Alleinreisen im Wohnmobil – so großartig ist das!

Ein Gastbeitrag von isaswomo.de

Ich freue mich, heute einen Gastbeitrag von Isa vom Womoblog isaswomo.de präsentieren zu dürfen. Sie erzählt uns von ihren Erfahrungen als Alleinfahrerin in ihrem Wohnmobil „die Omi“. Vielen Dank dafür! Und ganz ehrlich, so einige Anfängerpannen kommen mir doch sehr bekannt vor … Ich sach nur Markise oder Rotlichtwomos … lest das bloß nicht alles nach!

Jetzt aber lassen wir Isa zu Wort kommen:

Hallo Ihr Lieben,

Das ist die Isa. <br>Isa fährt alleine mit ihrem Wohnmobil durch Europa.
Das ist die Isa. Isa fährt alleine mit ihrem Wohnmobil durch Europa.

zuallererst möchte ich dem ganzen Team von „Reisen aus Leidenschaft” für die Möglichkeit zu diesem Gastbeitrag danken! Ich lese so gerne bei euch mit, da freut es mich ganz besonders, heute mal ein klitzekleiner Teil vom ganzen zu sein.

Ach so, ich bin übrigens Isa, ich lebe in Dortmund und habe vor einigen Jahren beschlossen, dass genau jetzt der richtige Zeitpunkt ist, meinen absoluten Traum zu leben. Nach vielen „miesen” Jahren und meiner Berentung 2008 mit 24 Jahren, musste sich dringend etwas ändern! So hab ich mir einen Traum erfüllt, und fahre seit ein paar Jahren, allein mit dem Wohnmobil und meiner Hündin Milla durch Europa. Wie es so ist, als Mädel allein durch die Welt zu tuckern und warum ich der Meinung bin, jeder sollte mal alleine campen, berichte ich euch heute hier.

Wie war’s am Anfang?

Als ich vor einigen Jahren mit diesem ganzen Thema angefangen habe, hatte ich absolut keine Ahnung vom Campen, von Wohnmobilen, von Stell- oder Campingplätzen. So kam es natürlich dazu, dass mir anfangs unheimlich viele Fehler unterlaufen sind, bzw. ich vor ganz neuen „Herausforderungen” stand. Ich weiß noch genau, meine aller-allererste Tour ging von Dortmund aus zum Stellplatz am Möhnesee, ca. 1 Stunde Fahrtzeit 🙂

Da wir aber gerade mal Anfang Februar hatten, und ich mit vor lauter Aufregung auch nicht den Stellplatzatlas genau angesehen habe, stand ich irgendwann vor dem geschlossenen Stellplatz in Körbecke. Darum blieb mir nichts anderes übrig, als mir einen anderen Flecken zu suchen und so stand ich also auf einem kleinen Parkplatz mehr oder weniger frei. Meine 2 Gießkannenladungen Wasser waren natürlich auch viel zu wenig, um überhaut nur einen Tropfen Wasser, nach Füllung der leeren Leitungen und des Boilers, aus dem Hahn zu bekommen, mein Handy Ladekabel passte nicht in die „Steckdose”, ich hatte nur eine zusätzlich eingepackte Flasche Leitungswasser und mein Hund kam anfangs mit dieser ganzen Wohnmobil-Situation gar nicht zurecht und hockte stundenlang, vollkommen panisch unter dem Tisch. Juhu, der perfekte Start in meinen Wohnmobiltraum …!

Und trotzdem saß ich abends bei einer Dose Ravioli in dem Wohnmobil, hatte ein Kerzchen an, der Laptop lief, samt einem guten Film und den Sekt hatte ich zumindest nicht vergessen. Selten gab es Momente, in denen ich so extrem davon überzeugt war, dass eine große Entscheidung richtig war.

