Braunkohle, Regen, Westpolen

Der Regen regnet, in Meißen hat’s die Straßen ausgehebelt, eine Bundesstraße war wegen Erdrutschen gesperrt, alle Flüsse in Sachsen außer der Elbe hatten Hochwasserwarnung. Da geht’s uns hier noch sehr gut, aber von einer Radtour um die Seenlandschaft, die wir gestern noch in Betracht zogen, sind wir weit entfernt. Ich habe die grandiose Idee, von Cottbus aus die Autobahn nach Polen zu nehmen und dann gemütlich „von hinten“  durch Westpolen nach Görlitz runterzupendeln. Da es hier am See keine Brötchen ums Eck gibt, werden die zwei kleinen Überbleibsel von gestern zu Frühstück Version 0.5 und wir wollen irgendwo unterwegs einkaufen für den Feiertag und richtig frühstücken. Nun ja, Pläne und so.

Auf der Strecke nach Cottbus schauen wir natürlich in die großen Löcher rein, die noch nicht mit Wasser verfüllt sind, so ganz tot ist der Braunkohle-Tagebau hier nämlich noch nicht. Nicht so tief wie in Garzweiler, und von Vattenfall mit gefühlt etwas breiterer Brust präsentiert („Lausitz, eine Region voller Energie“) als man es sich bei uns erlauben würde, wenn man ganze Dörfer und Landschaften verschlingt. Vielleicht bilde ich mir das aber auch nur ein.

Aussichtspunkt Welzow-Süd
Aussichtspunkt Welzow-Süd

Mondlandschaft. Nein,d das ist keine Kohle, sondern Verfüllung
Mondlandschaft. Nein,d das ist keine Kohle, sondern Verfüllung
Blick von Aussichtspunkt „Achtung Lebensgefahr, Betreten verboten“.
Blick von Aussichtspunkt „Achtung Lebensgefahr, Betreten verboten“.
Am Aussichtspunkt Welzow West.
Am Aussichtspunkt Welzow West.
Pösslchen hat ein bißchen Angst hält Abstand.
Pösslchen hat ein bißchen Angst hält Abstand.

Der Regen regnet auch in den Tagebau, die Fotosessions werden entsprechend kurz. Weiter Richtung Autobahn und ab nach Polen. Frühstücks- und Supermarktinfrastruktur haben wir noch nicht entdeckt. Naja, in Polen gibt es sicher direkt hinter der Grenze große Einkaufszentren, wo die Deutschen zum billig Einkaufen und Tanken hinpilgern (irgendwie muß ich da was mit Holland verwechselt haben …). Hinter Forst kommt die Überraschung: die A15/E36 ist in west-östlicher Richtung eine Buckelpiste erster Ordnung. Allerliebst die Beschilderung: Straßenschäden über acht Kilometer. Nach acht Kilometern dann: Straßenschäden über 13 Kilometer. Usw. Erwähnte ich die nicht vorhandene Besiedlung/Infrastruktur? Nach 20 Kilometern etwa fahren wir mal runter zum Tanken, das mit dem Sloty-Umrechen üben wir dann auch noch mal, denn wirklich billiger war der Diesel nicht, im Gegenteil. Also weiter bis zu der Landstraße, die uns nach Sgorzelec runterbringen soll. Vielleicht war hier ja schon die EU mit ihrem Straßenbau unterwegs. Ein stückweit geht das auch gut, aber zwischendurch wird’s richtig holprig. Armes Pösslchen, demnächst ist mal wieder Schraubennachziehen angesagt! Und weit und breit keine Supermärkte. Erwähnte ich, daß wir noch nicht richtig gefrühstückt hatten? Wenn der Notfall-Müsliriegel dran glauben muß, ist die Situation bei Ray + Elke wirklich brenzlig! Achso, und Landschaft gibt’s hier auch nicht, nur Gegend.

Baustellen läßt man sich ja gerne gefallen … 
Baustellen läßt man sich ja gerne gefallen …
… aber geht das jetzt hier so weiter? Zum Glück nicht allzu weit.
… aber geht das jetzt hier so weiter? Zum Glück nicht allzu weit.
Back in Germany.
Back in Germany.

Es war schließlich beinahe 16 Uhr, als wir die Oder-Neiße-Grenze von Ost nach West, von Zgorzelec nach Görlitz überqueren. Ich glaube, ich war selten so erleichtert, nach Deutschland zurückzukommen, aber das lag vermutlich vor allem an der Unterzuckerung. Der nächste Penny wurde dann entsprechend geplündert. Eine interessante Erfahrung; ich hasse es normalerweise, solche „die Straßen waren schlecht und wir hatten Hunger“-Jammerberichte zu schreiben, aber in meiner Vorstellung ist Polen bereits dermaßen EU-isiert, daß ich auf dieses kleine Abenteuer nun überhaupt nicht vorbereitet war.

Wir lernen: 2,10 schafft unser schlankes Pösslchen problemlos.
In Görlitz, wir lernen: 2,10 m schafft unser schlankes Pösslchen problemlos, nur der Beifahrer hat kurz gezuckt.

In Görlitz landen wir auf dem Stellplatz Rosenhof, es regnet immer noch, und von dieser unglaublichen Stadt erzähle ich dann morgen.

 

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