Duschen, Robben, Muscheln, Gotik …

Wir müffeln. Also nehmen wir gerne den Tipp unserer Nachbarn auf dem Stellplatz an, Le Crotoy anzufahren, das nur rund 20 km südlich die Küste runter liegt, und wo die beiden noch am Tag zuvor eine funktionierende Versorgungssäule angetroffen haben. Da Berck uns auch sonst nicht so vom Hocker reißt, ziehen wir gleich nach dem morgendlichen Baguetteholen am Strand los.

Und das war eine gute Entscheidung, Le Crotoy liegt an der Somme-Bucht und auch hier der Stellplatz direkt an den Dünen. Wasser ist für 2 Euro zu haben, und – auch hier – kann man die Sache mit dem Strom vergessen; ganze 55 Minuten gibt’s für 2 Euro. Dafür daß Frankreich voll von Atomkraftwerken ist, wundert mich das schon ein wenig. Scheint aber normal zu sein, ist jetzt schon der dritte Platz mit Stundentarif. Aber wir brauchen es auch nicht wirklich, solange wir tagsüber fahren und die Batterien fleißig laden. Zwei Nächte stillstehen könnte aber schon mal eng werden. Aber dieser Platz hat es uns wirklich angetan. Sandig, direkt hinter den Dünen (Meer ist immer weg, wir kennen das ja schon), superruhig und geräumig. Die vier-fünf Fahrzeuge stehen weit auseinander, nicht mal den Dieselgenerator, den einer am anderen Ende laufen hat, hört man nachts. Und: ein frisch gefüllter Wassertank und eine rundlaufende Truma beschert uns frisches Duschvergnügen im Pösslchen.

 

Wohnmobil-Stellplatz in Le Croyton.
Wohnmobil-Stellplatz in Le Crotoy.

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Es bläut so bläu im Kohlerevier … frostige Nächte im Norden

Nur drei Tage weiter, und schon wieder liegen ganze Welten dazwischen. Als wir nach einer sehr frostigen Nacht (Mini-Eiszapfen am Außenspiegel) am Sonntagmorgen aufwachen – Pösslchen und Truma haben sich wacker geschlagen – bläut der Himmel ohne ein einziges Wölkchen über Lens. Nichts wie zurück zum Louvre-Lens, um die Architektur noch einmal in Sonne zu sehen. Der gestern noch leicht sumpfige Landschafsgarten knistert unter einer kleinen Eisschicht vor sich hin, und die Glas- und Alu-Fassade des Museums spiegelt die umgebende Bergbau-Landschaft.

Louvre-Lens bei Sonnenschein.
Louvre-Lens bei Sonnenschein.
Fast transparent.
Fast transparent.

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Sturmnacht, Louvre und heißer Kakao.

OK, das mit dem „gar nicht so windig“ haben die Sturmgötter gelesen und sich herausgefordert gefühlt. Die ganze Nacht wackelte Pösslchen hin und her, so daß es ein unruhiger Schlaf wurde, und die Müllcontainer lagen heute morgen kreuz und quer am Platzrand verstreut. Kein Besichtigungswetter für Arras oder sonstige Outdoor-Aktivitäten, also Plan B – mit starkem Seitenwind ab nach Lens fliegen. Nur 18 Kilometer entfernt, beherbergt es eine fast neue Dependance des Louvre, das hier im Rahmen des Strukturwandels im nordfranzösischen Kohlerevier entstanden ist. Kommt uns das irgendwie bekannt vor … ?

Auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Nr. 9 wurde bis 1980 Steinkohle gefördert, heute beherbergt es einen silberglänzenden, langgestreckten Bau voll mit Kunst. Wir haben uns wenig vorbereitet und werden angenehm überrascht: Nach einem Sicherheitscheck am Eingang wie am Flughafen erfahren wir, daß Fotografieren beinahe uneingeschränkt erlaubt ist – wow. In der großen Halle sind in einzelnen Glaspavillons Bibliothek, Buchladen, Picknickplatz und andere Funktionsräume untergebracht. Im Keller lassen wir nicht nur Taschen und Jacken, sondern können auch einen Blick in die Depots werfen – an der Glasscheibe sind Folientouchscreens angebracht, an denen man sich zu einzelnen Depotstücken informieren kann. An großen Display-Tischen kann man sich schon einmal multimedial mit der Sammlung auseinandersetzen.

Blick ins Depot, die Gemälde teils mit Pflasterstreifen im Gesicht.
Blick ins Depot, die Gemälde teils mit Pflasterstreifen im Gesicht.

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Zurück ins Land der Belfriede und Ch’tis

Ganze 9 Tage gibt unser Weihnachtsurlaub her, und wenn der Chef den Laden bis schon 5. Januar zwangsweise schließt, muß man ja einfach Pösslchen ausfahren (der ist auch schon ganz zappelig, ein Übernachtungsausflug Anfang der Woche an die Ahr hat ihm definitiv nicht gereicht)!

Unsere Ostertour 2014  hat uns nicht losgelassen, dieser nördlichste Zipfel von Frankreich – Le Nord/Pas-de-Calais – zieht uns weiterhin magisch an. Nach den Ostererfahrungen von 2013 und 2014 haben wir aber diesmal etwas vorgeplant, denn nach Oktober und vor Mai in Frankreich einen geöffneten Campingplatz zu finden, ist durchaus ambitioniert. Wir haben einen einzigen an der Küste gefunden, dazu einige Stellplätze im Binnenland mit Strom. Natürlich sollte Pösslchen auch eine Nacht „ohne alles“ aushalten, aber je nach Kältegrad geben ein paar sichere Plätze, stabiler Landstrom und gelegentlich eine zuverlässige heißer Dusche schon ein gutes Gefühl.

Auf dem Weg zur Opalküste liegen spannende Zwischenstopps, und wir lassen es am heutigen zweiten Weihnachtstag ruhig angehen. Südlich von Lille entscheiden wir uns wegen des relativ sonnigen Wetters zunächst für die Übernachtung in Arras, das architektonisch einiges zu bieten hat. Der städtische Stellplatz ist gut zu finden und mit seinen sieben Plätzen typisch unromantisch, hat aber Wasser und zwei (!) Stromanschlüsse zu bieten. Für diese muß man im Office du Tourisme Jetons zu je zwei Euro kaufen. Das Zentrum mit Belfried und Tourist Info liegt jedoch grade mal einen knappen Kilometer weit weg, und wir genießen mit dem Jetonkauf noch den örtlichen Weihnachtsmarkt, der den Grande Place noch bis 30. Dezember „schmückt“. Mit der Dunkelheit geben die erleuchteten Häuser aber richtig was her, auch wenn ich eher einen winterlich-leeren Riesenplatz mit den historischen Häuserfronten vor Augen hatte. Am zweiten Weihnachtstag hält sich der Trubel in erträglichen Grenzen, und die Temperaturen sind deutlich über Null.

Die Franzosen wieder. Mit den kleinen Törtchen haben sie es ja wirklich.
Die Franzosen wieder. Mit den kleinen Törtchen haben sie es ja wirklich.

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