In den kommenden Wochen fuhr ich immer wieder los, durch meine Berentung habe ich natürlich auch sehr viel Zeit. um das Wohnmobil häufig zu nutzen. Von Tour zu Tour kam ich immer besser zurecht. Nichtdestotrotz gab es natürlich anfangs fast täglich große und kleine Missgeschicke im Umgang mit dem Wohnmobil.

An einem Tag habe ich zum Beispiel den Schlauch zum Wasserfüllen nicht richtig befestigt, so das er natürlich aus dem Wassertank sprang und mit voller Power durch das gesamte Fahrerhaus „tanzte”, oder ich hatte vergessen, das die Womo-Stufe eingeklappt war und fiel morgens lang und mit ganz schlechten Haltungsnoten aus dem Womo! Ich wusste beim erstenmal Markise nutzen auch nicht, dass so eine Markise in der vorderen Leiste Standbeine hat, und war vollkommen davon überzeugt, dass ich eine ganz spezielle, Spezial-Supermarkise habe, die extra so schräg nach unten hängt um mich besser vor dem Wind oben in Büsum zu schützen. So lag ich also gaaaaanz cool mit meiner Sonnenbrille, Getränk und Zeitschrift unter meiner Markise und schaute mir meine Womonachbarn an … ich muss es leider nochmal betonen … gaaaaaaaaaaanz cool, gaaaaaaaanz extreeeeeem cool, bis schließlich irgendwann ein Nachbar kam und nur meinte, wenn Du das noch lange so lässt, bricht die Markiese irgendwann ab… 🙂 Peinlich, peinlich, peinlich!

Ein typischer Womo-Nachmittag an der Alster.
Ein typischer Womo-Nachmittag an der Alster.

Ich glaube ich hätte noch etlicher solcher Geschichten auf Lager und will damit nur sagen … ja, es ist anfangs absolut nicht alles perfekt gelaufen, aber meist konnte ich gut über mich selber lachen, und jedes Missgeschick hat mich einen kleinen Schritt weiter gebracht.

Wie war die erste große Tour?

Im Juni sollte es dann zur ersten großen Tour ins Ausland gehen. Eigentlich wollte ich gar nicht unbedingt durch Frankreich und Spanien tuckern, aber ein guter Womo-Bekannter hatte diese Tour schon lange geplant und fragte mich, ob ich mich nicht anschließen wolle. Da er sich mit dem ganzen Thema Camping/Womo schon viel besser auskannte, habe ich sein Angebot angenommen, so war ich auf meiner ersten langen Auslandstour nicht ganz allein.

Nach langen Vorbereitungen sollte es Dienstagsmorgens endlich gemeinsam los gehen, also er mit seinem Womo und ich mit meinem. Leider bekam ich Montagsabends noch eine SMS, er würde doch nicht fahren, tät ihm leid, ich soll allein lostuckern. Nachdem ich die ersten Minuten geschockt und heulend zuhause saß, stand allerdings relativ schnell fest, ok, das Womo ist komplett gepackt, alles ist fertig, dann fahre ich halt morgen allein los in Richtung Frankreich!

So startete am nächsten Tag eine knapp dreimonatige Frankreich und Nordspanien-Tour. Immer am Atlantik entlang … Ich sag es ganz ehrlich, die ersten Tage waren extrem bescheiden, das Wetter war mehr als mies, ich spreche kaum drei Wörter Französisch und weil alles so ganz anders geplant war, kam ich irgendwie so gar nicht klar. Doch wenige Tage später kam endlich die Sonne raus, ich lernte immer mehr tolle Orte und Menschen kennen, ich kam mit den französischen Straßen und ihren „Zickzack-Hubbeln” besser klar und konnte von Tag zu Tag besser entspannen.

Insgesamt waren es 3 tolle Monate die ich nie vergessen werde und die mir ganz klar gezeigt haben: ich komme, ganz egal wo ich bin, im großen und ganzen zurecht, ich kann mich auf mich und meinen Körper verlassen und mit jedem Problem das gelöst wurde, bekam ich mehr Mut und Selbstbewusstsein.

