Unser MAN 9.136 FAE

ein Beitrag von Edith & Horst Klütsch

Ein Traum wird geboren

Mußten wir beide stets – während unseres Berufslebens – auf unseren Reisen mit dem zeitlichen begrenzten Limit von 4, 5 oder 6 Wochen Jahresurlaub auskommen,  reifte in uns immer der Gedanken, weitere Reisen ohne ein Zeitlimit durchzuführen.  Fast elf Jahre bereisten wir den größten Teil von Europa mit unserem umgebauten  LT Kastenwagen. Doch die Sehnsüchte nach weiter entfernten Ländern, Menschen und Kulturen wurde immer größer, offensichtlich schlummerte in uns noch der Wandertrieb unserer nomadisierenden Vorfahren, anders ist unser Verlangen wohl  nicht zu erklären und bekanntlich ist der vom sogenannten „Reisefieber“ infizierte auf Dauer nicht zu heilen. Also ergaben wir uns unserem Schicksal und planten an unserer Zukunft.

Expeditionsfahrzeug MAN 4x4 Typ MAN 9.136 FAE.
Expeditionsfahrzeug MAN 4×4 Typ MAN 9.136 FAE.

Wir ziehen nicht hinaus, um eine Mission zu erfüllen, nicht um die Wale zu retten, den Weltfrieden zu predigen oder gegen den allgegenwärtigen Hunger zu  protestieren, und erst Recht können wir gar nicht so viel Bier trinken, um die Abholzung des Regenwalds zu stoppen – nein, es gibt keine übergeordneten Gründe, auch wenn manche Leute meinen, man müsse diese haben, um solche Reisen zu rechtfertigen.

Ein Traum wird wahr

Viele Jahre arbeiteten wir an dem Plan, auszusteigen, doch bis zum Ziel gab es noch viele Hürden zu nehmen.

Unsere Überlegungen brachten uns auf ein sogenanntes Expeditionsmobil, ein Allradfahrzeug, dessen robuste Technik uns zu den entferntesten Zielen der Welt bringen sollte. Wir wurden einige Zeit später fündig und jetzt waren wir ganz stolzer Besitzer eines MAN 4×4 vom Typ 9.136 FAE. Viel Geld und noch mehr Zeit investierten wir in den Um- und Ausbau der Kabine, die von der Koblenzer Firma Bocklet Fahrzeugbau hergestellt wurde. So stand im Juni 1996 unser neuer mit frischem TÜV – Siegel vor der Tür. Nach einigen Probetouren wurde noch vieles zusätzliches angebaut und auch einiges wieder geändert, so ein Fahrzeug wird eben niemals richtig fertig.

Der Rest ging dann schnell weiter, Wohnung kündigen, Jobs aufgeben und am 1. April 2000 war es dann soweit, wir waren frei zu reisen, wohin wir wollten.

Schnell holte uns dann die Realität wieder ein; Innere Unruhen, Überfälle, Entführungen und Kriege waren an der Tagesordnung und die daraus resultierenden Reisebeschränkungen wie Grenzschließungen, eingestellte Schiffsverbindungen oder Visaverweigerungen spürten wir alsbald am eigenen Leib, so ist die Auswahl der Reiseländer erst einmal erheblich eingeschränkt. Trotz alledem sind wir immer noch unterwegs und haben es bis zum heutigen Tage nicht bereut.

Bis auf ganz wenige Ausnahmen treffen wir auf unseren Reisen immer hilfsbereite, freundliche und liebenswerte Menschen, unabhängig von Ihrer Kultur. Am schönsten und lustigsten, aber oft auch am anstrengensten, sind die Begegnungen mit Kindern, die pfiffig, aufgeweckt, sehr oft auch zu Späßen bereit sind und mitunter über viele erstaunliche Sprachkentnisse verfügen, wenngleich Sie diese auch zweifellos bei anderen Touris
abgeguckt haben.

Trotz der oftmals schlechten Lebensumstände, sind die vielen Menschen meistens fröhlicher und immer gut gelaunt, dazu in den meisten Fällen mit dem zufrieden, was Sie haben und das ist meist nicht sehr viel.

Unser Fahrzeug

Basisfahrzeug:
MAN – Fahrgestell, Typ MAN 9.136 FAE.
5.9 Liter Hubraum, 100 KW (136 PS),
6 Zylinder Saugdiesel,
wassergekühlt mit Tropenkühler.

Antrieb:
permanenter Allradantrieb,
vollsynchronisiertes 6 Gang Getriebe,
Sperre längs, Sperre Hinterachse,
Geländeuntersetzung, alles auch während der Fahrt, über Druckluft
zuschaltbar.

