Kreuzgänge, Klatschmohn, Kloster-WG

Toskana mit dem Wohnmobil, Tag 10 (Montalcino und Umgebung)

Tag 10 läßt sich sonnig an. Aus einer kurzen Fahrt in die Umgebung wird doch eine größere Runde mit zwei Klöstern und dem Weinstädtchen Montalcino.

Katzencontent
Katzencontent I

Wir starten mit dem nahegelegenen Kloster Monte Oliveto Maggiore, ein ziemlich großer Kasten, aktives Kloster, vor allem aber berühmt für seinen – treue Leser ahnen es – Freskenzyklus! Uns gefällt vor allem, daß hier trotz des touristischen Ziels ein echtes Klosterleben herrscht, Punkt 12 Uhr wird zugemacht, weil die Mönche essen müssen. Trotzdem hat uns der Bruder, der vor der Mittagspause geputzt und eingedeckt hat, noch ins Refektorium gelassen und das Licht angeknipst (hat er nicht für jeden gemacht!) Dann gibt es eine große Bibliothek und die vollständige Geschichte des Benedikt von Nursia im Kreuzgang gemalt.

Refektorium, Tisch ist gedeckt.
Refektorium, Tisch ist gedeckt.

Als wir zum Parkplatz zurückkommen, hatte Pösslchen wieder einmal mit einem anderen weißen Pössl Freundschaft geschlossen.

Huch? Wen haben wir denn da?
Huch? Wen haben wir denn da?
Was haben die beiden denn zu flüstern?
Was haben die beiden denn zu flüstern?

Über kleine Dörfer und kurvige Straßen geht es weiter Richtung Montalcino. Vorher müssen wir aber auch noch speisen, und mal wieder den unersättlichen Kühlschrank neu befüllen. Im Coop einer kleinen Stadt am Wegrand werden wir beim Eintreten kurz vor 13 Uhr auf Deutsch (!) mit der Lautsprecheransage begrüßt, daß man doch bitte zur Kasse gehen soll, weil man in wenigen Minuten schließe. Unheimlich … die Siesta ist nicht nur für Mönche heilig! So schnell hatten wir noch nie unseren Wagen vollgepackt. Übrigens endlich auch bezahlbare Erdbeeren, die hatten wir vermißt.

Hier haben wir dann doch kapituliert, nicht die Steigung, aber das eingeschränkte Lichtraumprofil.
Hier haben wir dann doch kapituliert, nicht die Steigung, aber das eingeschränkte Lichtraumprofil machte Pösslchen etwas Angst.
Erster Versuch für die Mittagspause. Der Traktor trieb uns dann doch weiter.
Erster Versuch für die Mittagspause. Der Traktor trieb uns dann doch weiter.
Stand am Ortsschild Montalcino nicht was von „Commune Biologici“? Hmmm.
Stand am Ortsschild Montalcino nicht was von „Commune Biologici“? Hmmm, vielleicht haben Außerirdische die Weinregion übernommen …

Die Stadt Montalcino ist nett, nicht überlaufen, aber auch kein Höhepunkt, wenn man nicht grade teuren Wein kaufen will. Man wird – ähnlich wie in San Gimignano und Siena – ganz strikt auf einen Womo-Parkplatz, gleichzeitig Stellplatz, gelotst. Dieser liegt allerdings ganz oben auf dem Hügel, nicht im Tal, und ist modern und einladend ausgestattet (bloß kein Schatten, könnte im Sommer sehr heiß werden). Wer nur parkt, zahlt 1,50 Euro pro Stunde. Fair. Und ein gutes Beispiel dafür, wie man es – auch wenn es wieder „nur“ ein Parkplatz ist – auch machen kann. Take this, Siena! Auf dem Rückweg aus der Stadt verdienen wir uns dann unser Abendessen, die Steigung ist nicht ohne.

Montalcino. Der Reisemobil-Park- und Stellplatz liegt ganz oben auf dem Berg, etwas mühsam, aber liebevoll und man wird mit schönen Blicken auf die Stadt belohnt.
Montalcino. Der Reisemobil-Park- und Stellplatz liegt ganz oben auf dem Berg, etwas mühsam, aber liebevoll und man wird mit schönen Blicken auf die Stadt belohnt.
Montalcino
Montalcino

Wir entschieden uns, „wenn wir schon mal hier unten sind“, eine Siesta einzulegen und das romanische Kloster Sant‘ Antimo, das wunderbar im Tal liegt, im Abendlicht aufzusuchen. Leider machten uns die Wolken einen Strich durch die Foto-Rechnung, dafür war nach Schließung des Klosters für Touristen in der Kirche noch die Abendandacht mit „gregorianischen Gesängen“, die es sogar in den Baedeker geschafft haben, angesagt. Wir kennen das von Groß St. Martin in Köln, wo 12 Mönche und Nonnen 5x am Tag wunderbar ihre Gebete singen, sind also ein wenig verwöhnt. Der romanische Kirchenbau ist wirklich großartig, von dem aktiven Klosterleben sind dann gerade mal vier Mönche übriggeblieben, davon  mindestens zwei heiser, einer kam später, einer ging früher …  und ein wenig genervt wirkten sie auch bei ihrem Gesang. Alltag in einer Vierer-Männer-WG, würde ich sagen. Gregorianische Gesänge hatte ich mir jedoch ein wenig anders vorgestellt, aber es war ja auch kein Konzert, sondern die Abendandacht. Was habe ich da zu meckern?

Romanisches Kloster Sant' Antimo
Romanisches Kloster Sant‘ Antimo
Katzencontent II
Katzencontent II

Zurück zum Camping „Il Treccolo“, neben uns auf der Parzelle ein einsamer Radfahrer mit Einmann-Zelt. Als ich den Pürierstab anschmeiße, um uns etwas Hommos zuzubereiten, komme ich mir in unserem bescheidenen kleinen Pösslchen doch schon beinahe dekadent vor …

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