Unsere Tour 2012 / 2013 durch Griechenland – Teil 3

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Ein Reisebericht von Edith & Horst Klütsch

Wir haben fürs erste einmal genug gefaulenzt und nun drängt es uns zu weiteren Unternehmungen. Pünktlich an einem frühen Morgen im Oktober machen wir uns mit dem Smartie auf den Weg nach Zalongo, einem Nationalheiligtum der Griechen. Aus unserem Reiseführer wussten wir, daß die Strasse immer noch am Fuße des Klosters endet und der Aufstieg zum eigendlichen Denkmal über Ziegenpfade sehr beschwerlich und schweisstreiben sein soll. Soviel schon mal vorweg genommen – Das war schamlos untertrieben, doch dazu später mehr.

Doch was hat eigendlich Zalongo, speziell für die Griechen, zu bedeuten? Dazu erst einmal etwas Geschichte:
Der Berg Zalongo befindet sich in der Nähe der Souli-Dörfer im nordwestgriechischen Epirus. In den Souli-Dörfern hatten sich griechische Familien zurückgezogen, die der Tyrannei der osmanischen Herrscher entgehen wollten. Um sich ernähren zu können, hatten sie umliegende türkische und albanische Ortschaften überfallen und beraubt. Gleichzeitig kämpften sie im Widerstand gegen die türkischen Besatzer. Die Souli-Dörfer konnten dadurch bis zum Jahr 1803 nicht von den Türken eingenommen werden. Im Dezember 1803 gerieten sie aber unter starken Druck durch den türkischen Herrscher im Epirus, Ali Pascha und unterschrieben daraufhin einen Vertrag, der ihnen freies Geleit aus ihren Dörfern gewähren sollte.

Da sie Ali Pascha nicht vertrauten, teilten sie sich in drei Gruppen mit verschiedenen Zielen. Nur eine der Gruppen schaffte es, wenn auch mit großen Verlusten, ihr Ziel zu erreichen. Die anderen beiden Gruppen kämpften, bis ihnen Munition und Verpflegung ausgingen. Die wenigen verbliebenen Männer verschanzten sich bei dem Kloster am Berg Zalongo.

Klosteranlage am Fuß des Berges Zalongo
Klosteranlage am Fuß des Berges Zalongo
Klosteranlage am Fuß des Berges Zalongo
Klosteranlage am Fuß des Berges Zalongo

Dort kämpften sie gemeinsam, bis alle gefangen genommen, gefoltert und getötet wurden. Ihre Frauen und Kinder schickten sie auf den Kamm des Zalongo.
Als die Frauen mitbekamen, was mit ihren Männern geschehen war, und weil sie wussten, wie die Leute Ali Paschas mit gefangenen Frauen und Kindern verfuhren, fassten sie einen mutigen Entschluss. Sie tanzten auf dem flachen Gipfel des Zalongo im Kreis und jede Frau die dabei mit ihrem Kind an den Rand der Klippe kam, sprang mutig hinunter in den Tod. An dieser Stelle ist heute das 1960 gebaute Denkmal von Zalongo, eine riesige Stein-Skulptur, die zum Gedenken an diese tapferen Frauen von Souli errichtet wurde, zu besichtigen.

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Das 1960 errichtete Denkmal von Zalongo

Soviel zu dem geschichtlichen Hintergrund. Als wir am Kloster angekommen waren und mein Blick nach oben in Richtung Denkmal schwenkte stand für mich erst mal fest: Da muß Edith alleine laufen! – Aber dann packte mich der Ehrgeiz, das schaffe ich … Fröhlich und gut gelaunt machte ich mich nach der Besichtigung des Klosters flink wie eine Gazelle auf den beschwerlichen Weg nach oben. Mittlerweile wurde der einfache Ziegenpfad mit Natursteinen gemauert und immer wieder in unterschiedlichem Abstand mehrere Treppenstufen in den Weg integriert.

Treppe zum Kloster
Treppe zum Kloster

Der Aufstieg war wirklich schweißtreibend und anstrengend, wir beide kamen ganz schön ins schwitzen und aus der flinken Gazelle wurde schnell das schnaufende Trampeltier. Immer wieder mußten wir den nicht so toll gemauerten Natursteinpfad entlang laufen, abgewechselt nur von den Treppen nach oben. Wir haben die Treppen gezählt, es waren genau 403 Stufen. Das einzig gute war, daß wir uns einen nicht so heißen Tag ausgesucht hatten.

