Reisetagebuch aus dem Portugal-Besuch 2014 – 2015

(ein Reisebericht der Familie Klütsch von unterwegs)

Seid 13. November stehen wir nun schon auf unserem neuen Stellplatz „Parque da Gale“, und so wird es wieder mal Zeit um von unseren Aktivitäten und Erlebnissen zu berichten. Die Betreiber des Stellplatzes kümmern sich wirklich sehr um ihre Gäste, lassen nichts aus, um alle hier zu unterhalten. So war einige Tage nach unserer Ankunft ein spontanes Grillfest, zu dem am Nachmittag eingeladen wurde. Anfangs wurden Kastanien über Holzkohle gegrillt und ein süsser Likörwein machte kistenweise die Runde. Später gab es noch gegrillte Schnitzel mit Brot – ein wirklich gelungener Abend. In der Vorweihnachtszeit machten wir eine Tour nach Silves.

Silves ist eine Stadt in der Algarve in Portugal mit 12.000 Einwohnern. Sie wurde am Fluss Arade errichtet, den noch heute eine mittelalterliche Brücke überquert. Zeitweilig war Silves Sitz eines Bischofs.

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Unter den Römern wuchs die Siedlung zu einer bedeutenden Stadt, obwohl sie keinen Hafen hatte, sondern am Rande der Serra de Monchique lag. Ende des 5. Jahrhunderts fiel die Algarve an das Westgotenreich. Unter dem arabischen Namen Xelb wurde Silves 713 Teil des Umayyaden-Kalifats von Córdoba. Silves wurde drei Mal von christlichen Heeren erobert und fiel 1242/46 endgültig an Portugal.

Gegen Ende der muslimischen Epoche im Jahr 1189 schätzt man die Einwohnerzahl von Silves auf etwa 15.000. Aus dieser Zeit stammt auch das aus rotem Sandstein erbaute Castelo dos Mouros (‚Maurenkastell‘) das etwa 12.000 m² einnimmt.

Am 3. September 1189 wurde Silves nach längerer Belagerung von einem Kreuzfahrerheer, an dem sich Deutsche, Engländer und Flamen beteiligt hatten, unter dem portugiesischen König Sancho I. erneut eingenommen und geplündert. Seine Bronzestatue steht heute am Eingang der Burg. Er nannte sich nach dem Sieg „König von Portugal“.

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Das grosse Erdbeben von 1755 zerstörte die Stadt so stark, dass nur 20 Häuser stehen blieben. Bereits wenige Wochen danach begann man, die verfallenen Stadtmauern und Häuser wieder aufzubauen.

Sehenswert ist das Castelo dos Mouros, das mit seinem roten Sandstein nicht nur das Wahrzeichen der Stadt, sondern den wichtigsten Anziehungspunkt darstellt.

Anstelle der früheren Moschee wurde 1189 mit dem Bau der dreischiffigen  Kathedrale Sé begonnen, deren Bau 1242 vollendet wurde. Die Capela do Santissimo ist mit Azulejos und vergoldetem Schnitzwerk verziert. Einige der Kreuzritter, die bei der Eroberung Silves gefallen waren, wurden in der Kathedrale bestattet. Der Dom von Silves beherbergt außerdem das Grab von  Dom João II., der 1495 in Alvor starb sowie die Sarkophage der Bischöfe von Silves.

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An der östlichen Ortsausfahrt befindet sich das Kreuz von Portugal, ein drei Meter hohes Kreuz aus hellem Kalkstein mit spätgotischen und manuelinischen Motiven. Auf der einen Seite des Kreuzes ist Christus dargestellt, auf der anderen Seite die Pieta. Man vermutet, es sei im 15. Jahrhundert entstanden, die genaue Herkunft ist jedoch unbekannt.

In einer aufgegebenen Werkstatt, der ehemaligen Kork-Fabrik „Fabrica do
Inglès“, befindet sich ein Kork-Museum, in dem die Produktion von Weinkorken demonstriert wird.

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… wie die allgegenwärtigen Katzen.

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Damit die verfallenen Häuser ein wenig schön aussehen werden die Fenster und Türen nach dem zumauern einfach mit Azulejo – Kacheln verziert, so wie hier mit einem Orangenbaummotiv.

Der grosse Parkplatz zu Füßen der Burg wird leider von einigen der Wohnmobilisten als Dauerstellplatz missbraucht, einige stehen schon Jahre hier.