Mimizan in Frankreich, zwischen Stellplatz und Meer.
Mimizan in Frankreich, zwischen Stellplatz und Meer.

In den vergangenen drei Jahren war ich, abgesehen von den vielen, vielen kleinen Touren durch Deutschland, Holland oder Belgien und der ersten langen Frankreich/Spanien Tour, knapp vier Monate allein mit Milla in Schweden (Schweden ist übrigens meiner Meinung nach das aller, allerbeste und tollste (Wohnmobil-)Land), drei Monate in Spanien und im vergangenen Sommer bin ich knapp drei Monate an einem Stück durch Deutschland gefahren.

Auf dieser Deutschland-Tour hab ich Ecken entdeckt, die so wunderschön sind, und bei vielen Womo-Touristen noch gar nicht so „auf dem Schirm”, dass ich auf jeden Fall sagen kann, es muss nicht immer das Ausland sein (mein Deutschland-Top-Tipp: der Spreewald!). Aber gut, das ist ein anderes Thema…

Schweden, ein Kapitel für sich
Schweden, ein Kapitel für sich

Ich bin absolut davon überzeugt, dass eigentlich jeder mal einen Camping bzw. Wohnmobilurlaub alleine verbringen sollte. natürlich sag ich auch, wenn man wirklich richtige Angst hat z. B. das Wohnmobil allein zu fahren, dann sollte man es auch lassen, denn wer richtig Panik bekommt, der macht früher oder später Fehler. Dann gibt es noch Menschen die einfach nicht alleine sein können … die brauchen zuhause am besten immer jemanden um sich, und ist gerade die Familie nicht greifbar, sind es aber Freunde oder Verwandte. Auch für diesen speziellen Kreis ist das Alleinfahren vielleicht auch nicht das Richtige, aber alle anderen Menschen sollten sich hin und wieder mal ein paar Alleinfahrertage gönnen.

Wirklich!!!

Ich genieße diese Zeit immer sehr … Wenn ich alleine unterwegs bin, dann kann ich komplett abschalten und einfach nur das machen, wozu mir in diesem Moment ist! Das klingt so öde, aber das ist es nicht! Ich alleine kann z.B. bestimmen, wenn ich morgens um 5 Uhr wach werde und das Gefühl habe, schon ausgeschlafen zu sein, dann steh ich auf, schmeiß den Jogger über und sitze, samt meiner Kaffeetasse 2 Stunden, ohne ein Wort zu sagen, auf einer Bank am Meer und genieße die Ruhe!

Keine Erklärungen, kein „wohin gehst Du?“, kein „wann bist du zurück?“, kein „holst du Brötchen…“, und wenn ich Lust habe, den ganzen Tag im Womo zu sitzen, zu lesen, zu stricken oder TV zu schauen, selbst wenn draußen die Sonne scheint … ja dann mache ich auch das.

Alleine am frühen Morgen in Norddeich
Alleine am frühen Morgen in Norddeich

Abgesehen von der Entspannung ist allein zu Reisen aber auch wirklich toll für das „Selbstbewusstsein“! Wenn ihr allein unterwegs seit, ist da kein anderer der mal eben bei kleinen Problemchen einspringt. Ihr seid für euch und eure Problemchen ganz allein verantwortlich und ich denke jeder kennt das Gefühl wenn man sich in Dinge wirklich eindenken muss, wenn man tüfteln und hin und her versuchen muss. Wenn man es dann aber geschafft hat, hat man dieses unheimlich gute „JAAAA ICH HABS GEPACKT”-Gefühl. Genau solche Erfahrungen steigern das Selbstbewusstsein echt ungemein, das ist so einbisschen wie Doping in eigener Sache 🙂

Alleine zu reisen gibt einem die Chance, extrem rücksichtlos zu sein, ohne jemandem weh zu tun, keine Absprachen, keine Rechtfertigungen und vorallem kein Zeitdruck! Es kommt einfach ganz schnell eine absolute Ruhe und Entspannung auf, die man Zuhause nicht hat. Sobald ich den Motor von „der Omi” anschmeiße geht mein Puls runter und ich tucker in aller Ruhe vor mich hin, bis ich ganz entspannt am Ziel ankomme.

