Überraschungen am Wegesrand in der Picardie

Meine Güte, jetzt sind wir schon wieder zuhause in Köln, und die letzten drei Tage waren so von Eindrücken vollgepackt, daß ich mal schauen muß, was ich für Euch raussuche …

Wir starteten Neujahr von Soissons aus Richtung Noyon, wo die nächste gotische Kathedrale auf uns wartete. Das Wetter war nur solala, der blaue Himmel hatte sich weitestgehend verabschiedet, und die Temperaturen gingen auch etwas runter. Aber trocken von oben und Pösslchens Boilerventil blieb zu – was braucht man mehr? Der Wohnmobil-Stellplatz in Noyon, hauptsächlich eine VE-Station, wo man hätte parken können, ziemlich abseits vom Zentrum, sagte uns nicht zu, so daß wir gleich mit Pösslchen zur Kathedrale weiterrollten. Und auch hier wieder: wow. Hier erwartete uns das „vollständigste und am besten erhaltene Kathedralenviertel von Nordfrankreich“, mit Kanonikerhäusern, Refektorium, Bibliothek, usw.

Pösslchen mag ja solche Parkplätze … 
Pösslchen mag ja solche Parkplätze …

Die Kathedrale selbst ist zwar „nur“ frühgotisch, also noch nicht so ausgefeilt mit dem Streben in die Höhe, aber extrem kontrastreich in Farbe und Form. Zum Teil sieht man noch Farbreste und viele Schlußsteine in den Gewölben sind allerfeinst skulptural ausgeführt.

So langsam mußten wir uns aber einen Platz für die Nacht suchen, und so zogen wir weiter Richtung Compiègne. Die älteren unter uns haben dabei die Assoziation eines Eisenbahnwaggons in einem Wald, in dem der Erste Weltkrieg de facto beendet wurde. Die zu dem Wald gehörige Stadt sagte uns wieder einmal gar nichts – ein echtes Fundstück am Wegesrand, das wir nicht geplant hatten. Eigentlich wollte ich mal einen Blick auf diesen Waggon werfen (daraus wurde nichts), aber die Stadt selbst hat es uns wirlich angetan. Eine angenehme Größe von 40.000 Einwohnern, nette Einkaufsstraßen, und, wer hätte das gedacht: „eins der drei wichtigsten königlichen und kaiserlichen Residenzen Frankreichs und ist die größte ihres Baustils“. Also eine hochimperiale Residenzstadt mit riesigem Park, Theater, Kirchen, aber alles in einem Radius, den man schön zu Fuß abgehen kann.

Pösslchen platzierte sich auf dem großen Parkplatz am Fluß.
Pösslchen platzierte sich auf dem großen Parkplatz am Fluß.

Am Fluß liegen allerlei Hausboote  und es fährt sogar gelegentlich mal ein Schiff vorbei. Der langgestreckte Parkplatz dort ist der perfekte Übernachtungsplatz für Pösslchen. Zwar kein offizieller Stellplatz, aber gebührenfrei und ohne Einschränkungen. Vom Licht her leider schon etwas dunkel, aber wir sehen genug, um die Stadt auf die Liste „Hier müssen wir im Frühling noch mal mit dem Fahrrad hin“ zu setzen. Den Park mit dem Fahrrad abzufahren, die Aisne runter bis auf die besagte Waldlichtung, das muß großartig sein. Diesmal war es uns zu dunkel und kalt.

Samstag ging es dann Richtung Laon, die letzte Kathedrale auf unserem Weg. Allerdings hatte ich mir in Soissons in einem Museum einen Flyer eingesammelt, der eine schöne Burg zeigte, die nur knapp neben der Strecke lag. Nehmen wir doch mit … Wir schlängeln und so die Straße in das Dörfchen Pierrefond hinauf und wieder hinab, und spinxen neugierig ins Tal herunter: na, wo liegt denn die Burg da unten? Nächste Kurve: Peng. Wow. Ein Riesenkasten, vollständig erhalten, dominiert das Tal.

Da biegt man nichtsahnend um die Ecke …
Da biegt man nichtsahnend um die Ecke …

Die Besichtigung zeigt, daß wir es mit einer romantischen „Ideal-“Rekonstruktion einer mittelalterlichen Burg aus dem 19. Jahrhundert zu tun haben – also in etwa der Stil zwischen Schloss Drachenburg im Siebengebirge, Schloss Neuschwanstein und dem Kölner Dom, bezahlt zum großen Teil aus der Privatschatulle von Napoleon III. (woher der die Knete wieder hatte, keine Ahnung). Der Architekt Viollet-le-Duc war einer der wichtigsten Architekten und Restauratoren mittelalterlicher Bauten in Frankreich zu seiner Zeit, jedoch durchaus nicht unumstritten.

Pösslchen war wieder froh. Im Sommer sieht das hier vermutlich aus wie in Neuschwanstein.
Pösslchen war wieder froh und breitete sich aus. Im Sommer sieht das hier vermutlich aus wie in Neuschwanstein.

Letztes Ziel vor der unvermeidlichen Heimfahrt am Sonntag war dann Laon, wo uns eine völlig andere gotische Kathedrale erwartete … und ein Stellplatz mit perfektem Blick auf selbige. Aber das mute ich Euch heute nicht mehr zu …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *