Équihen-Plage – ein wenig die Küste hinauf

Eine letzte Nacht an der Küste soll es sein, wir fahren rund 80 Kilometer Richtung Opalküste hoch und landen in Équihen-Plage, einem im Großen und Ganzen eher unspektakulären Ort mit viel Wohnbebauung, aber einer sensationellen Strandlage. Der Wohmobilstellplatz ist von der Lage her Top und Flop zugleich, je nach persönlichen Prioritäten und Empfindlichkeiten: Landschaftlich ist er grandios, man blickt von der oberen Uferkante, die etwa 20 Meter auf den Strand abfällt, direkt aufs Meer, und das von durchaus mehreren Stellplätzen und nicht nur von der ersten Reihe. Einige Parzellen sind etwas versteckter und geschützter, teils Schotter, teils Wiese, zum Land hin mit dichte Gebüsch und einem niedrigen Naturzaun eingehegt. Die Einfahrt mit Schranke und etwas altertümlicher Display-Navigation ist etwas frickelig, aber wenn man die Telefonnummer wählt, ist Monsieur Platzwart in drei (!) Minuten vor Ort und startet das Gerät neu. Eine zentrale Stromsäule bietet vier Steckdosen mit Jetons (3 Euro für 4 Stunden), die man sich auch wieder unauffällig geschwisterlich teilen kann. Als wir ankommen, weht ein starker Wind, in dem sich eine große Truppe Paraglider, zum Teil mit eigenem Womo, direkt vor unserer Nase die Klippe runterstürzen (oder eher: nach oben wehen lassen). Sensationell, ein wirklich schöner Platz!

Wohnmobilstellplatz Equihen-Plage
Top-Blick aufs Meer und Paraglider
Paragliding Equihen-Plage Wohnmobilstellplatz
Sie stürzten sich bis zum Sonnenuntergang und auch im dichten Nebel noch die Klippe runter …

Nach einer Weile hört man dann dieses seltsame Geräusch aus dem Hintergrund, das je nach Platzwahl etwas lauter oder leiser vor sich hin knattert. Manchmal stoppt es auch wieder. Wenn man ihm nachgeht, entdeckt man die große runde Kläranlage direkt hinter dem Platz, in der die braune schäumende Brühe Tag und Nacht regelmäßig brummend in einem offenen Becken durchgerührt wird. OK … das muss man abkönnen, um diesen Platz zu genießen. Der Wind kam vom Meer, so dass von den Gerüchen nichts zu spüren war, das mag aber womöglich an anderen Tagen auch mal anders sein. Je nach Platzwahl ist das Geräusch störender oder weniger störend.

Der Abenteuer-Kater unternimmt an der Leine morgens und abends einen ausgiebigen Spaziergang bis zur Klippenkante (am liebsten wäre er noch runtergeklettert) und beginnt so langsam, sich seinen Spaziergang auf jedem neuen Platz einzufordern. Der Womo-Kater bleibt auch bei offener Tür unter dem Tisch sitzen und legt sich wieder hin …

Wir klettern am nächsten Morgen für eine Tour die Klippen herunter. Der Strand ist mal anders als sonst: Gemischte Landschaft aus breitem, flachen Sand mit kleineren Senken, dazwischen einzelne und aufgehäufte Felsen und Kiesel. Es ist zwar Ebbe, aber es gibt trotzdem eine schöne Brandung, und wir müssen zwischendurch ganz schön klettern, um weiterzukommen – im Sommer hätte man sich vermutlich zwischendurch einfach die Schuhe ausgezogen und wäre durch die Wasserströme gewatet. Außer vereinzelten Fossiliensammlern keine Menschen auf dieser Seite des breiten Strands.

Am Südende des Ortes beginnt eigentlich erst die große Strand- und Dünenlandschaft, die sich für eine größere Wanderung eignen würde. Wir klettern hier die Klippe wieder hinauf und landen am Campingplatz (eher so was für Mobile Homes), wo es die zweite Attraktion des Ortes zu sehen gibt: Les quilles en l’air, kleine Häuschen, deren Dächer aus umgedrehten Fischerbooten bestehen. Historisches Kulturgut und heute gleichzeitig Ferienwohnungen auf dem Campinplatz. Schnuckelig.

Equihen-Plage Schiffshäuser
„Les Quilles en l’air“ – dt. „Luftkegel“

Zurück am Stellplatz noch ein Pläuschchen mit den Platznachbarn mit BM-Kennzeichen, die letztes Jahr einmal ganz Europa umrundet haben, dann ziehen wir weiter Richtung belgische Grenze, wo wir noch einmal nächtigen wollen – an einer Schneckenfarm …

 

 

Ein Kommentar

  1. ja, den platz hatten wir auch schonmal vor zwei oder dreinjahren im frühsommer angesteuert und es war leider nichts für unser empfindliches näschen. waren dann oben in boulogne-sur-mer (der richtung wimereux) bzw. in le touquet paris-plage.
    leider hat uns die gesundheit unserer tochter dazu gezwungen, in den weihnachtsferien zu hause zu bleiben. uns war daher auch das risiko der gelbwesten bezüglich straßensperrung zu hoch ( bei akuten problemen ) nicht weg zukommen.
    habt ihr was von den gelbwesten in den küstenorten mitbekommen?
    viel spass noch. lg

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