Nennt uns langweilig, aber letzten Januar in Südfrankreich hat uns so unglaublich viel Kraft gegeben für das, was danach kam, dass wir es dieses Jahr noch mal versucht haben. Wieder Beaune als Zwischenstopp, wieder La Ciotat als ersten Stopp – der Campingplatz ist einfach zu nice, und wir bekamen sogar denselben „Terassenplatz“, der den beiden Katern so gut gefallen hatte.
Le Ciotat – Marseille – Cassis
Weil wir uns letztes Mal direkt nach Osten gewandt hatten, gingen Cassis, Marseille und die Route de Crêtes mal eben unter, alles Ziele, die sich von La Ciotat prima erreichen lassen, mit Fahrrad oder der Küstenbahn Zou! Wettermäßig begrüßte uns die Küste etwas durchwachsener als 2025, kühler und zwischendurch Regenschauer, dazu ein kühler Wind, aber alles in allem ließ es sich aushalten (und in Deutschland klirrender Winter). Nach unserer Ankunft am Samstag machten wir uns gleich am Sonntag nach Marseille auf, um nicht Montag und/oder Dienstag vor geschlossenen Museen zu stehen, eine gute Entscheidung. Natürlich konnten wir nur ein kleines, leicht verregnetes Häppchen der Stadt mitnehmen, gerne hätte ich z.B. noch die Wohnanlagen von Le Corbusier gesehen, aber einen kleinen Eindruck haben wir dann doch bekommen. Und: das prächtige Musée des Beaux Arts kostet nicht mal Eintritt!
Ein ganz anderer Ausflug war für den nächsten Tag geplant: die Route des Crêtes verbindet Le Ciotat und Cassis über eine rund 17 km lange, wenig befahrene Passstraße, die bis auf 399 Meter hochführt und perfekt für eine E-Bike-Tour geeignet schien. Akkus nur auf 92 %, aber was soll’s, wird schon reichen … nun ja. Von Regen blieben wir weitestgehend verschont, aber der Wind blies ganz schön heftig. Aber die Blicke! Anders als erwartet fährt man nicht die ganze Zeit mit Blick aufs Meer, eher im Gegenteil, die Serpentinen ziehen sich an den Bergkuppen aber zwischendurch kann man anhalten und auf die Buchten schauen – einmal sogar gleichzeitig auf Le Ciotat und Cassis. Ganz ehrlich: zwischendurch hatte ich etwas Muffensausen. Der Akku zog sich schneller als je leer, und der Wind in Kombination mit steil abfallenden Kanten … sollten wir nicht doch lieber umkehren? Schließlich hatten wir die heftigsten Steigungen hinter uns gebracht, aber die Abfahrt nach Cassis runter (30%!!!) hatte es auch noch mal in sich. Demnächst mal Bremsen checken lassen. Die Rückfahrt hatten wir uns sowieso schon mit der Bahn überlegt, wobei der Bahnhof in Cassis wieder deutlich weiter oben liegt …
Aber erst mal Cassis: erstaunlich klein und schnucklig! Leider reichte es nicht mehr für die berühmten Calanques, aber irgendwas muss man sich ja auch fürs nächste Mal aufheben. Statt eins der vielen geöffneten Restaurants („Menu du jour 29 Euro“) am Hafenbecken zu beehren, gönnten wir uns ein Tapas-Lokal ein paar Meter weiter im Ort – sowas von köstlich und freundlich! Sehr zu empfehlen. Der „Rückweg“ dann mit wenigen Prozent im Akku drei Kilometer hoch zum Bahnhof – Gleiswechsel ohne Aufzug oder Rollstuhlrampe, also einmal die Räder runter und wieder hochtragen, kostenlos (nimm das, Deutsche Bahn!) die Fahrräder im Zug mitnehmen und in Le Ciotat dann nur noch den Berg runter. 3%, 2%, 1% … und 100 Meter vor dem Campingplatz gibt der Akku auf. Punktlandung!
