Schneller Womo-Wochenendtrip nach Paris

Das Pösslchen will trotz Benzinpreis-Allzeithoch bewegt werden, und Patensohn, zu Besuch in Deutschland, muss was von Europa sehen. Was liegt also näher, als ein Wochenende nach Paris zu fliehen? Ein plötzliche Sahara-Hoch gibt uns noch ein echtes Sommer-Feeling mit.

Die Arbeitswoche geht ins Land, Job-Termine bis Freitagnachmittag, aber dennoch entschließen wir uns mit zwei gegen eine Stimme, Freitagabends noch ein wenig Richtung Belgien zu fahren und dort auf einem vorher ausgesuchten Stellplatz zu übernachten. Immerhin haben wir inzwischen kapiert, daß es mit dem „in vier-fünf Stunden mal eben von Köln nach Paris“ mit dem Womo nicht ganz so einfach ist.

Ich habe uns einen wunderbaren Ort in Wallonien ausgewählt, ein kostenloser Stellplatz in Huy. Das ist ein schnuckliger Ort an der Maas, der einen eigenen Besuch wert wäre, und alle sieben Jahre gibt es dort ein besonderes Pilgerfest, das mit einer Kirmes einhergeht. Als wir im Dunkeln in das Tal der Maas Richtung Stellplatz (direkt am Fluß) einrollen, begrüßt uns links der Brücke ein Riesenrad; zum Glück der Stellplatz rechts ein paar hundert Meter entfernt. Verdrängt und zum Glück nicht Ray erzählt hatte ich, daß hier eigentlich gerade mal zwei Parkplätze als Womo-Stellplätze ausgewiesen sind (es gab allerdings noch einen zweiten Platz als Fallback im Ort). Insgesamt standen sicher sieben, mit uns acht Fahrzeuge, durchaus ein paar größere dabei am Flußufer, und das war überhaupt kein Problem. Der Stellplatz fällt in die Kategorie „romantisches Freistehen am Fluß in der Stadt“ – man steht schon einigermaßen unbehelligt am Wasser, trotz Kirmes keinerlei nächtliche Störungen, aber der Parkplatz liegt unterhalb der Uferstraße, so daß insbesondere der Schläfer im Aufstelldach einiges vom Durchgangsverkehr mitbekommen hat. Infrastruktur natürlich keine, es ist ein reiner Parkplatz. Immerhin aber keine fiesen Womo-Ausbrems-Schranken, wie man sie in Deutschland schon einmal findet.

Kostenloser Wohmobil-Stellplatz in Huy, Belgien, nachts
Kostenloser Wohmobil-Stellplatz in Huy, Belgien, nachts
Die beiden offiziellen Plätze am Fluß
Die beiden offiziellen Plätze am Fluß
Und unser Platz unter der Brücke.
Und unser Platz unter der Brücke.

Am nächsten Morgen ging es weiter, und die Strecke nach Paris zog sich gefühlt ziemlich in die Länge, obwohl wir in der Summe hin und zurück jeweils identische 6,5 Stunden gefahren sind (Supermarktpausen mit Käse-Großeinkauf nicht eingerechnet). Paris ist im Sommer fast entleert von jeglichen Franzosen, einige Viertel sind geradezu ausgestorben. Um den Place de la Concorde cruisen ein paar Touristenbusse und Rikschafahrer, aber fast keine PKW. Keine Rede von dem berüchtigten achtspurig befahrenen Kreisverkehr, aus dem der Uneingeweihte niemals rausfindet …

