Über den Karpatenpaß in die Sonne

Worochta am Morgen: wolkenverhangene Suppe, wenn auch etwas heller als gestern. Wir nutzen alle drei die Duschen des Hostels und zahlen der Wirtin (die nichts verlangt hätte) 60 Hriwnja, das ist der Preis, den eine Person für ein Bett pro Nacht bezahlt hätte. Die Unterkunft dort ist wirklich total süß, sehr rustikal, perfekt für Wandergruppen. Wer etwas mehr Komfort mag, bekommt im Haupthaus auch Zimmer für 200 Hriwnja (20 Euro).

Die schnuckligen Hostelzimmer in Worochta
Die schnuckligen Hostelzimmer in Worochta

Waschräume im Hostel Truten in Worochta
Waschräume im Hostel Truten in Worochta

Wir machen einen kleine Tour durch das Dorf, inklusive Holzkirche und Rumkraxelei auf dem alten Eisenbahn-Viadukt und legen noch einen Stopp an der hiesigen Wasserquelle ein, wo wir unseren Frischwassertank auffüllen – gut, daß wir den 20-Liter-Faltkanister dabeihaben, mit dem wir diesmal gleich in die große Öffnung von oben in den Tank einfüllen.

Nein, diese Brücke haben wir nicht genommen
Nein, diese Brücke haben wir nicht genommen

Holzkirche in Worochta

Am Eisenbahnviadukt
Am Eisenbahnviadukt in Worochta
Pössl vs. Kamas
Pössl vs. Kamas
Pferdetransport auf karpatischen
Pferdetransport auf karpatisch
Wasser tanken
Wasser tanken

Dann geht es zurück in „unser“ Transkarpatien. Und, wer hätte gedacht, daß unsere Hoffnungen in Erfüllung gehen: die Wolken öffnen sich, und es wird klarer und klarer. In Rachiw weht ein frischer, aber warmer Wind und ein strahlend blauer Himmel erwartet uns. Der Kontrollanruf aus Uschhorod berichtet, es sei „heiß“ dort. Dennoch bleiben wir erst einmal hier in den Bergen: Wir haben uns vorgenommen, so nahe wie es geht an den Howerla, den höchsten Berg der Ukraine heranzufahren. Also so nahe, wie es der Pössl und unsere Nerven aushalten, und dann einen möglichst naturnahen Stellplatz zu suchen – freistehend. Einmal noch in die Natur, bevor es auf den Rückweg Richtung Uschhorod geht.

Zurück in Transkarpatien
Zurück in Transkarpatien

Wir nehmen den vor Rachiw abzweigenden Seitenarm, der an der Weißen Tyssa entlangführt. Die Straße ist tückisch: asphaltiert, aber mit vielen Schlaglöchernm, es geht zeitweise nur im Schrittempo. Bis Bohdan ist die Straße als Regionalstraße ausgezeichnet, danach als noch kleinere Ordnung. Wir sind zwischendurch geneigt, einfach irgendwo stehenzubleiben, aber entweder ist die Schlucht so eng, daß links der Fluß und rechts nur die Waldböschung liegt, oder man steht mitten im Dorf oder auf einer breiten Zufahrt der Forstverwaltung, wo jeden Moment ein Holzlaster aus dem Wald geschossen kommen kann. Also weiter. Seltsamerweise beginnt genau an der Stelle, wo in der Karte eine offenbar unbefahrbare Straße ausgezeichnet ist, ein Stück wunderbarer neuer Asphalt ohne das geringste Löchlein. Eine Erlösung! Dann hört der Asphalt aber endgültig auf und wir kommen an den Eingang des Karpaten-Biosphärenreservats, mit UNESCO-Anerkennung und allem Drum und Dran. Seltsamerweise – wir befinden uns an den beiden höchsten Bergen der Ukraine – fehlt entlang der ganzen Strecke, rund 20 Kilometer, jegliche touristische Infrastruktur, die auf der anderen Seite der Karpaten noch an jeder Ecke ins Auge sprang. Kinder liegen nach einem Bad im Fluß auf der Straße und schmiegen sich an den aufgewärmten Asphalt. Ab und zu ein kleiner Kiosk oder ein Café

Links geht's zum Howerla, ab hier komischerweise wieder asphaltierte Straße
Links geht’s zum Howerla, ab hier komischerweise wieder asphaltierte Straße

Als der Asphalt endgültig aufhört, ist auch die Besiedlung endlich am Ende. Wir landen auf einer Art Bauplatz, wo man offenbar seit Jahren irgendeine gastronomische Einrichtung errichtet, sieht ziemlich verlassen aus, selbst das Schild „Privatgelände“ ist kaum noch zu entziffern (wie an dieser Stelle ein „Privatgelände“ entstehen kann, ist mir allerdings auch rätselhaft). Zwei Männer arbeiten irgendetwas, wir fragen, ob wir ein paar Meter weiter am Fluß stehen dürfen, wo offenbar schon vor uns gerne mal Feuer gemacht wurde. Kein Problem! Die Herren schaffen uns sogar noch eine Schubkarre voll bestes Brennholz heran, erwarten eigentlich einen Schluck Hochprozentiges dafür, womit wir aber leider nicht dienen können. Ein kleines Scheinchen wechselt den Besitzer und alle sind glücklich.

Besuch am frühen Abend
Heute keine Katzen …
Alles ist gut
Alles ist gut

Anruf zuhause: „Hat der Regen aufgehört? Ich lese jeden Abend Deine Berichte, bring uns bloß keine Katze mit!“ (hallo Papa :-)

Roman übernimmt das Feuermachen (mit MP3-Player im Ohr), und schon bald haben wir eine schöne Glut. Sein erstes selbständiges Feuer, stolz wie Oskar. Daß die Glut nicht ganz reicht, um alle Kartoffeln in der ersten Runde durchzukriegen, verschweigen wir jetzt mal, später am Abend lagen wir dann alle pappsatt herum.

Kartoffelglut
Kartoffelglut

Es könnte sein, daß wir heute einen sternklaren Himmel bekommen und auch etwas davon sehen. Roman hackt sich draußen am Feuerholz müde und diskutiert mit dem neu entfachten Feuer, wir schauen die Bilder und Tracks des heutigen Tages durch und sind zufrieden und glücklich.

Alles ist gut
Alles ist gut

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