Doppeltgekröpfte Hebammenfinger, oder: wie Pösslchen hinten Augen bekam

Ich sag jetzt mal nicht, auf welcher der zurückliegenden Reisemobil-Messen Ray und ich uns „spontan“ eine Rückfahrkamera zugelegt hatten, und wie lange sie jetzt schon rumliegt. Aber mit dem Frühling kommen auch unsere berühmt-berüchtigten Bastelwochenenden mit Jo in der Halle, und wir meditierten über Kabelkanäle, Dauerplus und ähnlich interessante Themen, bevor wir gestern loslegten.

Warten aufs Signal
Warten aufs Signal

Wir hatten uns für eine Funkkamera mit bis zu 12 Meter Reichweite entschieden, so daß wir nicht mit Kabeln durchs ganze Pösslchen müssen, aber Strom braucht das gute Stück natürlich auch an der dritten Bremsleuchte, wo wir es anbringen wollen. Die Hoffnung, daß wir da oben irgendwo Dauerplus finden, und auch nutzen können, zerschlug sich schnell – unser Hallennachbar Ahmed erklärte uns auch nebenher, warum ein Dauerplus, das Ray in einem Moment ganz genau ausgemessen und gesehen hatte, plötzlich ums Verrecken nicht mehr wiederzufinden war, dafür aber die Innenbeleuchtung nicht mehr ging (Stichwort CAN-Bus).

Kein Dauerplus an der Bremsleuchte, auch nicht an den anderen Kabeln, die da oben so rumliegen.
Kein Dauerplus an der Bremsleuchte, auch nicht an den anderen Kabeln, die da oben so rumliegen.
Zwischendurch wird noch ein Fahrrad repariert
Das ist kein Wohnmobil, sondern ein Fahrrad, das zwischendurch noch repariert wird.
Den Pott Kaffee mit Werkstattflair haben wir uns verdient
Drei Pott Kaffee mit Werkstattflair

Bleibt also das Dauerplus an der Anhängerkupplung (Kennzeichenbeleuchtung ist so ein anderes Thema bei Pösslchen …), also hatten wir uns einen schönen Führungsdraht besorgt und versuchten unser Glück von der Bremsleuchte oben rein, um über die Türsäulen runter zu kommen. No way. Irgendwohin ging der Draht schon, aber jedenfalls nicht zur Öffnung unten wieder raus. Also das kleine Loch hinter dem oberen Türanschlag, und dann einfach hinter dem Türgummi runter und von unten rüber zur Kupplung. Dort ins Dauerplus einhängen, Kamera anschließen und den ersten Kontakt herstellen: Houston, wir sind online!

Dauerplus hängt … und …
Dauerplus hängt … und …
Houston, wir sind online!
Houston, wir sind online!
Es wird ernst: Schablone zum Bohren
Es wird ernst: Schablone zum Bohren
Pösslchen wimmert leise vor sich hin.
Pösslchen wimmert leise vor sich hin.

Und so langsam bereitete sich der grausame Ritter Jo mit seinem Metallbohrer auf seinen Auftritt vor. Pösslchen begann leise zu wimmern, weil er ahnte, was auf ihn zukam. Aber Ray konnte ihn beruhigen, und er biß dann tapfer die Zähne zusammen …

… auch wenn er sich zwischendurch wie ein Schweizer Käse anfühlte und Elke Jo ausbremsen mußte, damit das Kabelführungsloch nicht immer größer wurde. Dann fein die Grate abfeilen, wo es knapp an blutigen Fingern vorbeiging, so ein  Bohrloch kann ganz schön scharf sein, und die Metallspäne aus dem Hohlraum gesaugt. Natürlich ging das nicht ohne einen passenden „Mädchenspruch“ von Jo ab.

