Normandie-Highlight Étretat mit Küsten-Wanderung

Wir beschließen, die europäischen Touri-Highlights jetzt immer im Winter heimzusuchen. Das ist das einzig Wahre – man mag sich nicht vorstellen, wie Étretat, eines der beliebtesten Ziele an der Normandieküste, im Sommer aussieht. Selbst heute, an Silvester, ist es zumindest sehr belebt, aber noch gut erträglich. Der kleine Küstenort ist rechts und links von den bekannten Felsformationen eingekesselt, so daß es diesmal keinerlei Platz für Stellplätze am Meer gibt. Topographisch ist hier also kaum was zu machen, man möchte in dem engen Tal aber auch gar nicht durch die schmalen Gassen Richtung Strand runter fahren. Der Wohnmobilstellplatz liegt also ca. 1 km entfernt am landseitigen Ortseingang, direkt neben dem Camping Municipal, der natürlich im Winter geschlossen hat. Abgesehen davon ist das häufigste Verkehrsschild in Étretat das mit dem großen roten Kreis um das kleine süße Wohnmobil. Pösslchen kriegt schon richtige Beklemmungen.

Etretat Normandie Strand
Es ist schmaler, als es hier aussieht. Sorry für das schlampige Panorama.

Wir laufen also nach einigen Stunden Überland-Fahrt von Dieppe erst mal den Kilometer ins Städtchen und  zum Strand, wo gerade Ebbe herrscht (wie immer, wenn wir kommen) – was hier aber bedeutet, daß wir nach einem kurzen Check des Gezeitenkalenders trockenen Fußes über kalkige Felsformationen bis zum Trou à l’homme laufen können, eine Höhle, wo man sogar noch durch einen Tunnel eine weitere Bucht erreichen kann. Da der Nachmittag schon fortgeschritten war und das Tageslicht zur Neige ging, war uns jedoch nicht so recht nach einer Wanderung durch einen dunklen Tunnel. Meine „Seestücke“ sind heute übrigens alle in Schwarzweiß, so als finaler Beitrag zu diesem verkorksten Jahr. Der Himmel hier ist nach wie vor von wolkenloser Bläue.

Etretat Flut Ebbe Strand
Sehr einladend. Die Flut dauert ja auch nur gut 6 Stunden, also keine Panik!!! im Trou à l’homme
Etretat Küste: Weißer Stein am Strand
Fester Untergrund oder Kieselsteine am Strand

Der Silvester-Samstag dann aber einer „richtigen“ Wanderung gewidmet. Wäre doch gelacht, wenn wir dieses 2016 nicht ausgeschwitzt kriegen. Also Baguette und Käse in den Rucksack und der Rundwanderung Nr. 4 von Ralf Nestmeyer gefolgt. Zunächst geht es steil bergauf auf die Porte d’Aval, dann entlang der Steilküste via Mannaporte und weiter bis zum Leuchtturm unterhalb von Jumel. Die Beschreibung ist gut brauchbar, selbst Ray bleibt entspannt und zieht nur selten seine OSM-Navi zur Kontrolle raus. Zumindest im ersten Teil kann man sich aber auch nicht verlaufen, wenn rechts immer das Meer brandet und am Horizont ein Leuchtturm als Zielvorgabe aufragt. Zweimal geht es runter zum Meer und wieder hoch, einen Strand haben wir ganz für uns – wenn man die beiden Felsenattraktionen erst mal hinter sich gelassen hat, ist man beinahe allein auf dem Wanderweg.

Normandie Etretat Wanderung
Blick auf die Bucht mit Fischerboot
Normandie Etretat Wanderung Golfplatz
Zu Beginn noch einige Wanderer
Normandie Etretat Manneporte
Manneporte
Etretat Wanderung Normandie
Der Wanderer über dem Nebelmeer? Nebel war aber schon weg.

 

Als wir den Küstenpfad Richtung Leuchtturm verlassen, leuchtet uns der perfekte Stellplatz ins Auge:

Normandie Leuchtturm Etretat Jumel Wanderung
Vergeßt es, wenn Ihr Respekt vor eineindeutigen Womo-Sperrschildern habt. Und: Es war ein Offroader, den man hier vermutlich auch braucht (Aber ein Traumplatz, oder?)

So klassisch-bescheiden das Womo von oben auch aussieht, es ist ein echter Traum: Nagelneuer Landrover mit schlichtem, aber qualitätsvollen Alkoven-Aufbau. Sehr fein. Nachdem wir das gute Stück gebührend von allen Seiten bewundert hatten, zogen wir weiter ins Landesinnere, von wo aus nun eher Wald und Feld den Rückweg prägten. Nestmeyers Wegbeschreibung „am Maisfeld links ab“, über die wir uns zunächst lustig machten, war auch im Winter noch brauchbar. Es geht durch Wald und Wiese; auf der Hochebene zurück, muß eine kleine Picknickpause her, bis die langen Schatten uns einholen und die Finger schlagartig einfrieren. Der Rest des Wegs geht dann flott über Valaise wieder zurück nach Étretat, wo wir uns noch mit den leckeren französischen Feiertags-Küchlein versorgen. Und weil Ihr so lange durchgehalten habt, zeigen wir Euch diese zum Abschluß auch in Farbe: 

Frankreich Kuchen
njam.

So, und jetzt laßt alle uns gesund rüberkommen und was Gutes draus machen.

Was meinst Du?

Was meinst Du…?