Normandie links der Seine mit dem Wohnmobil entdecken

Le Havre oder nicht Le Havre, das ist hier die Frage! Wir machen einen Kompromiss: Am Neujahrsmorgen fahren wir von Étretat los und dann gemütlich durch die Hafenstadt. Hafentechnisch hat Ray dann was gesehen, und architektonisch – eine Nachkriegs-Planstadt aus einem Guss von einem Architekten – haben wir auch einen Eindruck, ob wir mehr davon wollen. Gute Entscheidung! Architektonisch ist das sicher ganz interessant, aber nicht unbedingt etwas, wo man im Winter stundenlang durchspazieren muss.

Leider zieht sich auch das Wetter hier oben etwas zu, so dass wir die fantastische Pont de Normandie, die größte Schrägseilbrücke Europas, nur im diesigen Grau überqueren. Pösslchen meint, sie sei dennoch jeden Cent des Brückenzolls wert gewesen, und wer sind wir, daß wir da widersprechen? Damit Ihr einen besseren Eindruck bekommt, hier ein Foto von Wikimedia Commons:

Pont de Normandie Foto: Citron / CC-BY-SA-3.0
Pont de Normandie. Foto: Citron / CC-BY-SA-3.0

Eigentliches Zwischenziel war Honfleur, das wir je nach Stimmung als Übernachtungs- oder Durchreisepunkt ausgeguckt hatten. Hinter der Brücke – auf der anderen Seite der Seinemündung – waren wir nun schon in Calvados. Klingt gleich nach einer ganz anderen Gegend, ist es auch: Das Hafenstädchen Honfleur ist völlig anders als die Städtchen an der Alabasterküste. Das alte Hafenbecken ein bekanntes Künstlermotiv, zahlreiche (geöffnete!) Lokale und Lädchen zum Stöbern, und eine hochinteressante Kirche aus Holz, gebaut von Schiffszimmerern nach dem Hundertjährigen Krieg – als die Steine eher für Stadtbefestigungen draufgingen und die Kirchen sich hinten anstellen mußten. Und zu allem Überfluss gab es noch einen schnuckeligen Neujahrs-Flohmarkt rund um die Kirche obendrauf.

Normandie Calvados Honfleur Hafenbecken
Künstlermotiv Hafenbecken
Holzkirche in Honfleur, Normandie Calvados
Holzkirche mit Flohmarkt

Alles in allem also ein Ort, der zum Aufenthalt einlädt und den – Trommelwirbel – den Wohnmobilstellplatz Honfleur mit sage und schreibe 240 (zweihundertvierzig!) Plätzen rechtfertigt. Und die waren sogar heute an Neujahr recht gut ausgelastet. Die zentrale Lage am Hafen ist ganz nett, es gäbe sogar Strom, aber der Platz selbst (11 Euro die Nacht) war uns dann doch etwas zu … naja, überdimensioniert. Selbst in Dieppe war der Platz nur ein Viertel so groß, und das war schon groß, aber die Stimmung trotz Parkplatzatmosphäre geradezu familiär im Vergleich.

Wohnmobilstellplatz Honfleur Calvados Normandie
Eine kurze Fahrt über den Platz …
Wohnmobilstellplatz Honfleur Calvados Normandie
Nur ein winziger Ausschnitt
Normandie Calvados Lecker Essen
Les Galettes Sarrasin
Normandie Calvados Honfleur Wohnmobil
Ein Cidre in Calvados muß sein.

Wir genossen also einen Cidré Rosé und ein schmackhaftes Crèpe in einem der Cafés rund um den Hafen und machten uns dann weiter auf den Weg die Seine hinauf Richtung Rouen. Dort fanden wir in Jumièges, einem kleinen Dorf mit überdimensionierter Abteiruine, einen kostenlosen, einfachen Platz, den wir uns in der Nacht nur mit einem schwarzen Pössl teilten. Entsorgung Chemie + Wasser OK, Strom + Wasser nur in der Saison gegen Jetons. Ansonsten einfach ein Parkplatz am Straßenrand mit Blick auf die Abteiruine und ins Grüne. Morgens kleiner Dorfverkehr zur (übrigens kostenlosen!) Seinefähre herunter. Im Sommer dürfte man sich den Platz auch mit Bussen und PKW teilen, denn die Ruine wird sicher stark frequentiert, wie man hörte, sogar von den Gruppen der Kreuzfahrtschiffe, die in Le Havre anlegen.

Etwas schlammig an dem Morgen, aber eigentlich eher so Schotter.
Normandie Wohnmobil Stellplatz Jumièges
VE auf dem Stellplatz: Einfach aber reicht.

In Jumièges hören wir es morgens aufs Pösslchendach tröpfeln und richten uns schon auf einen fiesen Tag ein. Zu den tiefhängenden Wolken also auch noch Regen, das war’s dann wohl mit dem schönen Normandie-Wetter. Vielleicht aber auch unser Ruinen-Schicksal, schon damals in der Toskana war’s bewölkt und regnerisch. Aber weit gefehlt, 2017 meint es noch gut mit uns. Nach dem Frühstück machen wir uns bei bedecktem Himmel auf Richtung Abtei, und im Laufe unserer Fotosession bricht der Himmel grandios auf – bis hin zu dem beinahe wolkenlosen Blau der letzten Tage. Meine Augen kriegen nicht genug davon.

Die Ruine stammt von einer der größten Klöster Frankreichs, einer Benediktinerabtei, die schon nach den Religionskriegen einen Niedergang erfuhr, und während der französischen Revolution und Säkularisierung dann vollends dicht machen mußte – inklusive Karriere als Steinbruch. Erst die Romantik des 19. Jahrhunderts sowie eine reiche Familie retteten dann die Reste, so daß wir sie heute unverändert – wenn auch statisch gesichert – besichtigen können. Mit Mühe reißen wir uns los und machen uns Richtung Rouen auf, wo noch eine Kathedrale auf uns wartet.

 

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