An Umbrien kratzen.

Toskana mit dem Wohnmobil, Tag 13/14 (Pienza – Montichiello – Sant‘ Antimo; Monte Amiata – Pitigliano)

Liebe Güte, was haben wir in zwei Tagen wieder alles gesehen. Dabei lassen wir es doch sooo ruhig angehen! Unsere letzte Nacht bei „Il Treccolo“ hatte mal wieder gut durchgeregnet, und den einzigen anderen Gast des Platzes, ein tschechisches Paar mit einem T5, mußten wir mit vereinten Kräften (vor dem Frühstück! Noch im Schlafgewand! No Photos!) erst einmal aus dem Schlamm schieben. Die verwüstete Parzelle braucht jetzt wohl erst einmal etwas Zuwendung …

Wir hatten für gestern Pienza und das benachbarte Dörfchen Montichiello im Programm, bevor wir noch einmal zur Abtei Sant‘ Antimo wollen, wo man ja auch schön mit Blick auf die Abtei übernachten kann. Nach drei Tagen Campingplatz waren wir wieder in Stimmung für schön gelegene Parkplätze.

Tür II
Tür I

Tür I
Tür II
Tür III
Tür III
Katzencontent
Katzencontent I
Pecorino I
Pecorino I
Pecorino II
Pecorino II

Pienza ist auch UNESCO-Weltkulturerbe, klein aber fein. Irgendwann ist aber auch mal die mentale Grenze dessen erreicht, was man in mittelalterlichen Städtchen so fotografieren kann, deshalb knipse ich nur noch Katzen, Käse und Türen. Und ein bißl Mohn.

Spannend in Pienza aber die Krypta, in der gezeigt wird, wie die Apsis des Doms immer schon statisch abgesackt ist. Derzeit wachsen die Risse trotz allerlei Stabilisierungsmaßnahmen 0,5 Millimeter pro Jahr. Spannend auch, wie man sich in zwei Wochen bereits gut mit Pidgin-Italienisch verständigen kann. („wir sind aus Köln, Archiv, U-Bahn, auch abgestürzt.“ – „Altes Gebäude?“ – „Nein, aber alte Dokumente“ – „oje“ – „alles Gute, hoffen wir“). Geht doch.

Es regnet zwischendurch immer mal wieder. Wir schlängeln uns also in aller Ruhe über die wunderbaren Panoramastraßen zurück zur Abtei Sant‘ Antimo. So langsam kapiere ich das mit dem Wetter: Wir sind nördlich des Monte Amiata, die Wolken kommen von Norden und hängen sich an dem Berg fest, dann regnet es runter. Morgens blauer Himmel, tagsüber kommen die Wolken, spätestens nachts wieder Regen.

In Sant‘ Antimo erwischen wir einen Superplatz mit Blick auf die Abtei (recht viel los, rund ein halbes Dutzend Wohnmobile), Ray kümmert sich abends um die Nachtaufnahmen, ich morgens um die Aufnahmen mit Morgenlicht. Die „gregorianischen“ Gesänge sparen wir uns diesmal. Abends können wir Pösslchen noch problemlos verlassen, die Pfütze ist rechts von der Tür. Morgens vor der Tür Schlammlandschaft. Ich kraxele um halb sieben raus und mit der Kamera zur Abtei runter, durch Wiese und Weinberge, und werde durch klares Morgenlicht und kiloweise gute toskanische Weinbergerde an den Wanderstiefeln belohnt, die ich nicht mal mit dem Wasserschlauch vom benachbarten Friedhof richtig runterkriege.

Snat' Antimo im Morgenlicht
Sant‘ Antimo im Morgenlicht
Ein Klumpen Weinberg
Ein Klumpen Weinberg an den Füßen
Stellplatz
Stellplatz
Hier geht's heute rauf!
Hier geht’s heute rauf!

Egal, heute geht es zum Monte Amiata! Also früh raus, solange es noch klar ist, und hoch auf den Gipfel. Pösslchen kraxelt tapfer die Serpentinen rauf bis auf 1300 Meter, aber dann – zieht er angesichts des plötzlichen Schnees auf der Straße und der frisch aufgezogenen Sommerreifen doch den Schwanz ein und nimmt den Weg auf die andere Seite nach unten. Die Serpentinen sind auch ohne Schneeglätte scharf genug, Abenteuerlust hin oder her.

… oder auch nicht ganz
… oder auch nicht ganz
ähm. ja.
ähm. ja.

Die auf halber Höhe gelegene Abtei San Salvadore versteckt sich vor uns, aber wir finden sie doch noch. Hier ist vor allem die vorromanische Krypta beeindruckend, wir sind ganz allein, suchen uns den Lichtschalter selbst und – wow.

Krypta von San Salvadore
Krypta von San Salvadore
ähm. ja.
ähm. ja.

Aber als wir rauskommen, überrascht uns das Wetter dann doch noch mal: Hagel, und die Temperatur ist von 17 Grad (auf 1300 Metern) auf 7 Grad gefallen. Es gießt weiter in Strömen, und wir retten uns völlig durchnäßt in eine kleine Bar, wo wir den Wetterbericht für Italien im TV sehen dürfen, aber lassen wir das … Abbadia San Salvadore: ein interessantes Bergstädtchen, angenehm unprätentiös, dafür gibt’s halt nicht an jeder Ecke eine Pizzeria.

Wir steigen weiter Richtung Süden ab und kratzen beinahe an Umbrien, bevor das Wetter endlich wieder ruhiger wird. Dann aber dampfen die Straßen und wir nähern uns Pitigliano, einem der „Tuff-Käffer“. Hier schlägt der Womo-Reiseführer einen Platz am Straßenrand mit Blick auf die Altstadt vor, für den man „etwas Geduld“ aufbringen soll. Ich schimpfe leise vor mich hin: wie stellt der Autor sich das vor, fünfmal um den Block fahren mit dem Womo? Wir pausieren erst einmal auf dem offiziellen Platz, der jedoch wirklich extrem wenig Charme hat: links Industrieanlage, rechts Wohnhäuser; rechts gebrauchte Präservative vor der Tür, links ein Trupp lautstark mit Produkten der Firma Piaggio pubertierender Jungs (nichts gegen Piaggio!). Hier mag man nicht wirklich übernachten. Wir formulieren Plan B und C: zurück zum empfohlenen Ausblickplatz, und wenn nichts frei ist, Fotos machen und 5 km weiter auf einen naturnahen, privaten Platz auf dem Bauernhof, den der andere Reiseführer empfiehlt. Ich grummele schon weiter vor mich hin, als wir – oh Wunder – einen freien Platz in perfekter Lage erwischen (Sorry+ danke, Ralf Gréus). Von hier aus ein Katzensprung in die Altstadt, in die wir uns spontan verlieben. Gegen Abend angenehm ruhig, interessante Geschäfte mit Kunst, Antiquitäten und der obligatorischen Feinkost, improvisiertes Orgelkonzert in der barocken Kirche, zutrauliche Katzen, jede Menge hübscher Vespas und eine nette Pizzeria mit rotem Vino di Casa zum Abschluß. Was will man mehr?

Pitigliano: besser geht's kaum.
Pitigliano: besser geht’s kaum.
Katzenkontent II
Katzenkontent II
Geile Farbe! (unfaßbar, welcher Bestand an perfekt erhaltenen antiken Vespas hier rumsteht)
Geile Farbe! (unfaßbar, welcher Bestand an perfekt erhaltenen antiken Vespas hier rumsteht)
Nach Sonnenuntergang.
Nach Sonnenuntergang.

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