Ostertrip Lothringen 2.0 mit dem Wohnmobil

Wie jedes Jahr zog sich der dunkle Winter lange genug, Karneval war nicht wirklich ein Reisedatum, und Ostern liegt richtig fein spät im April: das ideale Datum, um noch 2 Tage ans Wochenende dranzuhängen und einen Minitrip nach Lothringen zu unternehmen. Huch, Lothringen – das hatten wir doch letztes Jahr Ostern schon? Stimmt, aber hier gibt es noch einiges zu entdecken. Unser zeitlupenartiges Abklappern der französischen Regionen und Départements führt immer mehr dazu, dass sich Verbindungslinien schließen und wir hier und da sogar an einer Kreuzung stehen und sagen: huch, hier sind wir auch schon mal langekommen, aber aus der anderen Richtung. Dieses Mal haben wir uns den regionalen Naturpark Lorraine vorgenommen, der etwa in etwa in einem Dreieck zwischen Verdun im Nordwesten, Metz im Nordosten und Nancy im Südosten liegt.

Vorab ein paar Plätze rausgesucht, die halbwegs ruhig wirken und/oder am Wasser liegen – wir starten nach knapp vier Stunden gemütlicher Anreise mit einer Nacht in Pont-à-Mousson an der Mosel, das mir dem Namen nach irgendwie bekannt vorkommt, als hätte uns Ort oder Stellplatz mal jemand empfohlen, ich komme aber nicht drauf. Hier gibt es einen gar nicht mal schlecht gelegenen Stellplatz an der Marina, wo es für 10 Euro Stromflat und VE gibt (anscheinend bewegt sich da langsam was in Frankreich). Man steht überwiegend am Wasser, entweder direkt an der Mosel mit Blick auf den gegenüberliegenden Ort oder etwas weiter hinten mit Blick auf den Jachthafen. Wir fanden zwar noch ein Plätzchen, aber es gab einen kleinen Vorgeschmack auf den Osterbetrieb – schönes Wetter, Plätze am Wasser … you name it. Man steht recht eng, hat aber vor dem Fahrzeug noch Wiese zur Verfügung, wo man sich ausbreiten kann. Sehr schön bei uns: ein paar Meter entfernt, völlig ungeschützt am Ufer, das Nest eines brütenden Schwanenpaars, ganz klassische Rollenteilung sie als Hüterin des kommenden Nachwuchses, er als Beschützer von Heim und Herd. Dass das bei den ganzen Womo-Hunden gut geht, ein Wunder. Obwohl, mit dem Herrn Schwan hätte ich mich nicht anlegen wollen. Und unsere Schmitz-Kater fanden den Platz insgesamt noch zu unruhig, um großartig auf Erkundungstour zu gehen, ihnen reichte der Platz am Fenster.

Pont-à-Mousson: der zentrale Platz mit Arkaden recht schön, aber durch Autoverkehr viel zu laut und keine Eisdiele weit und breit. Der Blick auf die Stadt übers Wasser ist idyllischer als das Städtchen selbst.

Wohnmobil-Stellplatz Pont-a-Mousson
Abendlicher Blick auf den Stellplatz
Pont-a-Mousson Wohnmobil
Morgendlicher Blick über den Fluss

Es zieht uns weiter in die Natur. Auf dem Weg zum Lac de Madine kommen wir an dem „village détruit“ Regniéville vorbei, das im Ersten Weltkrieg zerstört wurde, um irgendwelche hochwichtigen Linien zu halten. Es läuft einem immer kalt den Rücken runter, wenn man hundert Jahre später immer noch das zerklüftete Land erkennt. Weiter geht’s, den Frieden, die Freizügigkeit in Europa und die Freundschaft mit Frankreich genießen.

Lac de Madine Womo Stellplatz
Blick vom Stellplatz auf den See

Der Lac de Madine ist künstlich angelegt und ich hatte schon so eine Ahnung, dass die angebotenen Stellplätze eher in einer touristischen Infrastruktur liegen – Ferienhäuser, Campingplätze, Wassersport und so. Genau so war es. Offiziell gibt es zwei Stellplätze, eher zwei Typen von Stellplätzen: den „VIP“ oder „confort“-Platz, und alle anderen. VIP gibt’s für 12 Euro inkl. Strom in einem abgegrenzten Bereich, etwas abseits vom Wasser, alle anderen verteilen sich für 5 Euro auf der Wiese. Extras: ein kleiner Sanitärblock mit Klos gegen Zifferncode und zwei einfachen, aber funktionalen und sauberen Duschen.

Das Gelände füllte sich dann in den nächsten zwei Tagen doch recht stärker als erwartet. Wir standen schön am Wasser, allerdings lief der Uferpfad genau vor unserer Nase entlang, so dass alle paar Minuten ein paar Fahrräder oder andere Gefährte an uns vorbeirauschten. Ein paar Meter weiter weg auf der Wiese hätten wir es womöglich ruhiger gehabt, dafür nicht den schönen Blick aufs Wasser. Die Kater entwickeln ihre eigenen Reise-Routinen: während der eine nach wie vor (vorsichtiger als früher) die Gegend an der Leine erkundet, flutscht der andere am allerliebsten unters Pösslchen in seine „Liegefläche“ im Motorraum. Und kommt stundenlang nicht mehr raus. Nicht etwa in Panik oder so, er liegt da ganz gemütlich und schnurrt vor sich hin. Kommt nur nicht raus … was die Tagesplanung schon mal etwas durcheinanderbringen kann. Einmal sahen wir ihn unten überhaupt nicht mehr, und als wir die Motorhaube öffneten, lag er doch tatsächlich oben drin … unser kleines Moppelchen kann sich wohl doch echt dünn machen. Wir haben aber dann gemerkt, was das Problem war: er liebt seine Transportbox, die wir aus Platzgründen immer bei Ankunft zusammengeklappt haben. Das machte er uns bald sehr deutlich, und seitdem war Ruhe: Box steht, Tür kann auf, Kater bleibt drin und ist zufrieden.