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Zum Abschluß unserer Tour sehen wir noch in einem Geschäft diese weihnachtlich geschmückte Katze – Ein Hingucker der besonderen Art und wir können bestätigen, daß es sich hier um eine lebendige Katze und nicht um eine Statue handelt.

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Weihnachten rückt immer näher und damit unser grosses Weihnachtsbüffet zu dem alle Wohnmobilisten am 24. Dezember hier in Gaja eingeladen waren.

Es wurde wirklich an nichts gespart, 2 Spanferkel lagen schon Mittags auf dem Grill, ebenso ein grosser Truthahn und ein riesiger Schweinebraten. Um es schonmal vorweg zunehmen, die Tiere sind nicht umsonst gestorben. Dutzende Beilagen ließen die Tische fast durchbiegen und ein riesiges Nachtisch- und Tortenbüffet bildeten den Abschluss. Obwohl fast 100 Leute den Spezialitäten den Garaus machen wollten blieb auch am frühen Morgen, solange ging die Weihnachtsparty, jede Menge übrig. Komplettiert wurde das ganze noch durch Lifemusik und ab Mitternacht wurde dann die Tanzfläche eröffnet. Die nachfolgenden Bilder können deshalb auch nur einen kleinen Eindruck des tollen Abends wiedergeben.

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Mit diesem „Weihnachtsmann (Frau) “ wurde das Büffet eröffnet
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Unsere Gastgeben Sushila und Paulo

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Ach ja, zum Thema übriggebliebenes Essen. Am nächsten Tag gegen Mittag ging  es weiter und es war noch mächtig viel Arbeit, damit die „Schlacht am Büffet“  endlich zu Ende gebracht werden konnte.

Ein ähnliches Event gab es Sylvester, das wir aber ausgelassen haben denn hier fand ausschließlich eine Karaoke – Party statt. Das ist nicht unser Ding und so  lagen wir schon gegen 21:30 Uhr im Bett und haben den Jahreswechsel im wahrsten Sinne des Wortes verschlafen.

Mitte Januar dann der nächste Höhepunkt, Sushila & Paulo haben zu einem Fado – Abend eingeladen. Fado – Die sehnsuchtsvollen Lieder der Portugiesen, ursprünglich aus den Armenvierteln von Lissabon. Unsere Lieder werden nicht von irgendeiner Fadosängerin vorgetragen sondern von Raquel Peters, geboren hier in Albufeira, eine der besten Fadosängerinnen Portugals, ausgezeichnet mit vielen Preisen, unter anderem als beste Sängerin Portugals (2009). Wer sie Life sehen möchte, bei YouTube gibt es nach Eingabe des Namens zahlreiche Videos der Sängerin. Auch dieser Abend ein besonderes Erlebniss obwohl die Fadomusik nicht so ganz unsere Richtung ist. Die schwermütigen Lieder die stets von Liebe, Leid und Sehnsucht handeln versetzten einen aber in eine ganz besondere Stimmung. Auch hier gab es wieder in den Pausen gegrillte Spezialitäten. Diesmal eine Art Mettwurst, Spezialität hier in Portugal.

Raquel Peters, unsere ebenso junge wie hübsche Fado - Sängerin
Raquel Peters, unsere ebenso junge wie hübsche Fado – Sängerin

 

Wir haben schon wieder eine verrückte Idee, davon haben wir eigentlich zu viele. Wir wollen eine weite Reise mit einem Fahrerlebnis der besonderen Art kombinieren. Gemeinsam mit zwei anderen Wohnmobilisten, ein deutsches und ein holländisches Paar, diskutieren wir und schnell steht der Plan fest: Unser nächstes Ziel Unser nächstes Ziel heisst Lissabon, die Hauptstadt von Portugal und etwa 270 Km entfernt.

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Wir wollen aber nicht mit dem Wohnmobil fahren sondern entschließen uns gemeinsam zu einer Reise der ganz besonderen Art – Mit der Eisenbahn. Am Donnerstag, den 29. Januar geht`s los und mit 38 Euro pro Person für Hin- und Rückfahrt kann man nicht meckern.

Nicht irgendeine Eisenbahn, nein, für uns kommt nur der portugiesische Hochgeschwindigkeitszug „ALFA PENDULAR“ in Frage, der von Faro kommend hier in Albufeira Halt macht und auf seinem Endziel Porto natürlich auch in Lissabon hält. Die Fahrt hält was die Unterlagen versprechen – Mit bis zu 220 Km/Std rauschen wir Richtung Lissabon.