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Immer wieder blickten wir nach oben und mit jedem Meter und jeder Trittstufe kamen wir dem eigendlichen Denkmal näher. Zwischendurch gab es immer wieder grandiose Ausblicke auf die Umgebung bis hin zum Meer.

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geschafft!

Nach fast einer Stunde Aufstieg war es dann geschafft, wir standen auf dem Plateau, von dem sich die Frauen und Kinder in den Abgrund stürzten.

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Blick von oben aufs Kloster

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Der Abstieg war dann nicht ganz so schwierig und als rational denkender Mensch fragte ich mich immer wieder, warum man unbedingt einen solch beschwerlichen Aufstieg in Angriff nehmen muß um sich anschließend hinunter zu stürzen – Da gab es doch bestimmt andere Möglichkeiten, auch zu der damaligen Zeit.

Wieder am Kloster angekommen machten wir uns auf den Rückweg, die Ausgrabungen von Cassiope, die wir von oben immer wieder sahen haben wir uns allerdings geschenkt – schon wieder alte Steine. In Preveza bummelten wir noch etwas in der Hafenmeile rum, belohnten uns mit einer Portion Gyros und später noch mit einem Eisbecher. Als wir am Nachmittag dann in unserer Bucht angekommen waren gab es für uns nur eins – Ein Sprung in die kühlenden Fluten des Meeres …

Einige Tage später bekamen wir dann hohen Besuch aus dem Meer, eine große Wasserschildkröte der Gattung Caretta Caretta, die die Griechen nur Chelona nennen und die Tagelang hier in der Bucht schwamm, kam bis an den Strand. Normalerweise kommen die Schildkröten nur im Frühsommer zur Eiablage an die Strände, aber um diese Jahreszeit und so nah, das war schon ungewöhnlich. Seht selber was für tolle Bilder uns gelungen sind.

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Die Schildkröte war vom Kopf bis zur Schwanzspitze etwa 1m lang und wir schätzen ihr Alter auf mindestens 50 Jahre. Noch zwei Tage schwamm sie in der Bucht herum bis sie dann am nächsten Morgen entgültig verschwunden war.

Ende Oktober besuchten wir nochmals die Insel Lefkas um einige Stellen anzufahren die wir aus früheren Jahren kannten. Teilweise lagen die ersten Besuche 20 Jahr zurück und die vielen Veränderungen, aus unserer Sicht meist nicht zum guten, waren unübersehbar. An vielen Stränden die wir damals mit dem Woni angefahren waren und wo wir auch viele Tage gestanden hatten gibt es nicht mehr weil sie zu Hotelanlagen gehören oder sogenannte „Fußballtore“ versperren Fahrzeugen mit mehr als 2m Höhe die Zufahrt. Der Campingplatz in Vasiliki nimmt in der Hauptsaison 56 Euro für ein Wohnmobil mit 2 Personen, nicht in der Woche sondern pro Tag …!

Jetzt ist die Saison vorbei, die Campingplätze geschlossen und die Strände sind menschenleer, obwohl schönstes Wetter ist (26 Grad) und das Meer immer noch zum baden einläd. Zu dieser Jahreszeit könnte man überall mit dem Woni frei stehen, an den schönsten Plätzen aber keiner ist mehr hier unterwegs.

Porto Katsiki, der Traumstrand schlechthin hier auf der Insel. Mehrere Buchten mit weißem Sandstrand lassen Südsee-Feeling aufkommen. Wir kannten’s von mehreren Besuchen zu unterschiedlichsten Jahreszeiten. Immer waren die Strände von Menschenmassen gefüllt, kann man sie doch nicht nur mit dem Fahrzeug anfahren, sondern viele Ausflugsboote aus der ganzen Umgebung brachten Hunderte von Schwimmfans hierher. In der  Hauptsaison kostet das Parken hier schon 5 Euro.

Heute alles leer, der gesammte Strand gehört uns und auf dem großen Parkplatz steht unser Smartie allein.

