Entspannende Mitte der Bretagne

Rund um den Lac de Guerlédan und entlang des Canal de Nantes à Brest

Natürlich ist es wieder passiert: Kaum waren wir nach zwei Zwischenstopps im Zielgebiet angekommen, gab es so viel zu sehen, dass wir nach zwei Nächten am Lac de Guérledan schon ganz schön außer Atem waren. Ray brachte seinen Standardspruch am dritten Tag: „Ich will jetzt mal ein paar Tage auf einen ruhigen Platz und ankommen“, während ich schon wieder die Route des nächsten Tages austüftelte statt das Hier und Jetzt zu genießen.

Der Wohnmobilstellplatz an der Ostseite des Lac de Guérledan liegt schön und fast direkt am Wasser (wenn man nicht grad gut einen Meter Niedrigwasser im Stausee hat), wir zogen trotzdem am nächsten Tag auf den Camping du Lac um, der gleich um die Ecke etwas oberhalb liegt. Die Touristen sind wegen Ferienende zwar abgezogen, aber man unterschätzt leicht den landwirtschaftlichen Verkehr in der ansonsten sehr ruhigen Gegend, der regelmäßig zwischen Womo und Seeufer vorbeibrettert. Da war der schön schattig bewaldete Camping doch die bessere Wahl.

Und wir kommen richtig rum: Unsere neuestem Spielzeuge, zwei E-Bikes, machen sich in der sehr hügeligen Gegend rund um den Stausee so richtig bezahlt. Wir hätten die schönsten Ecken gar nicht zu sehen bekommen, denn mit unseren einfachen Stadtbikes wären wir nicht mal den nächsten Berg hochgekommen. Hier jedoch: 7% Steigung? Kein Problem! Einkaufen in den nächsten Ort – pack die Körbe voll! Wir bewegen uns definitiv mehr als normal, weil wir viele kleine Ziele in der Umgebung mangels Fitness gar nicht erst angegangen wären, und Pösslchen muss nicht soviel Kurzsstrecke machen, was mit den Schmitzkaters eh ungünstig ist. Ziel ereicht ✅

Den Last-Minute-Tipp eines guten Bekannten erwischten wir eher durch Zufall, denn er ist gleich ums Eck: Westlich des Stausees liegen die so genannte Forges des Salles, ein sehr kompaktes Industriedenkmal aus der Frühzeit der Eisenindustrie, gegründet von den Herren von Rohan (sic!) Schon 1877 wurden sie geschlossen und heute sind sie natürlich zu besichtigen (die Anlagen, nicht die Herren von Rohan, aber die heutigen Herrschaften bewohnen tatsächlich das Château …).

Statt dann noch 100 Kilometer weiterzuziehen, wie ich bescheuerterweise eigentlich vorhatte, kommt Rays Ansage von oben zum Tragen, und meine Erkenntnis: nirgendwo steht geschrieben, dass man sich in der Bretagne nicht auch abseits des Meers erholen darf. In dem wenige Kilometer weiterliegenden Örtchen Gouarec entdecken wir „den schönsten Campingplatz am Nantes-Brest-Kanal“, und sie versprechen nicht zuviel. Der Kanal direkt vor der Nase, Lage auf einer langgezogenen Insel, freie Platzwahl, und eine Wiese voll mit Vintage-Caravans, die man mieten kann. Wer mag, darf auch eine 2CV-Ente mieten, sich in eine gemütlich eingerichtete Leseecke verziehen, oder die ganzen anderen liebevollen Details des Platzes verlieben.

Und dass wir den wunderbaren Radweg am Kanal entlang am nächsten unsicher machten, ist ja wohl klar … der wäre auch ohne E-Bike eine echte Freude. Obwohl man weiß, dass es sich um ein künstliches Konstrukt handelt – Kulturlandschaft vom Feinsten – fühlten wir uns zwischendurch wie im Urwald. Dass sich an einer der zahlreichen Schleusenstationen ein Familienbetrieb mit Galette- und Crêpe-Produktion mittags direkt am Kanal um die hungrigen Radfahrenden kümmerte, war dann nur noch das i-Tüpfelchen. Ein perfekter Ort in der Bretagne.

PS: Die Kater fühlen sich hier auch wohl, wie man sieht, und ich habe keine Ahnung, warum man vom E-Bike-Fahren hinter Ray so schwarze Füße bekommt.

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