Und die Risiken?

Jaaaaa, eines stimmt allerdings, fahre ich auf einen Stellplatz auf sorgt man als alleinfahrende Frau immer erst ein bisschen für Aufsehen. Dass eine Frau allein mit dem Wohnmobil unterwegs ist, ist einfach noch nicht alltäglich. Aber „diese Blicke” sind zu 99 % nicht böse gemeint, sondern eher sowas wie „Neugierde” würde ich sagen, die meisten Leute finden es sogar sehr gut, wenn man auch alleine tourt. Eine Sache gebe ich in dieser Hinsicht aber noch als kleinen Tipp … egal wie freundlich man von den meisten Leuten „empfangen wird“, gerade als Mädel sollte man erst immer etwas ruhig und ich nenne es mal „besonnen” auftreten.

Es ist einfach so, dass in manchen (alten) Köpfen alleinreisende Frauen im Wohnmobil schnell in die „Erotik-Ecke” geschoben werden. Bevor wir Mädels da in eine Richtung gedrängt werden, die wir absolut gar nicht bezwecken, ist es gerade auf einem neuen Stellplatz immer gut, „den Ball erstmal etwas flach zu halten” … Aber bis auf dieses kleine Minderheit an Leuten, hatte ich noch nie irgendwelche großen Probleme.

Ganz wichtig ist dabei aber auch unser aller „Bauchgefühl”. Abgesehen von Schweden stehe ich z. B. eigentlich nie frei. Natürlich muss das jeder für sich entscheiden, aber eins steht generell fest, sobald ich irgendwie kein gutes Bauchgefühl habe, bleibe ich nicht an dem Ort stehen. Selbst Stellplätze habe ich schon gewechselt, weil ich einfach kein richtig gutes Gefühl hatte. Bisher bin ich so auch immer gut gefahren und in 3 Jahren Womo gab es keine
Zwischenfälle!

Einfach mal ausprobieren?

Ich kann nur jedem empfehlen, versucht es doch mal, campt, tourt, reist allein! Selbst wenn es nur hin und wieder mal ein Wochenende, gar nicht weit weg ist. Ich bin mir ganz, ganz sicher, viele von euch werden auf den Geschmack kommen, und nach diesen Tagen kommt ihr wieder zurück nach Hause, seit entspannt, gelassen und freut euch wieder auf eure Lieben.

Testet es doch einfach mal aus … Alleinereisen ist für Herz und Seele, wie Panacotta mit Erdbeeren für Bauch und Geschmack! 🙂

Wenn ihr mehr über mich, mein Leben und meine Reisen sucht, noch weitere Campingtipps, Stellplatzbewertungen oder den letzten Schubs zum „Alleinreisentraum erfüllen” sucht, dann schaut doch mal auf meiner Seite, www.isaswomo.de vorbei.

Ich würde mich freuen wenn wir uns ganz bald wieder lesen,

liebe Grüße und bleibt gesund!
Eure Isa

Und da ist sie schon wieder auf dem Weg. Danke + tschüss Isa!
Und da ist sie schon wieder auf dem Weg. Danke + tschüss Isa!

2 Gedanken zu “Alleinreisen im Wohnmobil – so großartig ist das!

  1. Hallo Isa,
    ein toller Bericht, welcher meine bisherige Sicht ein wenig korrigiert. Hatte ich doch bei alleinreisenden Wohnmobilisten oder Wohnmobilistinnen bisher stets ein Gefühl des Bedauerns im Bauch, weil sie ja eben allein reisen mussten, so werde ich wohl in Zukunft immer dann an deinen Bericht hier denken und wissen, dass deren Spass am mobilen Reisen dem unseren in mancher Hinsicht sogar überlegen ist.

    Liebe Grüße
    Rolf

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