Winterliche Atlantikküste: mit dem Wohnmobil in La Rochelle

Einige Stunden habe ich heute morgen noch gebraucht, bis ich es wirklich kapiert hatte: wir sind tatsächlich im Süden. Oder zumindest fast. Mit anderen Worten: Die Sonne wärmt am 31. Dezember richtig, das Licht ist komplett anders, die Menschen lächeln auf der Straße, man sitzt ohne Heizpilz draußen im Café und zum Glück habe ich noch was anderes als die dicke Winterjacke dabei. Das blieb zwar nicht den ganzen Tag so, aber wir tankten ordentlich auf.

Der Stellplatz, den wir uns gestern via campercontact ausgesucht hatten, liegt direkt am Beginn der vorgelagerten Insel Île de Ré, die man über eine lange Brücke erreicht. Wir blicken mit Pösslchen direkt auf den Strand (Meer ist natürlich wie immer erst mal weg, wenn es mich sieht …) und staunten am Abend, daß da tatsächlich fette Austernschalen auf dem Sand rumlagen.

Wohmobil Stellplatz La Rochelle Rivedoux auf der Île de Ré
Wohnmobil-Stellplatz in Rivedoux auf der Île de Ré

Der Stellplatz ist einem Campingplatz vorgelagert und hat einen (offenen) Schlagbaum mit Ticketspender. An der Ausfahrt ist der Schlagbaum auch auf, und die Steckdosen sind kostenlos aufgedreht. Nur bezahlen kann man die nominell 13,50 Euro nirgendwo … kein Automat, keine Madame zum Kassieren, keine Infos. Großzügig.

Die Brücke erreicht man nur mit Brückenmaut (8 Euro), so daß wir natürlich mit Pösslchen nicht mehrfach hin und herfahren. Busticket für zwei Personen hin und zurück kostet allerdings auch 10 Euro. Dafür keine Parkgebühren und Parkplatzsuche. Sonntagsmorgens fährt der komfortable Reisebus um 10:16 Uhr in die Stadt, und um 16:50 zurück auf die Insel. Wenn er vom Leuchtturm am anderen Ende der Insel kommt, ist er immerhin schon eine gute Stunde unterwegs. Wir  fahren 20 Minuten bis zum Place de Verdun und genießen die historische Innenstadt und das Hafengebiet.

Sehr hipstereske Weihnachtsdeko bei Coiffeur …
Da hatte aber jemand Heimweh …

Apropos. Ohne Heizpilz draußen im Café sitzen – es ist voll auf den Straßen und um die heilige französische Mittagszeit sind die Straßencafés voll und die Innenräume tatsächlich fast leer.

La Rochelle Wohnmobil Winter
Cidre trinkt man hier sehr bodenständig aus Keramiktassen.
Wind in La Rochelle
… aber es ist jetzt nicht so, also ob es gar keinen Wind mehr gäbe … 

Ein bißl Nachhilfe zur Geschichte La Rochelles holten wir uns im Musée des Beaux Arts, das eher so eine Art Stadtmuseum mit einer zusätzlichen kleinen Gemäldesammlung ist. Seestücke, kitschige Nackedeis in Öl auf Leinwand, Besatzungszeit, Résistance, und – ganz großes Ding hier – Kardinal Richelieu. Die Stadt ist nämlich richtig friedlich reformiert gewesen (gemeinsame Nutzung von Gotteshäusern!) und wurde dann von Richelieu und seiner Gegenreformationsarmée plattgemacht bzw. fast ein Jahr lang ausgehungert. Man liebt ihn deshalb wohl bis heute noch hier … (ok, das war jetzt die Ultrakurzversion, es gibt da noch ein paar Nuancen). Zum Ausgleich haben es die Militärs im Mai 1945 tatsächlich geschafft, die Stadt kampflos an die Alliierten zu übergeben und La Rochelle in Foge eine Zerstörung wie in Caen zu ersparen. Und dann noch was mit U-Booten und Wolfgang Petersen.

Windgenerator für Wohnmobil
Pösslchen so: haben wollen! Vorteil: Erzeugt auch Strom im Dunkeln und im Winter!

Gegen Nachmittag zieht dann doch der große Wolkenstreifen aus dem Westen über die Stadt und es nieselt etwas. Die Zeit bis zur Busrückfahrt überbrücken wir im wunderbaren Café de la Paix, das ein wenig an die Wiener oder Prager Kaffeehäuser erinnert.

Den Bus für die Rückfahrt teilen wir uns mit einer Meute junger Menschen mit Schlafsäcken und Nudelsalat, ich vermute sie wollen zum westlichsten Punkt der Insel zum Feiern. Wir „feiern“ wie immer im Pösslchen recht früh und recht schlicht, diesmal gibt es Risotto und die wunderbaren Patisserien, die natürlich echte Kunstwerke waren. Betonung auf „waren“, bevor sich beim Tragen das Verpackungsband des Kartons gelöst hatte … trotzdem lecker.

Wohnmobil La Rochelle
Der Silverstertag endet in einer kleinen Patisserie-Katastrophe.

Morgen müßte es nochmal üsseliges Wetter geben, bevor die Front endgültig durch ist. Mal sehen, wie sich die Fahrt quer durch Frankreich dann gestaltet – wir haben schon ein paar Ideen.

Ein gutes und reisevolles neues Jahr für Euch alle!

 

 

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