Letzter Tag in Nordböhmen – Zufallswanderung

Der Ostersonntagmorgen brachte in Steinschönau/Kamenický Šenov Minusgrade und dichten Morgennebel. Ich beobachtete gespannt die Entwicklung: kommt die Sonne durch, bzw. besteht Hoffnung, daß die Felsenspitze über dem Nebel liegt? Nach dem Frühstück war es so weit: man sah schon von unten, daß die Sonne an Kraft gewann, und ich machte mich ein zweites Mal auf, den Herrnhausfelsen zu erklimmen. Fast schon im Laufschritt, weil der blaue Himmel sich sekündlich verstärkte. Zunächst war ich noch ganz allein, dann bekam ich Gesellschaft von einem Herrn aus Prag, der gleich seine Bierflasche mitbrachte – er hatte  gestern seinen 50. Geburtstag gefeiert und hatte wohl noch etwas Nachdurst. Das freundlich angebotene Morgenbier lehnte ich dankend ab …

Ray hat mich von unten im Nebel geortet.
Ray hat mich von unten im Nebel geortet.

Noch ist alles voller glitzernden Raureif, die Sonne braucht nur Minuten, um das zu erledigen
Noch ist alles voller glitzernden Raureif, die Sonne braucht nur Minuten, um das zu erledigen
Zuschauen, wie der Steinschönauer Hausberg (Senovsky Vrch) aus dem Nebel auftaucht.
Zuschauen, wie der Steinschönauer Hausberg (Šenovsky Vrch) aus dem Nebel auftaucht.
Glitzer
Glitzer

Als der blaue Himmel sich endgültig ausbreitete, wurde es Zeit, diesen gastlichen Ort zu verlassen. Als nächstes Zwischenziel hatten wir uns Vysoka Lipa gesetzt, wo es runter zur Grundmühle (Dolsky mlyn) geht, einer uralten verlassenen Mühlensiedlung, die inzwischen denkmalgeschützt ist und als „romantische Ruine“ von ehrenamtlichen Kräften erhalten wird. Wir parkten Pösslchen in Vysoka Lipa und machen uns in den Wald auf. Daß es runtergeht, hatten wir ja gewußt, aber daß es sooo tief runtergeht, mußte ich irgendwie verdrängt haben. Steil, lang, Stille – wir sind allein hier und außer Vogelgezwitscher und Spechtgeklopfe hörte man wirklich kein Geräusch … Nach scheinbar unendlichen Stufen, die zum Teil aus Wurzelwerk bestehen, breitete sich unten das Bachtal und die alten Mühlenreste aus, hier waren auch einige Wanderer schon beim Picknicken und „Selfie“-Schießen. Wir waren etwas perplex von der Tiefe des Tals und versuchten uns an den Gedanken zu gewöhnen, irgendwie wieder da rauf zu kommen. Aber erst mal die Gegend erkunden!

Blick zurück nach Oben.
Blick zurück nach Oben.
An der Grundmühle
An der Grundmühle
Im alten Mühlengebäude
Im alten Mühlengebäude

Nach etwas Ruhe entschlossen wir uns, auf den Aufstieg zu verzichten, die knapp 4 Kilometer Richtung Jetřichovice (Dittersbach) zu laufen und dort den mangelnden Proviant für eine längere Wanderung mit einem guten Mittagessen zu kompensieren. Danach mal sehen, wie wir zurück nach Vysoka Lipa kommen – vielleicht gibt’s ja einen Bus, oder … Kurz: die Wanderung nach Dittersbach ging durch das wildromantische Bachtal und entlang liebevoll erhaltener Umgebindehäuser und hat sich absolut gelohnt. Das Mittagessen gab neue Kraft, so daß wir die knapp 4 Kilometer bergauf zurück dann locker und zügig hinter uns brachten – leider verläuft diese Strecke komplett entlang der Straße, sonst wäre es eine perfekte Rundwanderung. Zum Glück hielt sich der Verkehr in Grenzen.

Zwischendurch im Sandstein immer mal wieder Heiligenbilder und andere Gedenktafeln
Zwischendurch im Sandstein immer mal wieder Heiligenbilder und andere Gedenktafeln
Entengrütze
Der Bach schwemmt den Sand des Sandsteingebirges mit sich
Umgebinde in Dittersbach
Umgebinde in Dittersbach

Nach dieser mehrstündigen Wanderung gönnten wir uns das gute Osterbrot unseres gestrigen Einkaufs beim Lidl in Novy Bor – übrigens: soviel Vorratshaltung wäre gar nicht nötig gewesen, die Geschäfte scheinen hier wie am Karfreitag schon auch am Ostersonntag alle aufzuhaben. Dann galt es aber, eine gute Pole Position für die lange Rückfahrt nach Köln zu finden, und wir machten uns auf Richtung Grenze, die nur noch 9 Kilometer entfernt liegt. Das geplante zweite Zwischenziel in der Nähe von Herrnskretschen/Hřensko, das sogenannte Prebischtor/Pravcická brána knicken wir uns aus Zeitgründen, aber das war auch eine gute Idee: übervolle, gebührenpflichtige Parkplätze in einem extrem engen Tal, eine lange Strecke bergauf, teils entlang der stark befahrenen Straße zum Grenzübergang hin – da hatten wir es mit der ruhigen Grundmühle deutlich besser getroffen, auch wenn das Prebischtor vielleicht etwas spektakulärer ausgefallen wäre. An der Grenztankstelle füllten wir noch einige der verbliebenen (viel zu vielen) Kronen in den Tank von Pösslchen und deckten uns mit Karlsbader Oblaten ein, bevor wir an der Elbe entlang schon bald in Bad Schandau waren.

Pirna oder nicht Pirna, das war nun die Frage! Schon zweimal haben wir dort zufriedenstellend genächtigt, aber es ist ja noch so früh, und in Prag hatte uns jemand einen Tipp für den sehr zentral gelegenen Stellplatz in Dresden gegeben. Warum nicht? 33 Kilometer bis Dresden über Landstraße, kein Problem, und der sehr große Stellplatz  hinter dem Hygienemuseum liegt wirklich nur ein paar hundert Meter von der Altstadt entfernt, für die wir aber heute nur noch einen ultrakurzen Rundgang übrig hatten, bevor wir beschlossen, daß der Tag uns genug geboten hat.

Ein kurzer Blick auf Dresden …
Ein kurzer Blick auf Dresden …
… mag sich das jeder selbst interpretieren.
… mag sich das jeder selbst zusammenreimen.

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