Mit dem Wohnmobil auf der Vogesenkammstraße Route des Crêtes

Nachdem uns ein blütenreiches und schnuckliges Colmar im Elsaß mit seinem gelungenen Stellplatz ein schönes Wochenende beschert hatte, merkten wir, daß gar nicht so viele Tage auf der Route des Crêtes übrig blieben, deshalb haben wir uns den Rest von der Weinstraße geknickt und sind via Cernay im Süden direkt in diese beliebte Panoramastrecke eingestiegen. Die meisten Beschreibungen fangen im Norden an, aber wir schlängelten uns von unten rauf, um dann nach Norden wieder in Richtung Heimat zu fahren. Wir stellen uns auf zahlreiche Radler und die üblichen lebensmüden Motorradfahrer ein, die uns in den Kurven mit dem Kopf auf Stoßstangenhöhe auf unserer Straßenseite liegend entgegenkommen.

Hartmanswillerkopf Infotafel
Das mit den Handgranaten ist ernstgemeint. Nicht mehr ganz so schnucklige Seite des Elsass

Aber zunächst gurkte Pösslchen ganz entspannt im dritten Gang die gemütlichen Serpentinen hoch und wir legten den ersten Stopp am Hartmannsweilerkopf ein, das sich nahtlos in unsere Reihe „sinnlose Abschlachtstätten des Ersten Weltkrieges“ einordnet. Hier standen sich Deutsche und Franzosen jahrelang auf 20 Meter Entfernung gegenüber, es starben mehr als 30.000 Menschen. Einen ausführlichen Artikel zum Thema habe ich bei Deutschlandradio gefunden: Nie wieder Menschenfresserberg.

Hartmanswillerkopf Gedenkstätte Krypta
Durch einen ehemaligen Schützengraben geht es in die Krypta des Beinhauses.

Wir haben das Privileg, den Berg durch einen ziemlich genau 100 Jahre alten Wald – nach dem Krieg wuchs hier kein Gras mehr, und der Wald hat sich wild entwickelt – zu besteigen. Die Empfindungen sind ähnlich denen damals in Verdun. 2017 wird hier das erste deutsch-französische Museumsprojekt eröffnet, die Fundamente stehen schon.

Hartmanswillerkopf Johann Albrecht Graben
Johann-Albrecht-Graben. Ein paar Meter weiter rechts und Du bist auf der französischen Seite.

Nach dieser kleinen Wanderung auf den Gipfel geht es weiter zum Grand Ballon, wo eine Abhörstation  Radarstation für den zivilen Flugverkehr den Gipfel ziert. Das Wetter ist leider noch etwas diesig, aber man sieht immerhin bis zum Feldberg im Schwarzwald, der sich im Osten am Horizont erstreckt.

Gran Ballon Vogesenkammstraße
Die Radarstation hat auch eine Aussichtsplattform. Also bestimmt nichts Geheimes hier.
Grand Ballon Vogesen Kammstraße
Blick über Blaubeeren bis in den Schwarzwald

Hier am Grand Ballon gibt es schon eine gewisse Tendenz unter Reisemobilisten, sich ein Eckchen auf dem weitäufigen Parkplatz zu suchen und zu übernachten. Scheint auch kein größeres Problem zu sein, ein kleiner Kastenwagen hat sich sogar einen Feldweg in die Wiese gesucht und steht ganz abseits. Unser Ziel für die zwei nächsten Nächte ist jedoch Markstein, von wo aus wir uns eine Wanderung ausgeguckt haben.

Der Markstein – es handelt sich bei dieser Ansammlung von Ski-Infrastruktur sogar um einen echten Ort, wie wir lernten – ist tagsüber beliebt bei Motorradtouristen, Radlern und Familien, die die Restaurants und die Sommerrodelbahn belagern. Hier gibt es Flammkuchen und Crêpes und einen großen Parkplatz, der sich abends leert, bis auf eine kleine Gruppe von Wohnmobilen.

Der nächste Morgen und alle folgenden Tage brachte uns den blauesten Himmel dieses Sommers. Blick bis zu den Alpen, die wir am Abend zuvor gar nicht wahrgenommen hatten. Die Wanderung führte uns zunächst knapp 200 Höhenmeter zum Lac du Lauch, einem kleinen Stausee unterhalb des Marksteins, und dann zunächst steil, dann wieder gemächlich zurück. Streckenweise anstrengend, aber abwechlungsreich und voller alpiner Tiere und Pflanzen. Es hat sich für uns bewährt, für Tageswanderungen zwei Übernachtungen am Start- und Zielort einzuplanen, so daß man früh los kann und danach gut relaxen, ohne gleich wieder hinters Steuer zu müssen.

Der Mittwoch war dem Rest der Route des Crètes gewidmet – keine größeren Wanderungen mehr, aber Pösslchen krabbelte mutig bis zum Hohneck (1363 m) hoch, wo es den echten Rundum-Panoramablick über die Vogesen gibt. Grandios. Hier ist Übernachten übrigens esxplizit verboten, es handelt sich um Privatgrund und der größere Parkplatz ist abgedengelt. Die einzige Stelle übrigens, anderswo – z.B. an den zahlreichen Ferme/Auberges – sind Wohnmobilisten explizit willkommen. Dennoch lohnt sich die Auffahrt oder eine Wanderung hinauf, der Blick ist einmalig.

Überall auf der Strecke nach Norden öffneten sich neue Blicke und / oder Stellen, von denen man am liebsten gleich losgewandert wäre. Die eigentliche „Kamm“strecke im klassischen Sinne, wo man auf beide Seiten runterschauen kann, ist dabei nicht sehr lang, aber trotzdem würden wir diese Strecke gerne noch mal von Norden nach Süden befahren und mehr Zeit für Tageswanderungen an verschiedenen Einstiegsstellen einplanen.

Der Abend belohnt uns nach zwei Freistehtagen mit einem Camping Municipal vom Feinsten in Kaysersberg, von wo aus es morgen schon Richtung Heimat geht. Naja fast, eigentlich natürlich in die verbotene Stadt zum Caravan Salon.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.