Wanderung oberhalb Euville und Bruxières-sous-les-Côtes
Wanderung oberhalb Euville und Bruxières-sous-les-Côtes

Wir bleiben zwei Nächte und entscheiden uns, Samstags nicht die Uferrundweg-Tour zu machen: 22 km wären eher was fürs Fahrrad, und so ziemlich „alle“ machen den Trip auch mit dem Fahrrad. Vögel beobachten und Ruhe war da eher nicht zu erwarten. Wir wenden uns ins „Hinterland“ und wandern durch Streuobstwiesen und einen lichten Wald voller Buchen zur Chapelle de Brunes, einer sehr einsam auf einem Vorsprung im Wald gelegenen Minikapelle mit großer Madonnenskulptur, die man tatsächlich nur zu Fuß und auf einem schmalen, steilen Pfad erreichen kann. Ein toller Blick über den See ist unsere Belohnung. Und auf der ganzen Wanderung nur ein anderes Touri-Pärchen gesehen – die Leute sind wirklich alle am See.

Blick über die Streuobstwiesen auf den See
Blick über die Streuobstwiesen auf den See

Ostersonntag zieht es uns weiter, hier ist es doch etwas zu trubelig. Mit ein paar kleinen Zwischenstopps erreichen wir Toul, eigentlich eine kleine Stadt, und wir kennen die Kathedrale auch schon – aber den Stellplatz noch nicht, und der hat echt Charme. Ein Stück der Vauban-Festungsanlagen ist begrünt und mit einem Bachlauf ausgestattet, ein Stück dahinter liegt ein kleiner Jachthafen. Davor, mit Blick auf Grün, Stadtmauer und Westseite der Kathedrale, ein asphaltierter Platz mit Stromflat für 7 Euro und großzügigem Wiesengelände für Campingmöbel oder Picknicktisch. Außer einer Ansammlung von sehr gesprächigen Krähen in den Bäumen ist dies bis jetzt der ruhigste Platz überhaupt: kein Durchgangsverkehr, kein Kindergeschrei, eine Wohltat. Die Kater honorieren es mit guter Laune und Spazierlust. Unser Abenteuerkater traute sich so weit raus, dass er auf dem zügigen Rückmarsch schon halb im Womo der Nachbarn verschwunden war …

Wohnmobilstellplatz Toul
Wohnmobilstellplatz Toul
Von überall die Kathedralentürme
Von überall die Kathedralentürme
Kathedrale Toul
Du biegst um die Ecke und … wham.

Toul hat seine tolle Kathedrale (die immer noch ziemlich viel Baustelle hat), ist aber trotz Schnuckligkeitspunkten ansonsten echt ein verschlafenes Nest. Ehemals Bischofssitz, ehemals Festungs- und später Kasernenstadt, ehemals Industrie, keine Eisdiele, schrumpfende Bevölkerungszahlen … man merkt dieses „ehemals“ ein wenig. Hier und da hängen noch gelbe Westen aus den Fenstern. Was übrigens auffällt, wo wir gerade bei der Politik sind: man sieht hier fast überhaupt keine Wahlwerbung für die Europawahl. Es gibt die üblichen winzigen Plakatständer vor dem Rathaus oder auf einem zentralen Platz, und hier und da sieht man einzelne Plakate an einer Bushaltestelle, und das wars. Ich weiß nicht so genau, wie ich das deuten soll.

Kirschblüte
Alles blüht und duftet

Zum Abschluss unserer kleinen Tour gönnen wir uns noch eine Basilika minor in der Nähe von Nancy: Saint-Nicolas-de-Port ist halb so groß wie Toul, sehr dicht um die große gotische Wallfahrtskirche herumgebaut (aber auch keine Eisdiele) und hat neben einem gar nicht mal so schlechten, kostenlosen Stellplatz am Wasser mit großer (!) Storchenkolonie noch ein tolles Brauereimuseum zu bieten, das sogar montags (!) geöffnet hat. Für 5,50 bekommt man nicht nur die Besichtigung des ganzen Brauereikomplexes geboten, sondern auch noch ein kräftiges Bier zum Abschluss. Wenn wir gewollt hätten, hätte uns der engagierte Mitarbeiter sogar noch persönlich geführt, aber das war uns dann doch etwas zu viel.

Der Stellplatz ist großzügig und ist günstig gelegen, leidet aber etwas unter der gegenüberliegenden Straße und einer Tanke mit recht lauter Waschanlage. Man steht aber im Prinzip ruhig unter Bäumen (wenn man mag) und wir hatten diesmal viel Abstand zu den wenigen Nachbarn, so dass der Abenteuerkater wieder in Ruhe seinen kleinen Morgen- und Abendspaziergang machen konnte. Das Geklapper der Störche fand er durchaus interessant.

Wohmobilstellplatz Saint-Nicolas-de-Port
Wohmobilstellplatz Saint-Nicolas-de-Port: im Prinzip nett, aber.

Achso, ihr wollt noch ein paar Camping-Katzen sehen? Könnt ihr haben: hier kommen die Schmitzkatzen-Outtakes:

 

 

 

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