Schon Jo hat ja vom Camping de Paris im Bois de Boulogne berichtet, und wir waren froh, uns trotz des immensen Preises und der 20 Euro (!) Reservierungsgebühr dafür entschieden zu haben. Inklusive Strom und allem kamen wir auf 113 Euro für 3 Personen und 2 Nächte. Aber die Reservierung war sinnvoll, insbesondere Stromplätze sind nicht unendlich vorhanden, und unser Kühlschrank war bei der Hitze dankbar für die 230 Volt.  Wir kamen kurz vor 14 Uhr an, warteten eine knappe halbe Stunde in der Sonne und bekamen dann unseren Platz zugewiesen. Man sammelt immer einen Trupp Womos am Eingangsbereich, kassiert Pässe ein und weist sie dann zusammen ein. Als Außenstehendem kann da mal schnell mal der „Orga-Deutsche“ zum Vorschein kommen, weil sich der Sinn der wuseligen Einweisungstruppe nicht wirklich erschließt, wie sie da mit ihren Rädchen hin- und herspringen. Nach einer halben Stunde Wartezeit bekamen wir dann einen keine 20 Meter vom Eingang entfernten Stellplatz direkt an den Waschräumen zugewiesen (der die ganze Zeit frei war …)  – nicht direkt schattig, aber dafür ungefähr doppelt so groß wie von Jo geschildert, hier hätten locker zwei normale Womos Platz gehabt (wenn man uns gefragt hätte …).  Sonntagabends standen plötzlich noch drei zusätzliche Fahrzeuge sehr eng vor dem Waschraum, das waren mit Sicherheit keine Standard-Plätze mehr und der Platz also überfüllt. Ein Shuttle-Bus  fährt 15-30minütig vor dem Platz ab und zur nächsten Metrostation (Pte. Maillot), die wiederum direkt am Anfang der Rue de Grande Armée, in der Verlängerung Champs Elysées liegt. Perfekt für einen Spaziergang in die Stadt.

Camping de Paris, Bois de Boulogne: teuer, aber gute Lage. Womos en masse. Unser Stellplatz hätte Platz für zwei Womos gehabt.
Camping de Paris, Bois de Boulogne: teuer, aber gute Lage. Womos en masse. Unser Stellplatz hätte Platz für zwei Womos gehabt.
Erwähnte ich übrigens das Sahara-Hoch?
Erwähnte ich übrigens das Sahara-Hoch?

Es wurde natürlich ein klassisches Standard-Pariswochenende und ich erspare uns das trillionste Eiffelturmfoto: Champs Elysées bis Place de la Concorde am ersten Tag, inklusive Erwerb einer Mini-Pfeffermühle fürs Womo aus dem Peugot-Concept-Store an der Prachtstraße (Überhaupt: Auto-Concept-Stores und 17jährige Patensöhne – stundenlang!)

pfeffermuehle-peugeot-fuers-womo
Pfeffermühle von Peugeot: klein, fein, paßt super in die Besteck-Schublade des Pösslchens.

Sonntags dann das volle Programm durch die Tuilerien, am Louvre vorbei über die Pont Neuf auf die Ile de la Cité mit Notre Dame, nach all der Pracht etwas Augenerholung am Centre Pompidou mit Niki St. Phalles Brunnen, und zurück zum Louvre, diesmal von innen und bis zum Ende der Aufnahmefähigkeit. Wenn man sich im Louvre kurz vor Ende der Ausstellung (17:30 schon!) übrigens im Gewimmel vor Erschöpfung verliert, ein Tipp: man trifft sich unter der Pyramide. Klappt prima! Und: für unter 18jährige ist der Eintritt gegen Ausweisvorlage völlig kostenlos, das war eine angenehme Überraschung.

Erschöpft schlugen wir uns im Anschluß zum Eiffelturm durch, wo wir um 20:30 Uhr ein Ticket im Internet gebucht hatten, durchaus empfehlenswert, um die doch recht langen Schlangen an den Kassen zu umgehen. Ein paar Wölkchen verhinderten den absolut perfekten Sonnenuntergang, aber immerhin: Sonnenuntergang vom Eiffelturm aus, das ist doch was! Dann aber zurück zum Bois de Boulogne, wo sich unser Pösslchen bereits wieder ein wenig abgekühlt hatte. Hier hatten wir übrigens auch kein Problem, bei offenen Fenstern zu schlafen – es ist zwar recht viel los und die vielen Italiener haben einen anderen Biorhythmus als wir, aber alles in allem viel Grün und friedlich für die enorme Größe des Platzes.

Geschlafen wie ein Stein, und Montags dann in einem Rutsch (Supermarktpause mit Käsegroßeinkauf nicht gerechnet) durch nach Köln – diesmal fühlte es sich nicht so lang an wie die viereinhalb Stunden am Samstag, vermutlich haben wir uns doch ein wenig erholt trotz des touristischen Härteprogramms. Doch noch etwas Sommer-Farbe auf den Schultern, dafür keine Blasen an den Füßen und morgen wieder ins Büro – Paris muß man sich einfach alle paar Jahre mal gönnen.

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