Geheimtipp Landévennec, Crozon

Angeregt von Jos altem Abstecher auf die Halbinsel Crozon 1996 landeten wir nach unserem Kulturtag mit den umfriedeten Pfarrbezirken abends am westlichsten Zipfel von Crozon. Das ist ein spannendes Gekurve, man kann vom Festland schon rüberspucken, man muss dann aber noch über eine Brücke und rund 10 Kilometer fahren, bis man genau am anderen Ende rauskommt.

Und die Brücke an sich ist auch schon sehenswert (die ist wirklich so schief, Pösslchen hat sich nicht in die Kurve gelegt!)
Und die Brücke an sich ist auch schon sehenswert (die ist wirklich so schief, Pösslchen hat sich nicht in die Kurve gelegt!)

Wir hatten uns eine Ecke ausgesucht, wo es eine uralte Abteiruine gibt, und von der der Reiseführer schrieb „… mit Landévennec scheint es bergab zu gehen. Von den einst zwei Hotels ist eines nur noch eine löchrige Ruine, das andere überlebt derzeit als B&B, der Campingplatz hat dichtgemacht, …“ usw. usf. – das klingt genau richtig für uns ;-) Nun, die Website des Örtchens schreibt immer noch etwas vom Campingplatz, also wenn diese nicht auch eine löchrige Ruine ist, ist es einen Versuch wert, ansonsten stellen wir uns halt irgendwo frei hin.

Abendessen bei Ebbe
Abendessen bei Ebbe

Wir kommen also abends den Berg runter und landen auf einem kleinen Plateau, das direkt am Wasser liegt – der letzte Zipfel der Bucht von Brest. Eine Campingwiese, von Bäumen umrundet, einsam, ruhig. Stromsäulen (offen, ohne Münzen). Zwei oder drei Womos haben sich hierhin verirrt, und zwei Paare mit einem Zelt. Keine Rezeption, kein gar nichts – wir stellen uns unter die Bäume ans Wasser und wissen sofort: hier bleiben wir. Außer, dass man in aller Ruhe das kommende und gehende Wasser beobachten kann, ähnlich wie vor Cap Fréhel, aber viel näher, ist das auch einer der wenigen Orte, wo man am Kies-Sandstrand ohne Gefahr mal die Feuerschale anwerfen kann. Etwas Holz hatten wir noch dabei, und im Grunde rechneten wir damit, dass die Flut uns später am Abend das Feuer löschen würde, aber so nah kam das Wasser dann doch nicht.

So kann es bleiben.
Zwei Gläser Cidre mit Blick auf das Wasser

Ein wunderbar stiller Ort in geschützter Lage mit einer recht hohen Sonnenscheindauer, die es vielleicht auch für einen winterlichen Besuch qualifiziert. Und so verschlafen dann auch nicht: Morgens orientieren wir uns dann mal an der Infotafel und sehen, dass es noch ein kleines Sanitärhäuschen gibt, und dass wir doch bitte in die Mairie gehen sollen zum Bezahlen – diese hatte samstags tatsächlich geöffnet! (Stell dir das bitte mal in einem beliebigen deutschen Dorf gleicher Größe vor …) Und nicht nur das: die Dame hatte unser Kennzeichen bereits notiert, fein handschriftlich die Rechnung vorbereitet und kassierte freundlich ihre bescheidenen 10 Euro nochwas inkl. Strom. Später fanden wir dann auch noch den Zettel an Pösslchens Scheibenwischer, der uns einlud, doch mal bei der Mairie vorbeizuschauen ;-)

 Nebenan, in der „Épicerie communale“, gibt es morgens dreisprachig „frische Backwaren“. Was will man mehr?
Nebenan, in der „Épicerie communale“, gibt es morgens dreisprachig „frische Backwaren“. Was will man mehr?

Die alte Abteiruine entpuppte sich als durchaus sehenswerte Anlage mit angegliedertem Museum, das uns am Tag des offenen Denkmals auch noch kostenlos empfing. Und die „löchrige Ruine“ des alten Hotels mitten im Ort … wir kamen schon wieder auf Ideen, was man daraus machen könnte.

Dass wir übrigens ständig an der Stromsäule stehen, hatte seinen Grund – irgendwas stimmt mit den Batterien und/oder der Laderegelung der Wohnraumbatterien nicht, schon zweimal waren wir ohne Grund auf 10,4 Volt (= leer) runter und das Licht ging uns abends aus – sogar als wir an der Stromsäule hingen! Das kulminierte in der Nacht zum Sonntag dann, als Ray mitten in der Nacht die Batteriesäure brodeln hörte und uns erst mal komplett vom Strom nahm. Ganz großes Kino, an einem Sonntag in Crozon ohne Strom dazustehen. Ich bereitete mich schon mal auf eine gepflegte Konversation auf Französisch vor, aber Ray, mein Magier des Elektriktrik, hatte noch 1-2 Ideen auf Lager.

Vokabeln üben
Vokabeln üben

Es sprach einiges für einen Batterieschaden – die guten Stücke sind jetzt fast fünf Jahre alt, da ist sowas zumindest nicht völlig ausgeschlossen. Sie schienen unterschiedlich heiß zu sein, deshalb die Theorie, dass nur eine von beiden hinüber ist – bingo. Ray klemmte eine von beiden ab und seitdem ist Ruhe – etwas weniger Strom, aber dafür zuverlässig geladen, ob vom Dach, während der Fahrt oder an der Stromsäule. Und nichts blubbert mehr … Jetzt dürft ihr uns demnächst mit guten Tipps für neue Batterien versorgen – LiFePo oder nicht LiFePo, das ist hier die Frage!

Ansonsten, Crozon: ist nicht so unser Ding. Der Blick auf Brest am Pointe des Espagnols – ok, kann man machen. In Camaret-sur-Mer gibt es einen riesigen Womo-Stellplatz, der gar nicht mal schlecht gemacht ist, daneben einen ganz netten Camping Municipal unter Bäumen (woher der Reiseführer allerdings das mit den „lustigen modernen Sanitärblocks“ nahm, naja. Lustig ja, modern – nein). Aber irgendwie wurden wir mit der Halbinsel (abgesehen vom beschaulichen Landévennec) nicht so richtig warm, deshalb machten wir uns bald auf den Weg zum „wildromantischen“ Pointe du Raz am Ende der bretonischen Welt.

 

 

 

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