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Der Alfa – Pendular von außen und innen

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Schon Früh am Morgen um 07:21 Uhr fahren wir in Albufeira ab und sind pünktlich um 10:00 Uhr in Lissabon. Ziel ist der neue Bahnhof Oriente der zur EXPO errichtet wurde und einem Raumschiff – Stützpunkt alle Ehre machen würde.

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Die Rückfahrt ist für 18:24 gebucht, damit bleiben uns rund 8 Stunden Zeit für unsere Besichtigungstour und das ist nicht viel.

Im Bahnhof irren wir erst mal rum und suchen eine Tourist – Info, aber weder im Bahnhof noch im Außenbereich ist eine solche zu finden. Wir finden das alles sehr merkwürdig denn gerade der Bahnhof ist doch eine der ersten Touri-Anlaufstellen. Wir überlegen und wollen für`s erste eine Stadtrundfahrt mit dem Bus machen. Also fragen wir nach dem
entsprechenden Sightseeingbus aber niemand will diesen kennen. Weder Bahnhofspersonal noch Taxifahrer draussen haben je etwas davon gehört. Wir irren weiter umher und sehen plötzlich einen dieser Busse die es nicht gibt. Verzweifelt versuchen wir den Bus zu stoppen aber der Busfahrer winkt im vorbeifahren nur freundlich zurück. Passanten werden auf uns
aufmerksam und weisen uns die Ecke rum zu einer Haltestelle für die Sightseeingtour und diese liegt komischer Weise direkt neben dem Bahnhofseingang. Schon komisch, daß das alle hier nicht wissen. Auf dem Schild der Haltestelle lesen wir von einem halbstündigen Rythmus der Fahrt, na ja, der ist gerade weg. Von einem weiteren Passanten erfahren wir, das die Fahrtickets nicht beim Busfahrer gekauft werden können sondern nur in einem Kiosk der natürlich etwas abseits liegt. Wir Männer bleiben also an der Haltestelle während die Frauen den Kiosk suchen um die Karten zu erwerben – Eine geniale Aufgabenteilung. Die Zeit vergeht, schon wieder fährt ein Bus vorbei und kurz darauf kommen die Frauen zurück. Die Aussage beim Kiosk „Die Tickets gibt es nur beim Busfahrer“.

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So warten wir auf den nächsten Bus der dann auch eine gute halbe Stunde später kommt. Wir steigen ein, lösen unsere Tickets beim Fahrer und ohne Probleme geht es auf`s  Oberdeck. Ein Blick auf die Uhr, die ersten zwei Stunden sind schon vorbei – Klasse.

Wir haben kleine Ohrhörer bekommen, denn an jedem Sitz sind kleine Boxen und Schalter um die Sprache und Lautstärke einzustellen. Leider funktionieren diese Boxen nicht alle und so sitzen wir im ganzen Oberdeck verstreut. Zu allem Überfluss haben die Ohrhörer nur eine Einheitsgröße, wir aber keine Einheitsohren. Während bei Edith die Stöpsel in jeder Kurve wieder rausfallen rutschen meine bis zum Trommelfell durch. Auch die anderen machen ähnliche Erfahrung und noch lachen wir darüber. Am gestrigen Tage haben wir natürlich eine Liste der Sehenswürdigkeiten gemacht die wir besuchen wollen, den alten Elevador oder die historische Strassenbahn, den alten Palast, Kirchen oder Festungsanlagen. Die
Sightseeingtour hat aber andere Vorstellungen von Sehenswürdigkeiten. So lernen wir erst mal im Vorbeifahren den Flughafen kennen, später die Rückseite der Universität oder das neue Militärkrankenhaus. Auch vor zwei weiteren Bahnhöfen macht der Fahrer nicht halt und der neue Justizpalast liegt auch noch auf der Strecke. Mitten in einem Kreisverkehr erfahren wir, daß Richtung Osten ein neues Einkaufscentrum liegt, keiner von uns hat seinen Kompass dabei. Mit Speed geht es ins große Naherholungsgebiet und auf der Fahrt dorthin erfahren wir, das die beiden Spitzen der Kuppeln
links zu einer Moschee gehören, höher hätten die Häuser der Nachbarschaft aber auch nicht sein dürfen. Erfreut stellen wir fest, daß wir uns langsam Richtung Innenstadt bewegen, wird doch noch alles gut. 5 Minuten später stehen wir auf einem riesigen Busparkplatz und werden auf die anstehende Mittagspause der Fahrer hingewiesen. Frustriert steigen wir aus und stellen fest, das wir die einzigen Fahrgäste waren. Also was solls, gehen wir auch was essen. Die Uhr zeigt mittlerweile 13:15 Uhr. Ein Lokal in der Nähe ist schnell gefunden und so ergeben wir uns unserem Schicksal. Ich bestelle gegrilltes Schweinefilet und merke später, das portugisische Schweine offensichtlich kleine Knochen in ihrem Filet haben. Die gleiche Erfahrung machen zwei andere auch noch. Wolfgang hat ein Rindersteak bestellt und ist erstaunt, das sein Teller genau so aussieht wie der mit den Schweinefilets, nur 3 Euro mehr kostet. Die beiden Holländer, wohl Profis in Sachen Essen gehen, bestellen je ein Stück gegrillten Lachs und eine kleine Flasche Wein, bezahlen später 41 Euro dafür.