Gewicht:
Leer 7 Tonnen, reisefertig alle Tanks gefüllt ca. 8,0 Tonnen, zulässiges
Gesamtgewicht 9,3 Tonnen.

Tankkapazität:
Diesel 350 Liter. Mehrstufige und
beheizte Filteranlage der Fa. Separ
mit Wasserabscheider

Bereifung:
Conti MPT 81 der Größe 335/80 R 20,
schlauchlos, auf Sprengringfelge
11 x 20. 1 Reservereifen, Diverses Reparaturmaterial zur Behebung auch
größerer Reifenschäden.

Verbrauch:
zwischen 18 und 27 Liter je nach Straßenbeschaffenheit bzw. Gelände
(Straße, Sand, Piste, Schlamm usw.)

Abmessungen:
Länge 6.7 m, Breite 2.3 m, Höhe 3.5m.

Wattiefe:
1.25 m, alle Ansaugungen und die Entlüftungen für Motor, Achsen und Getriebe wurden höhergelegt, ebenso die Lichtmaschine.

Steckbrief unsere Wohnkabine

Baujahr:
1995, Hergestellt von Fa. Bocklet Fahrzeugbau in Koblenz.

Technik:
Zwei getrennte Stromkreisläufe für Basisfahrzeug und Kabine, 12 Volt im Wohnbereich, 24 Volt im Fahrzeug. 4 eingebaute Ladegeräte für 12V und 24V, als Versorgungsbatterie
4 Gelbatterien mit insgesamt 1000 Ah, als Starterbatterie 2 Gelbatterien mit
130 Ah, Leistung der Solaranlage 500 Watt, mehrere Solarregler in MPT –
Regeltechnik, 230V Sinus – Wechselrichter 1500 Watt mit automatischer Umschaltung der Steckdosen, Benzingenerator von Honda mit einer Leistung von 230V – 1000 W,

Wasser:
Wasservorat 300 Liter Wassertank plus 100 Liter in Kanistern, eigene Trinkwasseraufbereitungsanlage von Katadyn mit mehreren Filterstufen von
Aktivkohle über Partikelfilter bis Keramikpatrone zur Säuberung.

Gasanlage:
3 x 11 Kg Alu – Gasflasche,
Füllvorichtung zum selbsbefüllen
unserer Gasflaschen in aller Welt,
Gassteckdose.

Navigation:
Fa. Garmin, Typ GPS 128, fest im Fahrzeug eingebaut, für Wanderungen den portablen GPSmap 62s. Bei Fahrten ausserhalb Europas navigieren wir mit
mehreren Laptops und digitalen Karten, die größtenteils auch routingfähig
sind. Zur Streckenplanung bzw. Tourenvorbereitung, Navigation via
Laptop und Nachbearbeiten der Reise benutzen wir das digitale Navigationsprogramm TTQV 4.0 der Fa. Touratech.
Ergänzt wird das ganze noch durch eine Roadbookerweiterung, dadurch können
wir vorab unsere Reiseroute in Form eines Roadbook`s erstellen und
ausdrucken.
Als Laptops benutzen wir mehrere Geräte einer großen deutschen Handelskette mit Vierkernprozessor 2,4 ;GHz Taktfrequenz und 8 GB Ram,
Betriebssystem Win7 Professional.
Mehrere Festplatten mit ca. 20.000 GB Speicherkapazität.
Eigenes Netzwerk im Fahrzeug ermöglicht den Anschluß aller Gerät von unterschiedlichen Stellen in Kabine und Cockpit. Alle Geräte haben unsere Reisen bisher klaglos überstanden. Textverarbeitung mit Office 2000, Word, Excel und
Powerpoint.

Für weitere Rückfragen, Antworten, Anregungen usw. bitte Email an
hkluetsch@t-online.de

4 Kommentare

  1. Mann o Mann, da kann man ja nun wirklich nur neidisch werden. Also wenn ihr es damit nicht ein paar jahre auswärts aushaltet, weiss ich auch nicht. Und bleibt bloss in den Ländern in denen der Sprit nicht so teuer ist :-)

  2. ich hab die Familie Klütsch heute mit ihrem Offroad-Wohnmobil zufällig auf dem Stellplatz in Liblar getroffen. Bald geht’s wieder auf Reise. Mir fiel angesichts des 300L Tanks auch sofort der Spritpreis ein. Wenn man aber in Ländern unterwegs ist, wo der Liter nur 10 Cent kostet (die soll’s auf deren Reiserouten geben) dann kann man dort für 30€ das Ding volltanken. Da kann man hier grad ne Stadtrundfahrt von realisieren.
    Ich bin auch ein bischen neidisch, gönn den beiden aber ihr tolles Womo von ganzem Herzen. Nette Leute, wie ich heute persönlich feststellen konnte.
    Gute Reise im September.
    LG Jo

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.