Sommer, Ihr wolltet doch richtigen Sommer … ?

Über Venasque zur Abbaye de Senanque und nach Gordes.

Es ist heiß. Richtig heiß. Was hat uns nur auf die Idee gebracht, ausgerechnet an den heißesten Tagen unsere kleine Rundfahrt mit zwei „aushäusigen“ Übernachtungen einzuplanen? Aber gut, mit leicht schlaffem Käsevorrat aufgrund unseres schwächelnden, innen lauwarmen Absorber-Kühlschranks wenden wir uns erst in Richtung Carpentras, weil es dort einen Dometic-Service gibt und wir nicht wissen, ob der Kühli wieder auf die Beine kommt. Auf dem Weg dorthin versorgen wir uns in einem Intermarché noch mit einer Kühltasche und drei Paketen Eis, als Notreserve. Und, als ob er sich dadurch beleidigt fühlt, plötzlich kühlt der Dometic wieder vorsichtig runter. Also drehen wir ab und fahren über Venasque über das Vaucluse-Plateau in Richtung Abbaye de Sénanque und Gordes. Eine gute Entscheidung, denn Venasque ist ein richtig angenehmes, ruhiges Dorf hoch auf einem Felsen, mit einer uralten Kirche und phantastischem Blick auf den Mont Ventoux. Und es ist ein „Village des Cérises“, also Kirschenanbaugebiet, was natürlich Bonuspunkte bei Ray gibt.

Venasque, einer von vielen großartigen Ausblicken an jeder Ecke.
Venasque, einer von vielen großartigen Ausblicken an jeder Ecke.


Wir genießen nach der Kirchenbesichtigung einen Espresso und Kirschnektar und wenden uns auf der schmalen D177 Richtung Abbaye de Senanque. Oben auf dem Plateau halten wir eine kleine Mittagsrast, hier wäre auch ein guter Platz für eine Übernachtung – vielleicht kommen wir ja zurück hierhin.

Etwas schräg, aber keine Verbotsschilder und viel Schatten.
Etwas schräg, aber keine Verbotsschilder und viel Schatten. Könnte man machen, wenn man nicht meint, weiterzumüssen.

Aber zunächst ziehen wir zur Abbaye de Senanque, das ich als beschauliches Zisterzienserkloster mit ganz eigener, spiritueller Ausstrahlung in Erinnerung habe. Das Bild des Klosters mit den Lavendelfeldern davor kennt natürlich jeder.

Parken ist problemlos, und das Außengelände der Abtei ist kostenlos zu besichtigen. Innen nachmittags nur mit einstündiger Führung in französischer Sprache, Gruppengröße maximal 50 Personen … nun gut, man hätte vormittags kommen müssen. Die Abtei ist zisterziensisch schlicht, die Führung versteht natürlich maximal die Hälfte der Teilnehmenden. Ich bin etwas hin- und hergerissen über das Konzept: einerseits kann man verstehen, daß bei einer unverständlichen Führung die Konzentration fehlt (multilinguale Audioguides wären das mindeste hier), andererseits kann man schon anhand des Benehmens einiger Besucher sehen, was passieren würde, wenn man hier nicht streng auf bewachte Gruppenführung setzen würde. Wir haben ja nun schon viele Klöster besichtigt, aber daß mehrere Ladies im Kreuzgang für ihre Erinnerungsfotos geradezu lasziv posen, haben wir so noch nicht erlebt. Draußen geht es weiter: Alle paar Meter die inständige Bitte in fünf Sprachen inkl. Skorpion- und Schlangenwarnung, doch BITTE die Lavendelfelder nicht zu betreten – sinnlos. Wir fliehen dann doch, genug Gruppenfeeling für heute gehabt. Wenn ich hier Mönch wäre, würde ich mich auch nicht blicken lassen.

Das wolltet Ihr doch sehen …
Das wolltet Ihr doch sehen … blühende Lavendelfelder …
Das wolltet Ihr doch sehen.
… und das … meditativer Kreuzgang …
Und das … 
und das … romanische Abteikirche.
In Wirklichkeit sieht es natürlich so aus.
In Wirklichkeit sieht es natürlich so aus.
… und so …
… und so …
… und so …
… und so …
…

In Gordes sind wir so fertig, daß wir uns nur noch den Parkplatz an der Gendarmerie suchen, wo man für 8 Euro die Nacht Kuschelcamping machen kann – wobei später am Abend der (etwas abschüssige) Parkplatz sich so leert, daß auch verteiltes Parken möglich wird. Aber wenn man einmal auf den Keilen steht und die Möbel raus hat … Jedenfalls ist der Platz hier auch für Dickschiffe geeignet. Von hier aus läßt sich gut zu Fuß nach Gordes oder – abends deutlich netter – auf die Zufahrtsstraße gehen, von wo aus man den klassischen Blick auf den Ort und das Umland inkl. Ockersteinbrüche im Abendlicht hat. In Gordes selbst war gegen Abend auf die Schnelle nicht mal ein frisches Baguette zu bekommen, das „Künstlerdorf“, das zu den „plus beaux villages de France“ gehört, vermarktet seine Immobilien inzwischen über Sothebys, da ist die klassische Boulangerie wohl nicht mehr profitabel genug.

Stellplatz an der Gendarmerie in Gordes – Laufweite zum Ortskern, viel Platz, Ver- und Entsorgung, 8 Euro die Nacht (Siena-style, Du zahlst 24h, egal wie lange Du parkst)
Stellplatz an der Gendarmerie in Gordes – Laufweite zum Ortskern, viel Platz, Ver- und Entsorgung, 8 Euro die Nacht (Siena-style: Busparkplatzfeeling und Du zahlst 24h, egal wie lange Du stehst)
Hier gibt es ihn wirklich, den abendlichen Blick. Nicht mal überlaufen.
Hier gibt es ihn wirklich, den abendlichen Blick. Nicht mal überlaufen.

Wir sind geneigt, morgen schon zurück nach Fontaine-de-Vaucluse zu fahren und nur noch Tagestouren zu machen, die Hitze ist nur erträglich, wenn man abends einen schönen Platz mit viel Wasserrauschen hat. Mal sehen, was der Morgen bringt (und nein, ich find’s immer noch toll und ich weiß, daß wir selbst ein Teil der touristischen Meute sind. Aber der Tag war anstrengend).

Ein Kommentar

  1. schickes Posing im Kirchenbogen. Bist du das Schatzi?
    Ich freu mich inzwischen auf unsere Bretagnetour. Die Abfahrt haben wir auf nach dem Wochenende verschoben, in der Hoffnung, dass wir nicht bei 40 Grad (ohne Klima!) in unserer emma zerfließen müssen. Außerdem hat mein Schnupfen noch etwas mehr Zeit sich zu bessern.
    Wie immer: sehr schöne Bilder (etwas fett in KB) und weiterhin gute Fahrt
    Euer Jo

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.