Opfer müssen gebracht werden. Zum Glück nicht die Maushand!
Opfer müssen gebracht werden. Zum Glück nicht die Maushand!
Masse: muß alles feinsäuberlich drangelötet werden.
Masse: muß alles feinsäuberlich drangelötet werden.
Jetzt „nur“ noch alles zumachen …
Jetzt „nur“ noch alles zumachen …

 

So, das Gröbste müßte doch jetzt geschafft sein, jetzt noch verkabeln, Sikaflex und ein paar Karosserieschrauben dran, und fertig! Aber wohin packen wir doch gleich das Massekabel? Da oben ist die Bremslichtmutter, die hat nach vorne hin ein schön langes Gewinde, Ray lötet sich also eine feine Lasche Öse an das Massekabel, Jo steuert eine Zahnscheibe bei, und drauf soll „nur noch“ eine Mutter. Und hier kamen endlich die doppeltgekröpften Hebammenfinger ins Spiel, denn es ist ganz schön eng da oben. Jos erster Versuch: hey, die Mutter sitzt drauf, ich hab’s, yeah! – Elke so: und die Lasche Öse ist auch noch mit drauf? Ups … Zweiter Versuch: fummel fummel … Mutter weggeflutscht und man kommt nicht mehr dran. „Gib mal eine andere Mutter“ – „NEIINNNN!!! Die muß raus!!“ Dritter Versuch mit Ahmeds Magnetführungssonde – Mutter wieder raus, Lasche drauf, Zahnscheibe drauf, Mutter drauf. Ohne das blöde Pflaster am aufgerissenen Daumen wäre es besser gegangen. Jetzt noch festziehen, aber wie? Hier kommt Jos geniale Flachfummelratsche ins Spiel, und nach ein paar weiteren Flucharien sitzt das Mütterchen und die Masse fest. Die Silikonspritze bereit, Karosserieschrauben leicht anziehen, fett mit der Pistole draufmatschen und Schrauben anziehen. Bremslicht drauf, Zündung an – Kamera ausrichten und mit der Madenschraube fixieren – geschafft! Solange die Klebematsch oben noch nicht ganz trocken ist, gewinnt das Ganze noch keinen Schönheitspreis, aber wir hatten wieder mal einen Teamwork-Nachmittag vom Feinsten. Und vor lauter Freude habe ich vergessen, ein Abschlußfoto von dem Ganzen zu machen.

Belohnt haben wir uns mit  Grillwürstchen und leckerem Salat, stilecht auf Campingstühlen im Halleneingang, romantisches Abendlicht über den benachbarten Schrottplätzen – Idylle pur, und Pösslchen entspannte sich auch schon wieder etwas. Jetzt steht er auf seinem Platz und beobachtet die ganze Nacht den rückwärtigen Verkehr … hoffentlich kriegt er noch etwas Schlaf!


 

Jetzt mal die sachliche Sicht mit den Augen des Handwerkers…

von wegen „Augen hinten“. Das Ding hat gerade mal so viele Augen wie ein einfacher Zyklop aus der Urzeit: nämlich genau eines! Sitzt hinten über dem Bremslicht und gewährt eine eingeschränkte Sicht auf den Verkehr, der nicht weiter als 2 Meter entfernt ist. Immerhin eine Hilfe beim Einparken mit Hängerkupplung und evtl. montiertem Fahrradträger.

Außerdem ist das Auto technisch gesehen jetzt ein Schweizer Käse. Jede Menge unnötiger Löcher im Heck zur Durchführung lästiger Kabel. Wenn’s nach Elke gegangen wäre, hätte das gute Stück niemals ein Loch bekommen. Die bei Raumschiff Enterprise konnten doch schon in den 70iger Jahren Energie OHNE Kabel und damit auch OHNE Löcher übertragen.

Jetzt ist es halt passiert. Der rüde Jo hat die Karosse mit seiner Bohrmaschine entjungfert. Dann die Löcher farblich unpassend mit weißem Montagekleber (der Kamerafuß ist schließlich schwarz) abgedichtet.

Wenn auch Elkes Daumen nach dem verheerenden Kontakt mit der scharfkantigen Karosserie nicht geblutet hat, dann zumindest ihr Herz.

Dieses ewig hibbelige Mädchen: ist das Loch nicht schon viel zu groß? Wird das auch dicht? Klappern die Kabel? Wird Pösslchen sich jemals von dem Schock erholen?

Was lernen wir daraus?

Wenn die Männer am Heck des Autos die Baustelle eröffnen, geht die Frau am besten nach vorn und putzt den Kühlergrill.

….aber es war lustig :-)

LG Jo

 

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