Vom Versuch, Florenz „ganz ruhig angehen zu lassen“

Toskana mit dem Wohnmobil, Tag 3 (Florenz)

(nicht wundern, warum die Beiträge so zeitverzögert kommen, wir teilen uns hier oben in Fiesole wohl eine Funkzelle mit Tausend Fiesolanern …)

Die zweite Nacht erst – und wir schlafen wie eine Ladung Carrara-Marmor. Ein ruhiger Morgen, bis der Nachbar aus Polen seinen Hymer-Motor anschmeißt und aus unerfindlichen Gründen im Stand 10 Minuten laufen läßt, bis er losfährt. Dann ist er weg und wir setzen Pösslchen auf seinen Platz mit der perfekten Aussicht auf die Abendsonne. Denn wir haben uns entschieden, lieber die Busfahrten nach Florenz in Kauf zu nehmen, als heute schon wieder umzuziehen und den zwar zentralen, aber wohl auch lauten und vollen Campingplatz in Florenz aufzusuchen. Man muß ja nicht alles so machen, wie es im Womo-Führer steht …

In Sichtweite von San Marco, ganz schön mächtig.
In Sichtweite von San Marco, ganz schön mächtig.

Also den Camping-Shuttle nach Fiesole runter, dann Linie 7 nach San Marco, ein paar hundert Meter und zwei Dutzend Lederjackengeschäfte vom Dom entfernt. Das Viererticket kostet nur 4,70 Euro für 20 Minuten Fahrt, wirklich günstig (daß wir abends von Fiesole zum Campingplatz hoch ein Taxi nehmen, ist dann eine Mischkalkulation …).

Das Wetter schlägt zunächst einige Kapriolen, und wir schlagen uns während einer Regenschauer in den Dom. Eine große, ziemlich dunkle und kahle Halle … ok, wir brauchen noch etwas Zeit zur Annäherung an diese Stadt, ich seh schon.

Regenschirmhändler machten hier das Geschäft ihres Leben.s
Regenschirmhändler machten hier das Geschäft ihres Leben.s
Die berühmte Kuppel im Dom Santa Maria Fiore. Sonst hat uns der Bau entweder überwältigt oder nicht vom Hocker gerissen, wie man es nimmt.
Die berühmte Kuppel im Dom Santa Maria Fiore. Sonst hat uns der Bau entweder überwältigt oder nicht vom Hocker gerissen, wie man es nimmt.

Statt wie geplant eine Touri-Bustour zu machen, lassen wir uns einfach etwas treiben und landen prompt auch beim zentralen Piazza Signoria mit seinem Palazzo Vecchio und danach bei den Uffizien und der Ponte Vecchio. Ist doch ganz einfach … und auch ziemlich schön hier.

Kennt jeder.
Kennt jeder.
Neptunbrunnen an der Signoria.
Neptunbrunnen an der Signoria.
Sonst immer recht pornographisch, aber hier dann mal prüde.
Sonst immer recht pornographisch, aber hier dann mal prüde.

Eine angenehme Stadt in der Vorsaison, wirklich nicht überlaufen und die Souvenirverkäufer sind auch nicht aufdringlich. Hatte ich mir schlimmer vorgestellt.

Touri-Foto Ponte Vecchio
Touri-Foto Ponte Vecchio
So sieht ein Juwelenhändler auf der Ponte Vecchio aus.
So sieht ein Juwelenhändler auf der Ponte Vecchio aus.

Wir schlendern über die Ponte Vecchio – voll mit Juwelierläden – zum anderen Arno-Ufer und nehmen am Palazzo Pitti einen Mittagssnack. Einfach mal so in die Boboli-Gärten zur Siesta kostet dann 10 Euro Eintritt, und die steilen Wege fühlten sich dann auch nicht wie Siesta an. Aber wunderbar friedlich und tolle Blicke auf die Stadt. Beim nächsten Mal: rechtzeitig Picknick-Zutaten einpacken und etwas früher hierhin, und dann gemütlich zwischen den Hecken versteckt speisen.

In den Boboli-Gärten, Blick auf Palazzo Pitti
In den Boboli-Gärten, Blick auf Palazzo Pitti
Daily Katzencontent.
Daily Katzencontent.

Unten im Palazzo Pitti und „komm, egal was der Kaffee kostet“ dekadent ins Café setzen. Ray bleibt bei seinem traditionellen Capuccino, Elke experimentiert mit „Caffé freddo“ und stellt sich eine Art Eiskaffee ohne Eis vor. Oder so. Was kommt, ist dann etwa eine dreifache Portion kalter Espresso ohne alles, der schmeckt als wäre er von gestern übrig geblieben. Diese Erfahrung kann ich dann auch von der Liste der Dinge, die man nur einmal im Leben machen muß, streichen … Dennoch: Kaffee trinken im Palazzo Pitti, unbezahlbar.

Das hier ist ein Caffé freddo, schmeckt wie drei Tage alter Espresso.
Das hier ist ein Caffé freddo, schmeckt wie drei Tage alter Espresso.

Ein wenig das rechte Arnoufer runterlaufen, aber für den Piazzale Michelangelo reicht es heute nicht mehr, unsere Füße hatten genug Aussicht von oben für heute. Da liegt ja noch eine schöne Kirche auf dem Weg zurück: Santa Croce. Und hier verlieben wir uns dann doch in Florenz. Ein großer Platz, fußballspielende Kinder, wenig Außengastronomie, und eine Kirche mit großartigen Fresken von Giotto, dem Gräbern von Michelangelo, Galileo Galilei … stundenlang kann man sich hier aufhalten, wir kommen morgen noch einmal darauf zurück.

Fassade von Santa Croce
Fassade von Santa Croce
Fertig mit der Welt
Fertig mit der Welt
Bete, Opa!
Bete, Opa!
Grabmal von Galileo Galilei.
Grabmal von Galileo Galilei.
Grabmal für Michelangelo
Grabmal für Michelangelo

Danach gibt’s ein Eis, und jetzt sind unsere Füße endgültig auf „nach Hause“ eingestellt. Wir schleichen zurück zur Bushaltestelle, kaufen noch frische Lebensmittel ein und lassen uns nach Fiesole zurückkutschieren. Dort warten wir im Abendlicht, aber es kommt kein Taxi. Wir lernen dann schließlich, wie man eins herbeitelefoniert und sind dann endlich wieder bei unserem Pösslchen.

Doch, das war „Florenz ganz entspannt“, aber man merkt die Knochen trotzdem. Zur Belohnung gibt es eine leckere Gemüsepfanne mit grünem Spargel und die letzte Flasche französischen Wein aus unseren neuen Gläsern.

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