguard für die Nacht
Unser kleiner Pössl fühlt sich hier wohl, wir auch. Das Wetter könnte besser sein heute
Unser kleiner Pössl fühlt sich hier wohl, wir auch. Das Wetter könnte besser sein heute

Es gab hier wohl einmal einen Reitsportverein, aber die Pferde sind hier schon länger verschwunden. Auch hier eine schöne Anlage mit Bar und Sauna, und keinerlei Bedenken gegen unsere Bitte, uns auf dem umzäunten Parkplatz hinter dem Haus über Nacht hinstellen zu dürfen. Keine weiteren Kosten, und diesmal auch keine (gefühlte) Restaurantverpflichtung, es gibt wieder einmal Nudeln mit Pesto, das schont die Kasse. Sogar Wasser bekommen wir 20 Liter für unseren Kanister, aber man könnte mit Sicherheit auch 100 Meter weiter an der Tankstelle mal fragen, ob man den Schlauch anschließen darf. Wir hatten aber keine Lust mehr, den Platz zu verlassen. Ich nutze das diffuse Licht und streife mit der Kamera durch das verlassene Gelände hinter dem Motel herum, verfolgt von den kurzbeinigen Hotelhunden. Die Fotos sind der Beweis, daß ich mich langsam wirklich entspanne …

Mutters Topflappen kommen zum Einsatz
Mutters Topflappen kommen zum Einsatz

Morgen aber nach Jahren endlich Iwano-Frankiwsk wiedersehen!

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