Froh, endlich wieder in den Tourbus zu steigen verlassen wir 45 Minuten später das Resto, die Uhr zeigt 14:00 Uhr. Wir werden zu einem der Busse gewiesen und steigen wieder auf`s Oberdeck. 15 Minuten später die Durchsage „Alles raus der Bus ist kaputt“. So steigen wir in einen anderen Bus ein der dann auch nach weiteren 20 Minuten endlich losfährt. Hier in
Lissabon beginnt der Rushour und so wird die Fahrt mit dem grossen Bus zur Schleichfahrt. Immerhin sehen wir die Uni jetzt auch von der Vorderseite und die Türme der Moschee kommen von der Seite auch viel besser raus. Als wären wir nicht schon genug gestraft beginnt es fein zu nieseln. Im nu sind die Scheiben des Busses mit einem feinen Wasserfilm überzogen der ein weiteres schauen auf eventuelle Sehenswürdigkeiten unmöglich macht. Freudig überrascht stellen wir nur eine Stunde später fest das wir in der Nähe der Altstadt sind. Auf einer einspurigen Strasse hält der Fahrer dann an, damit alle ein Bild vom Palast machen können. Leider fährt er wieder los bevor wir knipsen konnten, denn das Hupen der Hintermänner war gigantisch. Endlich in der Altstadt angekommen verlassen wir den Bus, mittlerweile regnet es stärker. Wir flüchten in ein Cafe, trinken Espresso und essen süssen Kuchen, Frustbewältigung pur. Eine der alten Bahnen fährt vorbei, alles raus zum fotografieren – So haben wir doch noch unser Bild bekommen.

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16:15 Uhr läßt der Regen etwas nach und wir gehen zurück zur Bushaltestelle. Entsetzt lesen wir, daß der letzte Bus um 16:45 Uhr fährt aber das schaffen wir locker. Als um 17:00 Uhr immer noch kein Bus da ist werden wir leicht nervös. Um 17:10 sprechen wir einen Rikschafahrer an, der würde uns alle 6 zum Bahnhof bringen, das ist uns aber zu unsicher.
17:15 Uhr kommt doch noch der letzte Bus und wir sind erleichtert. Lachend erklärt der Busfahrer das er bis zum Bahnhof bestimmt eine Stunde braucht, vielleicht mehr. Wir versuchen ihn zu überzeugen, das in einer Stunde unser Zug abfährt. Null Problem meint dieser, bewältigt die Strecke in Höchstgeschwindigkeit und mehr als einmal fliegen wir regelrecht in die Kurven.

Aber immerhin, um 18:00 Uhr stehen wir tatsächlich wieder am Bahnhof. Das richtige Gleis ist schnell gefunden und tatsächlich, wir haben noch 10 Minuten Zeit – Dafür haben wir uns so beeilt. Um 18:26 sitzen wir wieder in unserem Alfa – Zug.

So in den bequemen Sitzen lassen wir noch mal die Stadtbesichtigung an unserem geistigen Auge vorüberziehen und alle sind sich einig, wir waren in Lissabon.

Ein Kommentar

  1. Liebe Familie Klütsch,

    vielen Dank für den tollen Reisebericht und die vielen Bilder dazu.
    Gern auch mal wieder ein Bild von Ihrem dollen Reisemobil von unterwegs.

    Schöne Grüße aus Köln

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