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Nächste Station war die Spitze von Lefkada, die zwei Besonderheiten aufweist: Einen alten Leuchtturm direkt am Kap und eine Felsenspitze zum herunterstürzen, eine in füherer Zeit doch wohl sehr beliebte Methode zum Selbstmord.

Der Leuchtturm von Lefkada wurde 1890 erbaut und mit Öl als Befeuerung betrieben. Selbst im 2. Weltkrieg blieb der Leuchtturm weiterhin in Betrieb. Erst im November 1950 war vorrübergehend Schluss als ein Erdbeben den Turm teilweise zum Einsturz brachte und ein erheblicher Teil der alten Befeuerungstechnik zerstört wurde. Erst 1956 wurde der renovierte und auf Elektrizität umgestellte Leuchtturm wieder in Betrieb genommen und versieht bis heute seinen Dienst am Kap Lefkada.

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Leuchtturm von Lefkada

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In der Nähe des Leuchtturmes befindet sich ein überhängender Felsen. 75m freier Fall bis nach unten wo gierig die Wellen schwappen. Hier sprang man in der Antike herab und ließ das Orakel über Leben und Tod entscheiden, wenn man unglücklich verliebt war. Überlebte man den Sturz so war man in der Regel von seinem Liebeskummer geheilt.
Berühmteste Springerin, soweit man der Überlieferung glauben darf, war die Dichterin Sappho – Auch sie suchte die Weisheit des Orakels und starb dabei.

28. Oktober – Ochi Tag
Heute ist in Griechenland mal wieder ein Nationalfeiertag. Da er diesmal auf einen Sonntag fällt ist, wie in Griechenland üblich, der darauffolgende Montag Arbeits- und Schulfrei. Nachfolgend einige informationen dazu: Am 7. April 1939 wurde Albanien von den Italienern besetzt. Dies war eine Vorwarnung in Richtung Griechenland. Um sicher zu sein, dass das
griechische Volk diese Botschaft verstanden hatte, ließ Mussolini am 15.

August 1940 im Hafen der Insel Tinos den Leichten Kreuzer „Elli” torpedieren, der dort wegen der Feierlichkeiten am Muttergottestag geankert hatte. Metaxas wollte sein Land im Zweiten Weltkrieg neutral halten und reagierte daher auf diesen Vorfall nicht. Das italienische Ultimatum wurde Metaxas in seinem Haus im Athener Vorort Kifissia um kurz nach drei Uhr morgens durch den italienischen Botschafter Emanuele Grazzi übergeben. Es beinhaltete die Forderungen,
dass Griechenland den Achsenmächten erlauben sollte, griechisches Territorium zu betreten und nicht näher spezifizierte „strategisch wichtige Punkte“ zu besetzen, eine Ablehnung dieser Forderung würde mit Krieg beantwortet werden. Metaxas hat dieses Ultimatum mit einem schlichten „Nein” beantwortet. Als Antwort auf Metaxas Ablehnung marschierten italienische Truppen von Albanien aus – einem damals italienischen „Protektorat” – schon um 5:30 Uhr in Nordgriechenland ein. Damit war Griechenland als kriegführende Partei in den Zweiten Weltkrieg eingetreten. Am Vormittag des 28. Oktober gingen große Teile der griechischen Bevölkerung ungeachtet der eigenen politischen Orientierung auf die Straße, um ihren Protest zu bekunden.

Die kleine griechische Armee schlug im Pindos-Gebirge den zwar zahlenmäßig weit überlegenen, aber schlecht organisierten und völlig unmotivierten Gegner zurück und marschierte bis Süd-Albanien. Daraufhin musste Hitler seinem schmachvoll zurückgeschlagenen Verbündeten Mussolini zu Hilfe kommen, um die Lage auf dem Balkan im Sinne der Achsenmächte unter Kontrolle zu bekommen. Die Besetzung Griechenlands durch die deutsche Armee begann im April 1941 im Norden des Landes als Balkanfeldzug und endete im Mai 1941 mit der Eroberung Kretas.

In Griechenland selbst wurde nach dem Zweiten Weltkrieg der Jahrestag zum öffentlichen Feiertag erklärt. Üblicherweise werden Militärparaden sowie Schüler- und Studentenumzüge organisiert, und alle öffentlichen Gebäude werden mit griechischen Flaggen geschmückt.

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