Maach et jot, Marc.

Es gibt Texte in diesem Blog, die mir leicht aus der Tastatur flossen, weil sie voller frisch erlebter Gefühle – ob tieftraurig oder lustig – waren. Andere entstanden etwas mühsamer und lesen sich auch gleich etwas mühsamer.

Dieser Text ist einer der traurigsten und dennoch mühsamsten, die ich jemals geschrieben habe. Kurz bevor wir zu unserem aktuellen Trip nach England aufbrachen, erhielt ich die unfassbar traurige Nachricht, daß Marc Nowak ganz plötzlich gestorben ist. Unser Marc Nowak von Reisemobile Berens, der uns zum Wohnmobilreisen, zu diesem Blog und damit zu einer neuen Leidenschaft gebracht hat, von der wir nicht wußten, daß sie tief drin auf uns wartete.

Wir lernten Marc um 2009 herum kennen, als wir mit Jo die damals neue Website für Berens bauten. Wir ließen uns von Marcs Begeisterung anstecken und sprudelten vor Ideen, was man alles machen könnte. Die beste Idee kam dann natürlich von ihm: wenn Ihr mal was Realistisches schreiben wollt, dann gebe ich Euch gerne ein Fahrzeug für ein paar Tage mit! Ich so: „ja, so übers Wochenende, das wäre mal spannend“ … er so: „nee, können wir schon auch eine Woche lang machen“. Und so nahm das Schicksal seinen Lauf. Wir haben immer gelästert, daß er uns natürlich nicht uneigennützig „angefixt“ hat, schließlich haben Ray und ich dann unser Pösslchen von seinem Hof gekauft, weil wir nicht mehr ohne sein wollten … aber das würde unserer Beziehung nicht gerecht.

Denn Jo konnte dank Marcs Großzügigkeit im letzten Jahr seine große Schottland-Tour angehen, von der er seit Jahren träumte. Wenn wir Hilfe und Rat brauchten, war er immer für uns da, trotz ewiger Zeitnot. Marc Nowak und Reisemobile Berens waren ein fester Faktor in unserer Jahresplanung geworden – nicht nur geschäftlich, denn längst standen wir selbst auch als Gäste und Freunde mit dem Wohnmobil auf dem Herbstfest, nicht „nur“ als Kunden, Fotografen oder Dienstleister. Das war es im Grunde, was unsere Beziehung zu Marc ausmachte: Ob Geschäft oder nicht, das Gradlinige, Menschliche, die tiefsitzende Leidenschaft für sein Tun strahlte aus jeder seiner Handlungen und machte es zu einer großen Freude, mit ihm zu arbeiten und zu feiern. Apropos feiern … nie werde ich vergessen, mit welchem Strahlen im Gesicht er letztes Jahr mit seiner Frau vor der Bühne im Festzelt tanzte, als sie sich ihren Traum verwirklichten und die kölscheste aller kölschen Bands auf ihrem Hof ihren großartigen Auftritt hatte.

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Just als wir in Köln vorletzte Woche mit verrückten Ideen fürs Herbstfest herumsponnen, blieb Marcs Herz in Italien, mitten im Urlaub, einfach stehen. Als unser Pösslchen heute morgen entlang der Küste von Devon nach Cornwall rollte, eine Reise, die es ohne ihn nie gegeben hätte, wurde er in Brauweiler beigesetzt. Unser tiefstes Mitgefühl gilt seiner Frau Anja Nowak, seiner Tochter Sophie und seiner ganzen Familie. Wir können es immer noch nicht begreifen und werden es vermutlich nie begreifen, oder, mit der kölschesten aller kölschen Bands:

Als Minsch kannste et nit verston,
die eine kumme, die andere jonn.
Dr Dud spillt an de Uhre,
löt sich nit in die Kaate lure.
Doch jenoch mit dr Philosophie,
wenn eine jeiht, jo dann deit et dir wieh.
Wenn de nix mieh mache kannst,
usser ze kriesche, wie ne Panz.

Maach et jot, mer sin uns widder.
Maach et jot, un kumm jot rüvver.
Bestell dem Herrjott ’n schöne Jroß,
ov et wirklich nüdig wor,
dat de su früh jon mots.
(Bläck Fööss)

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