Sanary-sur-Mer – Toulon
Und schon waren die ersten Tage vorbei und wir wollten diesmal unbedingt Sanary-sur-Mer sehen, aus Gründen. Eine kleine Stadt vor Toulon, die während der Zeit des Nationalsozialismus zum Fluchtort viele Intellektueller und Künstler wurde, aber auch vorher schon expressionistische Maler angezogen hatte. Die Gemälde hatten mich neugierig gemacht, und wir hatten überlegt, nur kurz anzuhalten und dann auf einen Platz in Toulon weiterzufahren. Wie so oft kämpften wir mit der Parkplatzsituation und landeten dann doch auf einem Stellplatz, den ich als „nicht so attraktiv“ eigentlich verworfen hatte. Die YMCA hat hier eine riesige Ferienanlage (im Winter fast komplett leer) und bietet zusätzlich ein paar Womo-Stellplätze an. Supersympathisches Personal, offene Duschen, Wasser am Platz, Strom … wir blieben gleich mehrere Nächte, denn auch von Sanary kann man prima mit der Bahn die Küste rauf und runter fahren. Sehr entspannt und die Katers hatten fast einen Wald für sich.
Nach Toulon am nächsten, verregneten Tag war es dann nur ein Katzensprung, im Sommer hätten wir es bequem mit dem Fahrrad geschafft. Auch hier versöhnt ein schönes Kunstmuseum mit riesiger Bibliothek (und eine nette Buchhandlung am Hafen) mit dem nassen Wetter. Die Stadt ist nicht ganz so prächtig wie Marseille, hat aber eine interessante Nachkriegsarchitektur und man merkt die Universitätsstadt – viele junge Leute und überall Street Art. Am Ende sitzen wir bei leichtem Nieselregen draußen vor einer Sandwichbude und genießen die städtische Atmosphäre.
St. Tropez
Nachdem St. Tropez uns letztes Jahr so schmählich einen Parkplatz verweigerte, wollte es ein einzelner Herr noch mal versuchen, und wir fanden einen geöffneten Campingplatz weiter draußen direkt am Plage de Pampellone in Ramatuelle, so dass wir bequem mit dem Fahrrad reinfahren konnten. Der Campingplatz war unkompliziert („installez vous“), die Sanitäranlagen werden auf P4N schon mal als „übelst aus der Zeit gefallen“ beschrieben, mich begrüßte in der Dusche ein knallgrüner Laubfrosch (kein Foto, wer nimmt schon das Handy mit zum Duschen?).
Aber St. Tropez … nun ja. Wir mögen ja die winterliche Ruhe, aber dieser Ort ist einfach nur tot. Alle Museen und die Citatelle geschlossen, Gastro (hätten wir eh nicht genutzt weil überteuert) und übertriebene Luxusläden (dito) geschlossen, nur ein kleiner Markt gab etwas Hoffnung. Es goss den Rest des Tages in Strömen und nach dem Kauf einiger (überteuerter) Lebensmittel zogen wir so bald wie möglch weiter ins finale Zielgebiet, wieder Cagnes-sur-Mer zwischen Antibes und Nizza. Nicht bevor der Herr, der unbedingt nach St. Tropez wollte, unnötigerweise noch von einer Schlingpflanze am Radweg vom Fahrrad geholt wurde. Zum Glück mit ein paar Schrammen glimpflich abgegangen.
Cagnes-sur-Mer und Umgebung
Erstaunlicherweise hatten wir denselben Platz auf dem Camping Hippodrome wie letztes Jahr, und wir könnten drauf wetten, dass auch unser Nachbar mit dem Außenteppich und Blumenschmuck derselbe war wie 2025 …
Auch hier gab es noch viele weiße Flecken kennenzulernen Cap d’Antibes und die ganzen Museen, die letztes Jahr geschlossen waren, und auch Cagnes-sur-Mer selbst ließen sich etwas intensiver erkunden. Wir wissen jetzt auch, warum das Musée Fernand Léger montags geöffnet und dienstags geschlossen ist: dies gilt wohl für alle nationalen Museen in Frankreich. Wieviele Jahre mussten vergehen, bis wir das lernen durften? Offenbar waren wir noch nicht in so vielen nationalen Museen.
Ich kann mich nicht recht entscheiden, welches Museum schöner war: Fernand Léger in Biot oder Pierre Bonnard in Le Cannet. Fernand Leger politisch und knallig, Pierre Bonnard … einfach nur Pierre Bonnard. Beide sehenswert!
Da wir eine Punktlandung zu einer Geburtstagsfeier anstrebten, ging es danach schon wieder Richtung kalten Norden. Zwischenstopps in Villefranche-sur-Mer und an der Mosel und danach ab nach Hause. Dass wir unser Pösslchen vor der Reise einmal haben durchchecken lassen, hat sich auf jeden Fall gelohnt: Er schnurrte wie unsere Kater und begleitete uns zuverlässig von Nord nach Süd und zurück.












































